Ausschreitungen in Rostock "Leute mit einer halben Gehirnzelle"

Randale vor dem Spiel, Randale nach dem Spiel: Rostocker Hooligans attackierten beim Zweitliga-Match zwischen Hansa und dem FC St. Pauli die Fans aus Hamburg. DFB-Präsident Zwanziger kündigte eine Untersuchung an, der Gästetrainer fand deutliche Worte.


Hamburg - Über 600 Polizisten konnten die schwersten Fußball-Ausschreitungen in Rostock seit mehreren Jahren nicht verhindern. Die Bilanz der Krawalle am Rande des Zweitliga-Spiels zwischen dem FC Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (3:0) lautete am Freitagabend offiziell: 15 Verletzte, darunter sechs Polizisten, dazu 52 Festnahmen. Vor dem Anpfiff hatten Hansa-Hooligans etwa 1200 Gäste-Anhänger am Stationeingang angegriffen und mit Flaschen und Steinen beworfen. 52 Rostocker Randalierer wurden daraufhin in Gewahrsam genommen. Gegen 47 von ihnen wird wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs ermittelt.

Nach dem Abpfiff griff eine Gruppe von bis zu 500 Personen massiv die Absperrungen der Polizei an, die die Fan-Lager trennen sollte. Als Hansa-Anhänger versuchten, eine Absperrung zu durchbrechen, setzte die Polizei zwei Wasserwerfer und Tränengas ein. Laut Augenzeugenberichten kam es zu wilden Prügeleien zwischen Polizei und Fans. Festnahmen habe es dabei nicht gegeben, so Polizeisprecherin Dörte Lembke.

Die Polizei hatte auf eine Deeskalationsstrategie gesetzt. "Beide Fan-Lager sind nur zweimal direkt aufeinandergetroffen", sagte Lembke am Samstag und verteidigte die Marschroute der Polizei. Nach ihren Angaben hätten sich Rostocker Fans nicht an eine Abmachung gehalten, die in der Woche zwischen Anhängern, Verein, Ordnungsdienst und Polizei geschlossen worden war.

Als "enttäuschend und frustrierend" bezeichnete der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, die Vorfälle. "Wir werden nie eine heile Welt haben, aber die Gesellschaft muss sich fragen, warum die Hemmschwelle für Gewalt so niedrig ist", sagte er und kündigte an: "Natürlich werden wir die Vorfälle um das Spiel untersuchen."

"Es gibt immer wieder Leute mit einer halben Gehirnzelle. Man muss versuchen, diese Leute so schnell wie möglich auszusortieren", sagte Hamburgs Trainer Holger Stanislawski. Hansas Vorstandschef Dirk Grabow sah es ähnlich: "Ich weiß nicht, was diese Leute im Kopf haben. Wahrscheinlich sind die Birnen leer."

An eine Strafe durch den DFB glaubt Grabow nicht: "Die Sachen sind nach dem Schlusspfiff passiert und haben das Spiel nicht beeinflusst." Wie groß der Imageschaden für den Verein sein wird, ist dagegen nicht abzuschätzen. Erst vor zwei Monaten hatten Rostocker Anhänger bei einem Freundschaftsspiel in Dänemark das dortige Stadion verwüstet.

Im Mai 2007 legten Hansa-Fans bei einem Auswärtsspiel in Essen im Stadion Feuer. Bei Spielen des FC St. Pauli in Rostock war es in der Vergangenheit immer wieder zu massiven Ausschreitungen gekommen. Schon 1993, als die Hamburger erstmals bei Hansa antraten, gab es zwölf Verletzte und 32 Festnahmen. Zuletzt waren beide Clubs vor sechs Jahren aufeinandergetroffen.

DFB-Präsident Zwanziger verwies am Samstag auch darauf, dass er weiter auf das Konzept der regionalen Fan-Projekte setzt. In Rostock gibt es bislang keines - es wird am Dienstag eröffnet.

all/sid/dpa



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