Hausdurchsuchungen Verhärtete Fronten zwischen Schalke-Ultras und Polizei

Die Stimmung zwischen der Schalker Fankurve und der Polizei ist seit den Vorkommnissen beim Champions-League-Spiel gegen Saloniki äußerst angespannt. Nun sorgen Hausdurchsuchungen für neuen Ärger.
Polizeieinsatz im Schalker Block: Schlechtes Verhältnis

Polizeieinsatz im Schalker Block: Schlechtes Verhältnis

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Zwei Mitglieder der Schalker Fangruppe "Ultras Gelsenkirchen" staunten nicht schlecht, als plötzlich die Polizei vor der Tür stand. Ausgestattet mit einem Durchsuchungsbefehl konfiszierten die Beamten Handys, Fotokameras und andere Datenträger. Die offizielle Begründung für die Razzia Ende Februar: Die beiden Anhänger werden mit den Vorkommnissen beim Schalker Champions-League-Spiel gegen Paok Saloniki im August 2013 in Verbindung gebracht - laut Durchsuchungsbeschluss allerdings lediglich als Zeugen.

Auch deshalb mehrt das Vorgehen der Beamten die Wut der Schalker Fans auf die Polizei Gelsenkirchen, die Stimmung ist am Tiefpunkt. In einer Stellungnahmen schreiben die "Ultras Gelsenkirchen" von einer "inakzeptablen Maßnahme", bei den Durchsuchten handele es sich um Personen, "denen bis zum aktuellen Zeitpunkt keine Straftat zur Last gelegt wird".

Zu Erinnerung: Bei der Partie in Gelsenkirchen hatten Polizeieinheiten den Schalker N-Block mit Pfefferspray und Schlagstöcken gestürmt und versucht, eine Fahne von Komiti Skopje einzukassieren, dem mit Schalker Anhängern befreundeten Fanclub eines mazedonischen Vereins. Laut Einsatzleiter hätten die griechischen Saloniki-Fans die Fahne, auf der der "Stern von Vergina" zu sehen war, als Provokation und Volksverhetzung empfunden und deshalb mit Ausschreitungen gedroht.

Der Einsatz, bei dem auch unbeteiligte Fans verletzt worden waren, stieß auf große Kritik. Schalke selbst hatte das Vorgehen zügig als "unverhältnismäßig" verurteilt und war daraufhin mit der Gelsenkirchener Polizei aneinandergeraten. Kurzfristig hatte diese gedroht, ihre Präsenz rund um das S04-Stadion extrem zurückzufahren.

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Champions-League-Playoffs: Polizei-Schrecken in der Kurve

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images

Auch der Gelsenkirchener SPD-Landtagsabgeordnete Markus Töns, ein Parteifreund von Innenminister Ralf Jäger, hatte sich damals entsetzt gezeigt, dass "mit solch beispielloser Gewalt" vorgegangen worden sei: "Da standen auch Familien und unbeteiligte Jugendliche in dem Fanblock", sagte Töns, der beim Spiel in der Arena war.

Der Streit zwischen Verein und Polizei ist mittlerweile beigelegt, Schalke räumte ein, selbst Fehler gemacht zu haben. Doch nun scheint die Problematik erneut angeheizt zu werden. Denn in ihrer Stellungnahme zu den Hausdurchsuchungen kritisieren die Ultras die Polizei erneut scharf: Sie wolle damit "nur von eigenen Fehlern ablenken". Offenbar befürchten die Anhänger, dass das konfiszierte Material nicht gleichermaßen für Ermittlungen gegen Polizisten genutzt wird.

Es bleibt allerdings bei diesen in den Raum gestellten Mutmaßungen der "Ultras Gelsenkirchen", zum Dialog sind sie offenbar nicht bereit. Denn über ihre Internetplattformen publizieren sie zwar Erklärungen - wohl in der Hoffnung, dass sie von Medienvertretern bemerkt werden -, sie weigern sich aber danach, mit diesen zu sprechen. Zu weiteren Stellungnahmen waren die "UGE" zumindest auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE nicht bereit.

Dieses Verhalten kommt der gegnerischen Seite durchaus zupass, denn diese sei sehr wohl bereit zu Gesprächen, sagt Johannes Schäfers von der Gelsenkirchener Polizei. "Aber die Ultras kommunizieren weder mit uns noch kooperieren sie." Er gibt gleichzeitig zu, dass die Durchsuchungen bei den Fans stattgefunden haben und dass sie "im Zusammenhang mit dem Saloniki-Spiel" stehen.

Der einzige, der sich an dieser Stelle zu Wort meldet, ist Markus Mau vom Schalker Fanprojekt. Seit dem Saloniki-Spiel sei das Verhältnis zwischen der Polizei und der Fanszene denkbar schlecht, sagt er. Das Vorgehen der Polizei sei als schockierend empfunden worden. Viele hätten den Eindruck, dass danach nur Fans, nicht aber prügelnde Polizisten belangt worden seien. "Dementsprechend hat sich die Sicht auf die Polizei verändert. Freund und Helfer - so sehen das auch von den ganz normalen Fans auf den Sitzplätzen immer weniger", sagt er.

Die Razzien bei den "Ultras Gelsenkirchen" passten da durchaus ins Bild, Mau prangert eine Ungleichbehandlung an: "Die Gelsenkirchener Polizei hat ihre Vorgehensweise geändert. Hier werden mittlerweile schon scharfe Geschütze aufgefahren", sagt er. Davon will Polizeisprecher Schäfers naturgemäß nichts wissen: "Wir haben unsere Strategie nicht geändert, sagt er: Etwaiges Fehlverhalten der eigenen Leute werde ebenfalls untersucht: "Wir ermitteln in beide Richtungen."

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