B-Teams der Gruppensieger Italien und Frankreich befürchten Benachteiligung

Zwei Spiele, zwei Siege: Drei Mannschaften haben bei der EM bereits das Viertelfinale erreicht - und noch ein Gruppenspiel zu bestreiten. Kroatien, Niederlande und Portugal können Stammspieler für die K.o.-Runde schonen. Das ruft jedoch Kritiker auf den Plan.


Hamburg - Der französische Nationaltrainer Raymond Domenech glaubt nicht daran, dass das Team seines niederländischen Kollegens Marco van Basten im letzten Spiel alles geben wird: "Wir müssen schon sehr optimistisch sein, um zu glauben, dass die Niederländer Rumänien schlagen werden. Sie werden andere Spieler einsetzen und nicht mehr mit der gleichen Energie spielen."

Sollte Rumänien im letzten Vorrundenspiel der Gruppe C am Dienstag gegen die "Elftal" gewinnen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), würden beide WM-Finalisten von 2006, Frankreich und Italien, ausscheiden. Frankreichs Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalette ist optimistischer als Domenech: "Ich glaube an die sportliche Fairness der Niederländer. Sie haben eine riesige Euphorie entfacht, da kann man nicht einfach sagen, jetzt lassen wir die Rumänen gewinnen."

Eine Niederlage gegen Rumänien könnte für die Niederländer im Hinblick auf den weiteren Turnierverlauf jedoch von Vorteil sein: In einem potentiellen Halbfinale würde der Gegner dann auf keinen Fall erneut Italien oder Frankreich heißen. Möglich wäre jedoch ein zweites Aufeinandertreffen mit den Rumänen innerhalb weniger Tage und der noch frischen Erinnerung der Pleite im Gedächtnis - auch das könnte schief gehen. Laut van Basten werde seine Mannschaft alles geben. Doch er kündigt auch an, einige Spieler zu schonen: "Wir müssen nicht gewinnen. Aber wir haben eine Verpflichtung den Fans gegenüber", so van Basten.

Der Präsident des italienischen Fußball-Verbandes FIGC, Giancarlo Abete, fordert angesichts möglicher Wettbewerbsverzerrungen die Abschaffung des EM-Gruppensystems. "Ich bin überzeugt davon, dass der jetzige Modus mit drei Gruppenspielen hochgradig unfair ist", so Abete. Es sei eines solchen Turniers unwürdig, dass in den letzten Gruppenspielen Mannschaften eine B-Elf auflaufen lassen könnten. "Es gibt ein Problem mit der Glaubwürdigkeit, nicht nur für die Uefa. Das jetzige System funktioniert nicht. Es ist überholt und sollte eventuell abgeschafft werden." Er glaube jedoch nicht, dass die Niederlande absichtlich verlieren werden.

Von der Uefa können die Teams, die unter dem Einsatz der B-Mannschaften zu leiden haben, indes kein Einschreiten erwarten. "Es ist bei Europa- und Weltmeisterschaften schon oft vorgekommen, dass im dritten Spiel teilweise Reservisten eingesetzt werden. Das ist kein Verstoß gegen die Regeln", so Uefa-Mediendirektor William Gaillard.

Kroatiens Coach Slaven Bilic erklärte, dass er seine Mannschaft auf mindestens fünf Positionen umbauen werde. "Jene Spieler, die eine Gelbe Karte haben, werden sicher nicht spielen." Dies würde die Verteidiger Darijo Srna, Josip Simunic und Robert Kovac, sowie die Mittelfeldspieler Luka Modric und Jerko Leko betreffen. "Wir sind nicht dumm, dass wir etwas riskieren werden," so der 39-Jährige.

Auch die Portugiesen wollen in ihrem letzten Vorrundenspiel am Sonntag gegen die Schweiz (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf einige Stammkräfte verzichten. Doch Verteidiger Fernando Meira kündigte an, trotzdem Gas zu geben: "Das wird kein Freundschaftsspiel. Alle Spiele, die wir bestreiten, wollen wir gewinnen. Ich verstehe nicht, warum wir nun relaxter in die Partie gehen sollten."

Dass eine B-Mannschaft nicht immer auch schlecht sein muss, hat die Deutsche Nationalmannschaft erfahren müssen: Bei der EM 2004 in Portugal verlor das Team im letzten Gruppenspiel gegen die zweite Garde Tschechiens 1:2 - und schied aus.

kna/sid/dpa



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