Barcelona-Krise Das katalanische Chaos

Schlechtester Saisonstart des FC Bareclona seit 13 Jahren. Rivaldo bockt, die Holländer sollen weg, und Trainer Llorenc Serra Ferrer steht auf der Abschussliste.


Rivaldo: Zeigt nur noch selten Einsatz
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Rivaldo: Zeigt nur noch selten Einsatz

Barcelona - Der spanische Vize-Meister befindet sich im freien Fall. Auf das vorzeitige Aus in der Champions League und die 1:2-Heimpleite gegen den Fußball-Zwerg CF Villarreal folgte am Sonntag eine nicht minder blamable 1:3-Pleite beim Abstiegskandidaten Real Saragossa und der Absturz auf den neunten Tabellenplatz.

"Der Club ist in Spanien zur Lachnummer der Liga geworden. In Europa weiß man schon nicht mehr, wer Barca überhaupt ist», lästerte die Zeitung "El Periodico de Catalunya" über das neuerliche Debakel. Das Sportblatt "Marca" titelte nach der fünften Saisonniederlage im elften Spiel: "Barcelona erneut erniedrigt."

Die Anhänger der spanischen Fußball-Institution machen Trainer Llorenc Serra Ferrer für die Misere verantwortlich: 50 Prozent der "Barca"-Fans sprachen sich nach dem 1:3 von Saragossa in einer Umfrage des Fernsehsenders "Canal 33" für eine sofortige Entlassung des 47-Jährigen aus.

Obwohl oder gerade weil Klub-Präsident Joan Gaspart dem Trainer erneut öffentlich den Rücken stärkte ("Ich vertraue Ferrers Arbeit und bin sicher, dass die Mannschaft den Fans schon bald wieder viel Freude bereiten wird"), neigt sich Ferrers Amtszeit wohl ihrem Ende. Das Fachblatt "Sport" meint: "Ferrer hat noch Kredit bis Donnerstag in Brügge." Das Uefa-Cup-Spiel in Belgien dürfte die letzte Chance des Coaches sein. "Es immer gut, das Vertrauen des Präsidenten zu spüren. Jetzt fühle ich eine noch größere Verantwortung", erklärte der designierte Ex-Trainer.

Als mögliche Nachfolger werden schon Carles Rexach, der ehemalige Assistent von Johan Cruyff, und der französische Ex-Nationalspieler Luis Fernandez gehandelt. In Saragossa wirkte der Trainer schon reichlich konzeptlos: Nach jeden Gegentor holte Ferrer einen Abwehrspieler vom Feld und wechselte einen weiteren Stürmer ein.

"Es schmerzte einem das Fußballherz, mit ansehen zu müssen, wie sich ein Weltmeister wie Emmanuel Petit als linker Verteidiger abquälte", schrieb die Zeitung "La Vanguardia". Barcelonas Torwart Francesco Arnau war ebenfalls neben der Spur: Der Keeper versuchte sich an einem Dribbling im eigenen Fünf-Meter-Raum und schenkte Saragossa den Treffer zum vorentscheidenden 2:0.

Die Krise des FC Barcelona ist auch die Krise von Rivaldo. Der bestbezahlte Kicker der Welt verfällt dieser Tage in eine mimosenhafte Weinerlichkeit und lässt jegliche Führungsqualitäten vermissen. Bei der Niederlage in Saragossa beschränkte sich der "Weltfußballer des Jahres 1999" darauf, Freistöße zu schießen.

Zuletzt hatte der Brasilianer damit gedroht, die Katalanen zu verlassen, weil er sich von den Fans nicht geliebt fühlte. Nun will der 28-Jährige auch seine Einsätze für die Nationalelf überdenken. "Ich gebe mein Bestes, aber das Publikum erkennt das nicht an. Die Fans sind zu streng mit mir", klagte Rivaldo nach dem mageren 1:0 im Länderspiel gegen Kolumbien, als er ausgepfiffen wurde.

Für zusätzliche Verunsicherung in der Mannschaft sorgte Ferrers Ankündigung, er wolle einen Schlussstrich unter die Ära seines niederländischen Vorgängers Louis van Gaal ziehen und einen Großteil der Holland-Legionäre verkaufen.



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