Barcelona - Madrid "Pfennigfuchser" Figo von den Fans bestraft

Beim spanischen Klassiker FC Barcelona gegen Real Madrid stand Luis Figo im Mittelpunkt. Der Portugiese war vor der Saison von "Barca" in die Hauptstadt gewechselt, was unter Katalanen als Todsünde gilt.


Luis Figo mit dem Real-Shirt. Das sehen Barcelona-Fans gar nicht gerne
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Luis Figo mit dem Real-Shirt. Das sehen Barcelona-Fans gar nicht gerne

Barcelona - Eigentlich galten die Pfiffe und Schmähgesänge im Stadion Camp Nou nur dem "Verräter" Luis Figo, der im Sommer vom FC Barcelona zum Erzrivalen Real Madrid gewechselt war. Aber die Hass-Ausbrüche der 100.000 "Barca"-Fans gegen das Ex-Idol ließen im Schlagerspiel Barcelona-Real nicht nur den 27-jährigen Portugiesen untergehen. Sie lähmten auch das gesamte Team der "Königlichen", die den Klassiker der spanischen Liga in Barcelona mit 0:2 (0:1) verloren und damit noch gut bedient waren. Für Real, das seit 18 Jahren in Barcelona ohne Sieg ist, bedeutete dies die erste Saison-Niederlage in der "Primera Division".

Als Figo am Samstagabend erstmals im weißen Real-Trikot den Rasen des Camp Nou betrat, ertönte das vielleicht lauteste Pfeifkonzert der Fußball-Geschichte des Landes. Die Zuschauer reckten überdimensionale Geldscheine mit dem Porträt Figos empor und zeigten Plakate mit Aufschriften wie "Judas" oder "Pesetero", was sowohl "Pfennigfuchser" als auch "Nutte" bedeutet. Figo selbst hielt sich die Ohren zu, aber es sollte ihm wenig helfen. Der teuerste Fußballer der Welt erwies sich als doch nicht so abgebrüht, wie man immer geglaubt hatte. Er wirkte gehemmt und hatte im ganzen Spiel nicht eine gute Szene.

Die Schwäche Figos steckte auch die übrigen Real-Spieler an. "Im Team der Madrider herrschte nicht nur Lampenfieber, sondern schiere Panik", meinte der frühere "Barca"-Trainer Johan Cruyff. Allerdings kauften die 100 000 Fans den "Königlichen" nicht allein mit Pfiffen den Schneid ab. Von den Rängen flogen auch unzählige Gegenstände auf das Spielfeld. Nach dem Bericht von Referee Alfonso Perez Burrull waren darunter nicht nur zahllose Plastikflaschen und Feuerzeuge, sondern auch zwei Handys. Schon vor dem Spiel hatte Real entschieden, dass Figo "aus Sicherheitsgründen" keine Eckbälle schießen sollte.

Die Wurfgeschosse - sie gehören in Spaniens Stadien fast zum Alltag - täuschten aber niemanden darüber hinweg, dass Barcelona dem Champions-League-Sieger in jeder Hinsicht überlegen war. Der 22-jährige Verteidiger Carles Puyol meldete als Sonderbewacher Figos den Portugiesen völlig ab. Und der junge Xavi, ebenfalls ein "Barca"-Eigengewächs, führte Regie im Mittelfeld.

Auf dem rechten Flügel verfügen die Katalanen mit Simao Sabrosa bereits über einen "neuen Figo". Der Portugiese erhöhte nach dem Führungstreffer von Luis Enrique (26.) in der 79. Minute zum 2:0 und landete zudem einen fulminanten Pfostenschuss. Nach dem Abpfiff umarmten alle Barca-Spieler ihren abtrünnigen Ex-Kameraden Figo, als wäre er noch einer von ihnen. Und Reals Trainer Vicente del Bosque musste hinterher eingestehen: "Barcelona hat verdient gewonnen."



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