Ausschreitungen Schwere Vorwürfe gegen ägyptische Polizei

Zersplitterte Scheiben im Mannschaftsbus, verletzte Spieler: Vor und nach dem WM-Qualifikationsspiel zwischen Ägypten und Algerien ist es zu Übergriffen auf die algerische Nationalmannschaft und deren Fans gekommen - die Polizei schritt offenbar nicht ein.

REUTERS

Hamburg - Nach dem emotionsgeladenen WM-Qualifikationsspiel zwischen Ägypten und Algerien ist es zu massiven Ausschreitungen gekommen. Laut einem Augenzeugenbericht schritt die Polizei nicht ein, als nach Spielende der algerische Mannschaftsbus und Busse mit algerischen Fans von ägyptischen Fanatikern mit Steinen und anderen Wurfgeschossen attackiert worden sind. Dabei wurden offenbar drei algerische Fans verletzt.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena wurden insgesamt zwölf Ägypter und 20 Algerier verletzt. Drei Verletzte konnten noch nicht aus dem Krankenhaus entlassen werden, sollen aber in stabilem Zustand sein.

Angeblich soll eine Sicherheitssperre der ägyptischen Polizei nicht besetzt gewesen sein und in Sichtweite platzierte Sondereinheiten nicht eingegriffen haben. Laut eines AFP-Korrespondenten soll ein ägyptischer Sicherheitspolizist zu den Randalierern gegangen sein und gesagt haben: "Sie sind alle weg. Ihr könnt nach Hause gehen."

Schon bei der Ankunft der algerischen Mannschaft hatte es auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel Attacken gegeben, dabei sollen auch algerische Spieler verletzt worden sein. Die Algerier bemängelten mangelnden Polizeischutz. Alle Scheiben des Mannschaftsbusses zersplitterten. Beim Spiel liefen drei Spieler mit sichtbaren Verletzungen auf. Die Ägypter sprachen ihrerseits von einer "Inszenierung".

Im Hafen von Marseille wurden sechs Boote in Brand gesetzt

In der Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika musste Ägypten 2:0 gewinnen, um ein Entscheidungsspiel zu erreichen, was in der Nachspielzeit auch gelang. Algerien hatte für ein eventuelles Entscheidungsspiel Tunesien als Spielort gewünscht, Ägypten den Sudan.

Die Fifa hatte losen lassen und Ägypten dabei gewonnen. Das Ergebnis hatte sogar Auswirkungen in Frankreich gehabt, wo algerische Migranten in Lyon und Marseille ihrer Wut freien Lauf gelassen haben, nachdem das Tor in der Nachspielzeit die erste direkte WM-Qualifikation Algeriens nach 1986 verhindert hatte.

Im Hafen von Marseille wurden sechs Boote in Brand gesetzt, von denen zwei sanken. Es kam - wie in Lyon - zu Sachschäden an Gebäuden und Autos. Hundertschaften von Polizisten mussten gegen aufgebrachte Algerier oder Franzosen algerischer Herkunft vorgehen. Es wurde Tränengas eingesetzt.

jar/sid



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.