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31. Januar 2013, 13:20 Uhr

Balotelli-Transfer

Berlusconi freut sich über den faulen Apfel

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Die Fans des AC Milan jubeln: Mario Balotelli wechselt von Manchester City zurück in seine italienische Heimat, beim Empfang des Skandal-Kickers kam es zu chaotischen Szenen. Auch Club-Präsident Silvio Berlusconi brüstet sich nun mit dem Transfer - dabei hatte er für Balotelli bisher wenig übrig.

Hamburg - Eigentlich hätte man schon Anfang des Jahres ahnen müssen, dass Mario Balotelli auf jeden Fall zum AC Mailand wechseln wird. Denn kaum etwas spricht so eindeutig für etwas, wie wenn Silvio Berlusconi das Gegenteil behauptet.

Diese zweifelhafte Eigenschaft hat der 76-Jährige als Politiker immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, doch auch in seiner Funktion als Präsident des AC Mailand scheint sich niemand weniger für Berlusconis Gerede vom Vortag zu interessieren als Berlusconi selbst. "Der Name Balotelli kam mir nie in den Sinn, er ist ein fauler Apfel und kann jede Truppe damit infizieren, auch Milan", hatte Berlusconi Anfang Januar gesagt, "Wir haben viele junge Spieler im Kader und haben uns dazu entschieden, keinen Top-Player zu verpflichten. Kurz darauf legte er nach: "Es finden keine Verhandlungen mit Balotelli statt. Wir können uns solche Transfers nicht mehr erlauben."

Keine drei Wochen später ist der Wechsel des italienischen Skandal-Angreifers zum AC Mailand perfekt. Balotelli bleibt bis 2017, die Ablösesumme beträgt 20 Millionen Euro, hinzu kommen Boni in Höhe von drei Millionen Euro. Manchester City hatte vor zweieinhalb Jahren 24 Millionen Pfund (28 Mio. Euro) für ihn an Inter bezahlt. Berlusconi ließ sich noch während des Medizinchecks per Telefon zum Spieler durchstellen, um ihn willkommen zu heißen. Anschließend brüstete er sich mit dem neuen Star, den er ja eigentlich gar nicht haben wollte.

In einem TV-Interview sagte Berlusconi, der ein Comeback als Regierungschef in Italien anstrebt, die Verpflichtung des 22 Jahre alten EM-Helden sei "absolut kein Wahlkampfgeschenk, sondern von der sportlichen Leitung gewollt. Ich habe Balotelli gekauft, weil ich dachte: Er hat zwei Tore gegen Deutschland geschossen und die Deutschen zum Weinen gebracht."

Wohl nicht zuletzt wegen des Doppelpacks im Halbfinale der Europameisterschaft fiel auch die Begeisterung bei den Fans in Italien über die Rückkehr von "Super Mario" gewaltig aus. In der Mailänder Innenstadt herrschten am Mittwochabend chaotische Zustände. Geschützt von Leibwächtern, musste sich Balotelli seinen Weg bahnen. Am Abend drohte die Situation zu eskalieren, es kam zu Schlägereien zwischen Milan-Fans und der Polizei.

Für Balotelli selbst geht mit dem Wechsel ein langgehegter Traum in Erfüllung. Bei seiner Ankunft in Mailand erschien er mit einem Schal in den Milan-Farben schwarz-rot um den Hals. "Ich bin nach Mailand gerannt. Ich wollte hier schon seit langer Zeit spielen", sagte er und kündigte an: "In diesem Trikot werde ich besser."

Für Balotelli und Berlusconi geht ein Traum in Erfüllung

Schon 2009 hatte er verkündet: "Ich bin Milan-Fan". Das Problem: Damals spielte Balotelli beim Lokalrivalen Inter. Dort erschien er zum Training sogar mal mit Milan-Stutzen. Dafür haben ihn die Inter-Fans gehasst. Als er ihnen 2010 im Stadion sein Inter-Trikot vor die Füße warf, war er endgültig bei ihnen unten durch.

"Du hast Milan unbedingt gewollt, jetzt hängt es von dir ab", mahnte nun Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli. "Vertrau' denen, die dich wirklich mögen, um das Niveau von Messi und Ronaldo zu erreichen", so ManCity-Trainer Roberto Mancini, der über seinen Problemspieler sagte: "Wir lieben Mario als Kerl und als Spieler. Mario war für mich wie eines meiner Kinder."

Für den Club ist der Balotelli-Coup auch ein Beweis für Milans Finanzkraft. "Milan hat gezeigt, dass es wie immer in der Lage ist, große Summen zu investieren", sagte Berlusconis Tochter Barbara, Vorstandsmitglied des Vereins.

Vize-Präsident Adriano Galliani sagte: "Damit geht ein Traum in Erfüllung und etwas, das wir alle wollten - an vorderster Front Silvio Berlusconi."

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