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Madrid vs. Barcelona: Real verzweifelt an Barça

Foto: Emilio Naranjo/ dpa

Barça-Sieg in Madrid Kloppe für die Königlichen

Es sollte die Wachablösung im spanischen Fußball werden, am Ende war alles wie immer: Der FC Barcelona hat Real Madrid seine Grenzen aufgezeigt. Real-Trainer José Mourinho präsentierte sich als schlechter Verlierer, schob die Niederlage "Barcelonas Glück" und Cristiano Ronaldo zu.

José Mourinho war bedient. Mit versteinertem Gesichtsausdruck stapfte der Trainer von Real Madrid nach der 1:3-Heimniederlage gegen den Erzfeind FC Barcelona durch den blauen Plastikschlauch vom Rasen Richtung Kabine. Lediglich sein stechender Blick verriet, dass es in ihm kochte. Eigentlich sollte es an diesem Samstagabend endlich die Wachablösung im spanischen Fußball geben. Stattdessen setzte es einmal mehr Kloppe für die "Königlichen".

Dabei lief zunächst alles nach Plan. Real setzte Barcelona direkt nach dem Anpfiff so sehr unter Druck, dass Torhüter Víctor Valdés die Nerven versagten. Sein katastrophaler Fehlpass leitete den Führungstreffer der Gastgeber nach nur 23 Sekunden durch Karim Benzema ein. Zu diesem Zeitpunkt nickte Mourinho noch zufrieden mit dem Kopf, als wolle er seinen zahlreichen Kritikern sagen, dass er auch anders kann.

Denn in der Vergangenheit wurde Mourinho oft vorgeworfen, die Duelle mit dem einzigen ernstzunehmenden Titelkonkurrenten zu defensiv anzugehen. Das Starensemble setzte zu oft auf Konter- statt auf Kombinationsfußball. Negativer Höhepunkt war das 0:5 der Madrilenen in Barcelona im November 2010. Diesmal sollte alles anders, es sollte besser werden.

Ronaldo gewinnt Torjäger-Kanonen, Messi Titel

Barcelona stand schon aufgrund der Tabellenkonstellationen unter Druck. Real hatte nicht nur drei Punkte Vorsprung vor den Katalanen, sondern auch noch ein Spiel weniger absolviert. Macht im Normalfall ein Sechs-Punkte-Polster. Also versuchten es die Gastgeber diesmal mit einer Art Überfall-Taktik mit permanentem Pressing: Sobald ein Spieler des FC Barcelona am Ball war, stürzten sich zwei bis drei Madrilenen auf ihn.

Das klappte 23 Sekunden lang perfekt. Und auch in den Minuten danach wirkte Barcelona ein wenig verunsichert. Immer wieder suchten Xavi und Co. Spielmacher Lionel Messi, der die ersten 20 Minuten allerdings fast völlig abgemeldet war. Doch dann zeigte sich einmal mehr, warum Cristiano Ronaldo Torjäger-Kanonen und Lionel Messi Titel gewinnt.

Der Portugiese vergab in der 25. Minute eine Großchance, die er normalerweise sicher im Tor unterbringt. Ganz nebenbei übersah er seinen besser postierten Mitspieler. So etwas passiert Messi äußerst selten. Der Argentinier streicht Preis um Preis ein, obwohl er sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt - oder vielleicht sogar gerade deswegen? Von dieser Eigenschaft profitierte Alexis Sánchez in der 30. Minute, der den Ball nach einem Traumpass von Messi zum 1:1 im Tor der Madrilenen unterbrachte. "Normalerweise nutzt Cristiano so eine große Chance. Dann ist das Spiel gelaufen", sagte Mourinho später.

Direkt nach dem Gegentreffer wusste der Fußball-Fachmann offenbar schon, was kommt. Genervt wandte er sich für einige Sekunden vom Spielfeld ab, sein Blick ging ins Leere. Man könnte meinen, der 48-Jährige habe in den vergangenen beiden Jahren auch deshalb so viele graue Haare bekommen, weil er mindestens zweimal im Jahr gegen den FC Barcelona spielt.

Reals Rückfall in alte Zeiten

Nach dem Ausgleich fiel Mourinhos Team in alte Zeiten zurück. Statt mit Pressing wollten die Madrilenen Barças Kombinationsfußball durch teilweise überharte Grätschen zerstören. Kurz nach dem Seitenwechsel war es dann wieder Ronaldo, der den Unterschied machte. Der Top-Torschütze (17 Tore in 15 Spielen) vergab zwei Freistöße und eine weitere Großchance, weil er diesmal statt zu schießen auf einen Mitspieler ablegen wollte.

Mitten in Reals Drangphase fiel dann der glückliche Führungstreffer für Barcelona, erzielt von einem Madrilenen. Marcelo fälschte einen Fernschuss von Xavi unhaltbar für Iker Casillas ins eigene Tor ab. "Das war einfach nur Glück und hatte mit außerordentlichem Können nichts zu tun", so Mourinho nach dem Spiel. Woher der exzentrische Trainer nach solch schwachen Auftritten seiner Mannschaft die Chuzpe für solche Aussagen nimmt, bleibt sein Geheimnis.

Barcelonas Cesc Fàbregas, der den 3:1-Endstand erzielte, sprach von einer "phantastischen zweiten Halbzeit" seines Teams. Josep Guardiola freute sich besonders, dass seine Mannschaft das Spiel kontrolliert und viele Chancen kreiert habe. Am Ende standen 60 Prozent Ballbesitz für die Gäste in der Statistik. "Ich bewundere den Mut meiner Spieler", sagte der Barça-Trainer.

Im Gegensatz zu seinem Gegenüber zeigte Guardiola Respekt für seinen Gegner: "Die Niederlage wird ihre Moral nicht brechen. Das sind professionelle und gute Spieler", sagte der 40-Jährige auf der Pressekonferenz.

Mourinho wird diese Aussagen zur Kenntnis genommen haben.

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