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Aussprache beim FCB Friede, Freude, Bayernkuchen

Erst gab es den großen Streit zwischen Hoeneß und van Gaal, nun haben sich alle wieder lieb - und vereinbarten eine Kommunikationsstrategie, die eigentlich selbstverständlich sein sollte. SPIEGEL ONLINE zeichnet die Chronologie eines Bayern-Theaters nach, das zum Trauerspiel verkam.

Hamburg - Das Laute-Post-Spiel der Bayern scheint vorerst beendet. Ihr Pressesprecher Markus Hörwick verbreitete am späten Dienstagnachmittag eilig eine Mitteilung der Münchner. "Unmittelbar nach Ankunft des FC Bayern München in Cluj haben sich der Vorstand, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner, Sportdirektor Christian Nerlinger, sowie Aufsichtsratsvorsitzender Uli Hoeneß und Cheftrainer Louis van Gaal wie angekündigt zu einem klärenden Gespräch zusammengesetzt", heißt es in der Mitteilung.

In einer offenen Diskussion habe man sich ausführlich ausgetauscht und auch ausgesprochen. Dies war offenbar dringend nötig geworden, nachdem die Protagonisten in den vergangenen beiden Tagen ein Theater aufgeführt hatten, das zum Trauerspiel verkam. Den letzten Akt bildet die Mitteilung am Dienstag, in der Selbstverständlichkeiten als Kommunikations-Innovation verkauft wurde. "Es wurde vereinbart, künftig öfter sich genau in diesem Kreis zu treffen und alle anstehenden Themen des FC Bayern München zu besprechen", heißt es.

Doch damit nicht genug: "Am Ende des Gespräches gaben sich Uli Hoeneß und Louis van Gaal die Hand und vereinbarten, auch künftig verantwortungsvoll zum Wohl des FC Bayern München zusammenzuarbeiten", so das Ende der knappen Mitteilung. Damit ist vom Präsidenten bis zum Pressesprecher jeder Amtsträger der Bayern in den vergangenen Tagen einmal gewichtig zu Wort gekommen - von Manager Christian Nerlinger einmal abgesehen.

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Louis van Gaal: Autoritär zu Titeln

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Nachdem Präsident Uli Hoeneß den öffentlichen Zwist am Sonntagabend mit einer Live-Trainerschelte im Pay-TV-Sender "Sky" begonnen hatte, dauerte es naturgemäß keine 24 Stunden, bis sich der Vorstand zu Wort meldete. "Uli Hoeneß will aufrütteln und ein bisschen Feuer in den Laden bringen", hatte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer der "Bild" gesagt. "So gut waren die Spiele in den letzten Wochen nicht. Bevor sich alle gegenseitig auf die Schultern klopfen vor Begeisterung, geht der Uli dazwischen", so Beckenbauer.

Rummenigge als Schlichter

Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versuchte, den völlig unnötigen Streit zu schlichten. "Wichtig ist, dass wir miteinander und nicht übereinander sprechen. Wir wollen das nicht aussitzen, sondern Dinge ansprechen und haben uns zeitnah verabredet", hatte Rummenigge in dem Wissen gesagt, dass sich die gegenwärtige Auseinandersetzung durchaus kontraproduktiv auf den Aufwärtstrend seines Clubs auswirken könnte.

Als dann auch noch der sonst so knurrige Louis van Gaal am Dienstag vor der Pressekonferenz anlässlich des Champions-League-Spiels gegen Cluj (Mittwoch, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) eine emotionale Erklärung verlas, schien das Kommunikationsdesaster perfekt. Er sei "sehr enttäuscht" über die Kritik seines Präsidenten Uli Hoeneß, sagte der Niederländer. "Ich bin sehr erstaunt, dass ein Präsident von einem Verein wie dem FC Bayern München in dieser schwierigen Phase mit neun verletzten Spielern das in diesem Moment sagt", so van Gaal.

Hoeneß hatte van Gaal Defizite im Umgang mit dem Team und Beratungsresistenz vorgeworfen sowie die eigenwillige Art des Niederländers kritisiert. Van Gaal störte vor allem, dass ihm Hoeneß Defizite in der Kommunikation vorgeworfen hatte. In diesem Bereich habe er "beste Qualitäten", führte er aus.

Unterstützung erhielt der 59-Jährige auch indirekt von seinem Kapitän. "Das große Plus des FC Bayern in der Vergangenheit war immer, dass in allen Reihen Harmonie geherrscht hat", sagte Philipp Lahm, der die Aussagen von Hoeneß jedoch "nicht beurteilen" wollte.

Am Dienstagabend beendete Hörwick dann das Theater, das Rummenigge mit den Worten "Das ist wie bei Stuttgart 21. Die Parteien müssen sich aufeinander zubewegen, um eine neue Basis zu finden", kaum treffender hätte zusammenfassen können.

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