Ausschreitungen DFB ermittelt gegen Erfurt und Mannheim

Die "Juden-Jena"-Rufe in Erfurt haben Konsequenzen: Der DFB ermittelt gegen den Drittliga-Club RWE. Auch Waldhof Mannheim und 1860 München müssen nach schweren Ausschreitungen eine Stellungnahme beim Verband abgeben und eine Strafe fürchten.


Hamburg - Die schweren Ausschreitungen während und nach dem Regionalliga-Spiel zwischen dem ehemaligen Bundesligisten Waldhof Mannheim und 1860 München II (1:4) sowie die antisemitischen Parolen bei der Drittliga-Partie Rot-Weiß Erfurt gegen Carl Zeiss Jena (2:1) am Freitagabend werden ein Nachspiel haben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird in beiden Fällen in den kommenden Tagen Stellungnahmen von den Clubs anfordern und dann Ermittlungen einleiten.

Leuchtfackel (bei Fußballrandale in Dresden): "Aggression nicht vorhersehbar"
DPA

Leuchtfackel (bei Fußballrandale in Dresden): "Aggression nicht vorhersehbar"

In Erfurt skandierten rund mehrere hundert Anhänger der Gastgeber "Juden-Jena" und stimmten zudem ein antisemitisches Lied an. Erst nach einer Aufforderung durch den Erfurter Stadionsprecher, die Rufe zu unterlassen, verstummten die Parolen. Die Anhängerschaft der Gäste hatte ihrerseits für Aufsehen gesorgt, als sie mehrere Schals der Hausherren in ihrem Block verbrannten.

"Diese Rufe sind unmöglich. Wir werden uns davon öffentlich distanzieren", sagte der Erfurter Präsident Rolf Rombach nach den Vorfällen. Auch Jena-Geschäftsführer Andreas Wiese war entsetzt: "Es ist leider nicht vermeidbar, dass es in jedem Stadion immer ein paar Bekloppte gibt. Aber die Intensität von 400 bis 500 Personen hat mich bestürzt", hatte Wiese SPIEGEL ONLINE gesagt. Der Jurist will ein Klage wegen Beleidigung und Volksverhetzung einreichen.

In Mannheim musste Schiedsrichter Christian Dingert die Begegnung zwei Minuten nach der Pause unterbrechen, als Randalierer aus dem Gästeblock Leuchtraketen zündeten und auf das Spielfeld warfen. Die Unterbrechung dauerte 28 Minuten. Nach Spielende gruppierten sich rund 300 Anhänger des SV Waldhof vor dem Stadion. Es kam zu massiven Übergriffen gegenüber den eingesetzten Polizeibeamten und 1860-Anhängern, die von den Randalierern mit Steinen und Flaschen beworfen wurden. Mehrere Beamte wurden hierbei verletzt. Zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen.

Hundert Randalierer hatten noch versucht, ins Stadioninnere zu kommen, um den Bus anzugreifen. "Diese Aggression war bei dieser Begegnung nicht vorhersehbar. Steine wurden von den Gleisen der Theodor-Heuss-Anlage zu gefährlichen Wurfgeschossen benutzt. Den Bus der Münchener konnten wir nur über einen Schleichweg am Neckarufer nach draußen lotsen", erklärte Mannheims Polizeisprecher Volker Böhm.

mig/sid



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