Trainer der U21-Nationalmannschaft Kuntz will HSV-Profi Jatta für DFB gewinnen

Die Ermittlungen gegen Bakery Jatta sind Geschichte. Nun will U21-Coach Stefan Kuntz den HSV-Spieler aus Gambia von einer DFB-Karriere überzeugen. Der Verband hofft auf ein Eilverfahren.

HSV-Profi Bakery Jatta kam aus Gambia nach Deutschland
Christian Charisius/dpa

HSV-Profi Bakery Jatta kam aus Gambia nach Deutschland


Stefan Kuntz will Bakery Jatta für die deutsche U21-Nationalmannschaft gewinnen. Das sagte der Trainer der Juniorenmannschaft des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) Sport1 in einem Videointerview. "Ich würde gerne versuchen, Bakery bei der Einbürgerung zu helfen, weil ich ihn gerne von der U21 überzeugen möchte. Auf diesem Weg waren wir schon, und dann kam diese, für meine Begriffe, etwas unsägliche Diskussion", sagte der 56-Jährige.

Nach einem Medienbericht der "Sport Bild" vom 7. August hatte es Zweifel an der Identität Jattas gegeben, das Bezirksamt hatte ermittelt. Der 21 Jahre alte Profi aus Gambia soll demnach in Wahrheit Bakary Daffeh heißen und zwei Jahre älter sein. Anschließend hatten Nürnberg (0:4), Bochum (0:1) und Karlsruhe (2:4) Protest beim DFB gegen die Wertung ihrer Spiele gegen den Hamburger SV eingelegt, weil Jatta weiter zum Einsatz kam.

Mittlerweile hat das Hamburger Bezirksamt Mitte die Ermittlungen eingestellt. Die drei Zweitligisten zogen danach ihre Einsprüche zurück, der DFB hat mitgeteilt, dass die Spielwertungen bestehen bleiben.

Nach SPIEGEL-Informationen prüft der DFB schon länger eine mögliche Einbürgerung Jattas. Für die Beantragung eines deutschen Passes gelten normalerweise mehrere Vorrausetzungen, die vom Staat erforderliche Wohndauer beträgt acht Jahre. Jatta könnte jedoch von einem Eilverfahren profitieren, das vorliegt, wenn es ein öffentliches Interesse gibt.

Stefan Kuntz, 56 Jahre, seit 2016 U21-Chefcoach
Alessandro Sabattini/Getty Images

Stefan Kuntz, 56 Jahre, seit 2016 U21-Chefcoach

Auch hier müssen Bedingungen erfüllt werden: Ein besonderes Interesse bei einer Einbürgerung im Bereich des Sports setzt voraus, dass sich der Einbürgerungsbewerber zumindest seit drei Jahren in Deutschland aufhält, in einer deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz kommen soll und sportlich eine längerfristige Perspektive aufweist. Jatta ist seit 2016 beim HSV und hat einen Vertrag bis 2024, er ist Stammspieler beim aktuellen Tabellenführer der zweiten Liga.

Auf den Spuren von Sean Dundee

Eine bekannte Einbürgerung ist die des ehemaligen Fußballers Sean Dundee, der 1997 im Eilverfahren einen Pass erhielt, um für die deutsche Auswahl spielen zu können. Der gebürtige Südafrikaner bestritt anschließend kein einziges Länderspiel für die A-Mannschaft.

Wie es nun weitergeht? Kuntz sagte gegenüber Sport1, er werde nun warten, bis der neue DFB-Präsident Fritz Keller gewählt worden ist. Dies gilt als Formsache und wird am 27. September passieren. "Dann werde ich bei ihm im Büro sitzen und ihn fragen, ob wir nicht alles tun wollen, um Bakery von uns zu begeistern", sagte Kuntz.

Die deutsche U21 startet in der kommenden Woche mit der Qualifikation zur EM 2021. Bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio gehört die Auswahl zum Teilnehmerfeld.

jan



insgesamt 40 Beiträge
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lordnephilim 03.09.2019
1. Verrückte Welt
Vom Saulus zum Paulus. Fehlt noch eine aufrichtige Entschuldigung vom Springer Verlag ( die es nicht geben wird) Auf jeden Fall toll für Bakery Jatta. Hoffentlich gibt ihm das einen zusätzlichen Schub. Forza Bakery !!!
GWT 03.09.2019
2.
Zitat von lordnephilimVom Saulus zum Paulus. Fehlt noch eine aufrichtige Entschuldigung vom Springer Verlag ( die es nicht geben wird) Auf jeden Fall toll für Bakery Jatta. Hoffentlich gibt ihm das einen zusätzlichen Schub. Forza Bakery !!!
Der letzte Kommentar in der BILD war doch recht eindeutig, sie halten weiter alles für eine Lüge. Sie machen es sich einfach und sagen, wenn nicht ein Bild mit beiden zusammen auftaucht bleiben extreme zweifel. Da fehlen einem echt die Worte. Eine Schande wie man hier einfach Leute beschuldigen kann und selbst nach eigestelltem Verfahren mit klaren Fakten ihn einfach weiter beschuldigen kann und nichts passiert.
eigener 04.09.2019
3. Nürnberg und Co. haben sich redlich blamiert ...
und wollten aus dieser Schmierenkomödie Gewinne erzielen, nachdem sie zunächst sang- und klanglos gegen den HSV verloren hatten ... peinlich Posse von vermeintlich Erstligavereinen ... Mitnichten. Amateurhaft, schon eher ...
FrankDunkel 04.09.2019
4.
Für Jatta ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung. Und was die BILD angeht: Für diese Publikation ist die Vokabel "Lügenpresse" zutreffend. Aber das ist nicht erst seit dem Fall Jatta bekannt.
secret.007 04.09.2019
5. Ein Fall für Mulder und Scully
"Geschichte" sind die Vorwürfe keineswegs. Die bestehen weiterhin, weil Jatta's Alter Ego Bakary Daffeh (der ja faktisch existierte als U20-Nationalspieler von Gambia und in 5 Clubs in 3 Ländern gespielt hat) komischerweise im selben Moment des Beginns der Existenz von Bakary Jatta in Deutschland seine Existenz eingestellt hat und seitdem wie vom Erdboden verschwunden bleibt als hätte er niemals existiert. Sorry, aber sowas klingt eher wie ein "Akte-X"-Fall für die Agenten Mulder und Scully. Man hat eher den Eindruck, dass keiner der Beteiligten ein Interesse daran hat, die Identität zweifelsfrei festzustellen und weiter zu bohren. Die Behörden in Deutschland (das Hamburger Bezirksamt und Bundesbehörden wie BAMF und Innenministerium) schon deshalb nicht, weil niemand ein Interesse an einem weiteren aufgedeckten Fall von Identitätsbetrug hätte. Die Behörden in Gambia, die Jatta's Ausweis ausgestellt haben , schon deshalb nicht, weil sie kein Interesse daran hätten, dass Alters- und Identitäts-Betrügereien des gambischen Fußballverbands zum Vorschein kommen würden und dass Behörden in Gambia vielleicht dafür sogar soweit gehen, Ausweisdokumente und Geburts-Urkunden zu fälschen. Der HSV erst recht nicht. Und der DFB und DFL brauchen nach den ganzen Skandalen (Korruption, Erdogan-Gate, Toennies) einen neuen Skandal ungefähr so dringend wie Fußpilz und wären zudem gezwungen, dem HSV so viele Punkte abzuziehen, dass es wahrscheinlich wieder nicht zum Aufstieg in die Bundesliga reicht. Und daran, dass der HSV aufsteigt und nicht irgendein Provinz-Club , daran darf man der DFL schon aus wirtschaftlichen Gründen ein hohes Interesse unterstellen. Also wird die Tatsache, dass 2 ehemalige Trainer Jatta eindeutig als ihren ehemaligen Spieler Daffeh erkannt haben, dass sich Bakery Jatta und Bakary Daffeh verblüffend ähnlich sehen und dass der eine exakt in dem Moment verschwunden ist, in dem der andere aufgetaucht ist, einfach ignoriert. Nach dem Motto: Einfach aussizten, dann wird schon Gras drüber wachsen.
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