Urteil des DFB-Bundesgerichts Dresden will Pokal-Ausschluss nicht akzeptieren 

Dynamo Dresden darf in der Saison 2013/2014 nicht am DFB-Pokal teilnehmen. Der Zweitligist war wegen Ausschreitungen seiner Anhänger ausgeschlossen worden, hatte aber Berufung eingelegt. Diese hat das DFB-Bundesgericht nun abgelehnt. Auch dagegen will der Club nun vorgehen.

Dynamo-Anhänger in Hannover: Dresden bleibt ausgeschlossen
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Dynamo-Anhänger in Hannover: Dresden bleibt ausgeschlossen


Hamburg - Es bleibt vorerst dabei: Der DFB-Pokal findet in der kommenden Saison ohne Dynamo Dresden statt. Wegen wiederholter Ausschreitungen seiner Fans war der Zweitligist bereits im Dezember vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes zu dieser Strafe verurteilt worden und ging in Berufung. Nun lehnte das übergeordnete DFB-Bundesgericht diese nach einer mehr als sechsstündigen Sitzung ab.

"Die Entscheidung ist die Folge einer Kette von Fehlleistungen der Anhänger des Vereins", sagte der Vorsitzende Richter Goetz Eilers zur Begründung. Am 31. Oktober 2012 hatten Dresdner Fans vor dem Spiel der zweiten Pokalrunde bei Hannover 96 (3:4 i.E.) die Eingänge der Arena gestürmt. Zudem wurde in beiden Fanblöcken Pyrotechnik gezündet. Drei Anhänger wurden festgenommen, außerdem kamen 18 Personen vorübergehend in polizeilichen Gewahrsam. Insgesamt gab es neun Verletzte.

"Vereine und Anhänger stellen eine Einheit dar. Für ein Verschulden der Anhänger sind die Vereine haftbar zu machen. Dieser Grundsatz ist für die Verbände unverzichtbar", sagte Eilers. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, hatte in seinem Schlussplädoyer gefragt, ob eine erneute Strafminderung der "Öffentlichkeit zuzumuten" wäre. "Wo ist die positive Zukunftsaussicht", sagte er: "Der Verein hat selbst zugegeben, die eigenen Fans nicht im Griff zu haben."

Dynamo-Anwalt wollte Grundsatzentscheidung herbeiführen

"Wir haben die Vorstrafensituation des Vereins zu berücksichtigen", sagte Eilers. Bereits in der vergangenen Saison hatten die Dresdner nach Ausschreitungen beim Pokalspiel in Dortmund im Oktober 2011 erst in der Berufung vor dem DFB-Bundesgericht einen Ausschluss abwenden können. "Dieses Urteil war damals mit einer dringenden Warnung an den Verein verbunden. Doch diese Warnung hat nicht gefruchtet", sagte der Vorsitzende Richter.

Die Dresdner hatten während der Verhandlung versucht, eine Grundsatz-Entscheidung herbeizuführen. Ihr Argument: Ein Verein kann nicht für das Verhalten einzelner Anhänger bestraft werden. "Die verschuldensunabhängige Haftung steht zwar in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB. Aber sie verletzt in diesem Fall Grundsätze des Verfassungsrechts. Man darf nur für etwas bestraft werden, das man auch verschuldet hat", hatte Dynamo-Anwalt Jörg Heyer in seinem Plädoyer erklärt.

Kurz nach der Urteilsverkündung erklärte Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller, dass der Club wahrscheinlich vor das Ständige Schiedsgericht des DFB ziehen werde. "Ich will den Gremien ja nicht vorgreifen, aber ich sage: Auf ein Neues, meine Herren. Wir sehen uns in dieser Sache noch einmal", sagte Müller.

Es ist das erste Mal, dass ein Club wegen Ausschreitungen der eigenen Fans aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen wurde."Der Pokalausschluss ist das richtige Mittel, um zu signalisieren, dass der DFB nicht zuschaut, wenn solche Vorkommnisse wiederholt stattfinden. Wir hatten keine andere Möglichkeit zu reagieren", sagte Eilers.

luk/dpa

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sgd1953 07.03.2013
1. na dann
"Vereine und Anhänger stellen eine Einheit dar. Für ein Verschulden der Anhänger sind die Vereine haftbar zu machen. Dieser Grundsatz ist für die Verbände unverzichtbar" Statement des DFB nach den Vorkommnissen in Leverkusen: ''Es ist der falsche Weg Vereine, für die Verfehlungen einzelner, sportlich zu bestrafen '' Lächerlich diese Truppe. Bin mal gespannt was jetzt mit Frankfurt passiert. Der DFB tritt das deutsche Rechtssystem mit Füßen. Im ersten Urteil sprach der Richter '' Dem Verein Dynamo Dresden trifft keine Schuld ''
Andrea84 07.03.2013
2. Keine "Fans"
Zitat von sysopDPADynamo Dresden darf in der Saison 2013/2014 nicht am DFB-Pokal teilnehmen. Der Zweitligist war vom Deutschen Fußball-Bund wegen Ausschreitungen seiner Fans von dem Wettbewerb ausgeschlossen worden, hatte aber Berufung eingelegt. Diese hat das DFB-Bundesgericht nun abgelehnt. http://www.spiegel.de/sport/fussball/ausschluss-vom-dfb-pokal-berufung-von-dynamo-dresden-abgelehnt-a-887395.html
Diese Menschen, die vom Spiegel immer als "Fans" bezeichnet werden sind nichts weiter als randalierwütige Idioten, denen es mit nichtem um den Fußball geht sondern einzig und allein darum sich zu kloppen- ob nun mit den gegnerischen Chaoten oder einfach nur untereinander- und Sachbeschädigung zu betreiben. Ich bin absolut kein Fußballfan, finde es aber sehr schade, dass ein Verein dafür büsen muss, sei es mit Sperrung und Strafzahlungen. Was kann ein Verein dagegen ausrichten?! Auch sehr traurig für die echten Fans, die Väter und Söhne, Renter und Fußballbegeisterten, die erst letzten Samstag wieder in Massen zum Stadion zogen.
zuckerpuppe 07.03.2013
3. Nur mal so!
Man stelle sich nur mal so vor, irgend jemand käme auf die Idee, Borussia Dortmund mit dem Satz "Vereine und Anhänger stellen eine Einheit dar" zum Nazi-Verein zu erklären, nur weil eine Anzahl Anhänger braune Überzeugungen vor sich her tragen. Undenkbar? Im Umgang mit Dynamo Dresden offenbar nicht. Kein einziges DFB-Gremium hätte sich getraut, an einem traditionsreichen West-Verein dieses widersinnige Exempel zu statuieren.
marius_k 07.03.2013
4. Skandal!!!!!!!!
Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass der DFB mit zweierlei Maß misst, so wurde dieser heute erbracht. Skandalös ist einerseits, dass Strafe nicht voraussetzt, dass im Vorfeld ein Fehlverhalten des Bestraften erfolgt sein muss, andererseits, dass der einzig zulässiges Schluss aus dem Ergebnis der Berufungsverhandlung sein muss, dass an Dynamo Dresden ein Exempel statuiert wurde. Ich frage mich ernsthaft, wieso Frankfurt als mehrfacher "Wiederholungstäter" nicht mit Punktabzügen bestraft wird aber ja, von Seiten des DFB wollte man aufgrund des Verhaltens Einzelner nicht in den sportlichen Wettbewerb eingreifen, also genau dass, was man bei Dresden jetzt getan hat. Ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn es beim Derby im Ruhrpott zu Ausschreitungen kommen sollte, wahrscheinlich nichts. Die Logik der Entscheidung des DFB heißt für mich nur, du muss nicht schuld sein um trotzdem bestraft zu werden. Das entspricht aber wohl eher dem Rechtsverständnis eines totalitären Regimes. Vielleicht sollte sich die Verkehsgestzgebung daran ein Beispiel nehmen, Unfallflucht von einigen wenigen Autofahrern bedeutet Fahrverbot für alle!
zuckerpuppe 07.03.2013
5. Eben nicht!
Zitat von Andrea84Diese Menschen, die vom Spiegel immer als "Fans" bezeichnet werden sind nichts weiter als randalierwütige Idioten, denen es mit nichtem um den Fußball geht sondern einzig und allein darum sich zu kloppen- ob nun mit den gegnerischen Chaoten oder einfach nur untereinander- und Sachbeschädigung zu betreiben. Ich bin absolut kein Fußballfan, finde es aber sehr schade, dass ein Verein dafür büsen muss, sei es mit Sperrung und Strafzahlungen. Was kann ein Verein dagegen ausrichten?! Auch sehr traurig für die echten Fans, die Väter und Söhne, Renter und Fußballbegeisterten, die erst letzten Samstag wieder in Massen zum Stadion zogen.
Da soll es also echte und falsche Fans geben, ja? Väter, Söhne, Rentner und Fußballbegeisterte. Das kann ja dann einen schönen stimmungsmäßigen Totentanz geben. Wo bleiben denn die "Muttis", damit's im Sinne von Fernsehen und DFB ein richtig kuschliger Familiennachmittag im Stadion wird. Fankultur ist kein Streichelzoo, wo soll denn Deiner Meinung nach der Dampf abgelassen werden, wenn nicht im Stadion mit fiesen Gesängen und Pyros? In der Fußgängerzone etwa?
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