Ausschreitungen im Wiener Stadtderby Erboste Politiker, ratlose Club-Funktionäre

Mehrere hundert Hooligans haben den österreichischen Fußball in Aufruhr versetzt. Politiker fordern nach dem Abbruch des Derbys zwischen Rapid und Austria Wien "ganz harte Strafen". Der betroffene Verein gibt sich hilflos, nahm Warnungen im Internet aber nicht ernst.
Hooligans in Wien: "Eine Schande für den österreichischen Fußball"

Hooligans in Wien: "Eine Schande für den österreichischen Fußball"

Foto: Herbert P. Oczeret/ dpa

Hamburg - Es war noch nicht einmal eine halbe Stunde gespielt, als die Spieler von Rapid und Austria in Panik in die Kabine flüchteten. Rund 300 teils vermummte Rapid-Hooligans stürmten den Rasen des Gerhard-Hanappi-Stadions, Feuerwerkskörper knallten, Rauch stieg auf. Schiedsrichter Thomas Einwaller brach das Wiener Stadtderby beim Stand von 2:0 für Austria ab, weil die Sicherheit im Stadion nicht mehr gewährleistet werden konnte. 25 verletzte Fans, drei verletzte Polizisten, aber nur drei Festnahmen waren die Folge.

Einen Tag nach dem unrühmlichen Vorfall reagieren die Verantwortlichen nun mit den üblichen Ankündigungen. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger verspricht lebenslange Stadionverbote für die Randalierer. "Die Rädelsführer werden das Hanappi-Stadion nicht mehr von innen sehen. Wir haben viele identifiziert, gegen die wird vorgegangen", sagte der ehemalige Finanzminister der österreichischen Zeitung "Der Standard".

Edlinger sah jedoch auch nach dem Spiel keinen Fehler darin, die zahlreichen Ankündigungen in Internet-Foren für eine Erstürmung des Platzes nicht ernst genommen zu haben. "Gerüchte gab es schon vor vielen Spielen. Drohung ist das eine, Realisierung das andere", sagte der Funktionär: "Ich weiß nicht, was wir uns vorwerfen können. Wir haben alles getan, was wir im Vorfeld machen konnten, hatten eine entsprechende Zahl von Sicherheitskräften." Auch Club-Manager Werner Kuhn hatte unmittelbar nach dem Spiel gesagt, es sei alles Erdenkliche getan worden, um einen derartigen Vorfall zu verhindern.

Die Sicherheitsvorkehrungen reichten dennoch bei weitem nicht aus, der Mob konnte weitgehend ungehindert auf das Spielfeld stürmen. "Das ist eine Schande nicht nur für den österreichischen Fußball, sondern für den gesamten Sport. Die Bilder sind um die Welt gegangen, das ist ein großer Imageschaden", sagte Österreichs Sportminister Norbert Darabos, der im Stadion war.

Politiker fordert Gesetzesänderung

Darabos will nun in ganz Österreich rigoros Stadionverbote verhängen. "Diesen Fall muss man ganz hart bestrafen", sagte der Politiker, dem zudem eine Gesetzesänderung vorschwebt, die solche Ausschreitungen künftig strafbar macht. Dann würde sich der eine oder andere überlegen, ob er den Platz stürmt, so Darabos.

Konsequenzen kündigte auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner an. Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit solle sich nun mit den Vereinen zu einer Krisensitzung treffen und England als Vorbild nehmen. Dort hatten die Verantwortlichen nach schweren Ausschreitungen Anfang der neunziger Jahre mit Maßnahmen wie Stadionverboten, massiver Videoüberwachung und harten Strafen die Gewalt in den Erstliga-Stadien weitestgehend reduzieren können.

Um die sportlichen Folgen für den Verein hat sich am Montag der Strafsenat der österreichischen Bundesliga gekümmert und das Derby mit 3:0 zugunsten der Austria gewertet. Das berichtete die Nachrichtenagentur APA am Montag. Über das weitere Strafmaß gegen den österreichischen Rekordmeister will das Gremium am 1. Juni entscheiden. Bundesliga-Vorstand Georg Pangl sagte: "Der zweite Punkt, der abzuarbeiten ist, ist die mangelnde Vorsorge für ein Meisterschaftsspiel." Rapid könnte neben einer zusätzlichen Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro drohen, die nächsten Spiele vor leeren Rängen oder in einem anderen Stadion austragen zu müssen.

Bei Rapid Wien herrschte nach dem Gewaltausbruch Ratlosigkeit. "Wir haben uns bisher immer mit der besten Fan-Arbeit gerühmt. Scheinbar war es aber nicht die beste", sagte Clubservice-Leiter und Stadionsprecher Andreas Marek. "Wir haben neue Gruppierungen bei uns, die machen uns das Leben schwer. Das ist eine Situation, mit der wir noch nicht umgehen können", erklärte Marek und gab zu: "Im Moment weiß ich nicht genau, wie es weitergehen soll."

Fassungslos waren nach dem Abbruch auch die Gäste. "Es kann nicht sein, dass man zum Freiwild wird, wenn man eine Misserfolgsserie hat. Es hat fast so ausgesehen, als ob sich die radikalen Fans ein 0:2 gewünscht haben, um diese Plattform zu bekommen", sagte Trainer Karl Daxbacher.

Austrias Torhüter Heinz Lindner klang fast erleichtert wegen des Abbruchs in der 26. Minute. "Die Rapid-Fans hätten mich getötet", sagte der 20-Jährige, der in der zweiten Halbzeit unmittelbar vor der Kurve der Randalierer gestanden hätte, der "Kronen"-Zeitung.

ged/dpa
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