Schweinsteiger-Wechsel Das kalte Herz

Mit Bastian Schweinsteiger geht eine Identifikationsfigur der Bayern-Fans. Doch für den Verein ist der Abgang vor allem Kalkül: Treue ist keine maßgebliche Kategorie mehr. Nur Erfolg zählt.

Trainer Guardiola, Spieler Schweinsteiger: "Im Reich der Fabel"
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Trainer Guardiola, Spieler Schweinsteiger: "Im Reich der Fabel"

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Am 1. Juli 1998 wechselte der damals 14-jährige Bastian Schweinsteiger aus dem bayerischen Kolbermoor vom TSV 1860 Rosenheim zu Bayern München. Seitdem ist er bei diesem Verein unter Vertrag. Das sind 17 Jahre, für einen Fußballprofi von heute fast eine unglaubliche Dauer. Jetzt geht er. Der FC Bayern verliert eine Identifikationsfigur. Die Fans haben jedes Recht zu trauern. Auch wenn sie die Einzigen sind.

Ansonsten ist dieser Wechsel für alle Beteiligten folgerichtig. Für Bayern München, für den Spieler selbst, für Manchester-Trainer Louis van Gaal.

Wobei vor allem der FC Bayern alle Vorteile auf seiner Seite hat. Er macht ein gutes Geschäft über die Ablösesumme, er erspart sich künftig die zwangsläufigen Personaldiskussionen, wenn der Trainer auf andere Spieler setzen sollte, als auf den Kapitän der Nationalmannschaft. Und er leitet den fälligen Umbruch ein.

Dass Guardiola nie so ganz von Schweinsteiger überzeugt war, dass ihm immer schon ein ideales defensives Mittelfeld vorgeschwebt hat, das er aus Xabi Alonso, Javi Martinez und Thiago Alcantara zusammenbauen kann, hat der Trainer zwar nie so explizit ausgesprochen. Es galt dennoch als bekannt.

Öffentliches Guardiola-Lob zählt nicht viel

Rummenigge hat am Samstag jeglichen Dissens zwischen Trainer und Spieler "ins Reich der Fabel" verwiesen, er hat darauf aufmerksam gemacht, dass Schweinsteiger, wenn er fit war, auch unter Guardiola in der Vorsaison fast immer gespielt habe. Das lag aber vor allem daran, dass dem Trainer seine eigentlichen Wunschspieler verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen.

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Guardiola hat Schweinsteiger zwar gelobt, wo er nur konnte. Aber Guardiola lobt immer, das gehört zu seiner Außendarstellung dazu. Der Trainer hat auch Mario Mandzukic und Mario Gomez gelobt, kurze Zeit später waren sie weg. Man kann auch sagen: abserviert.

Schweinsteiger hat sich mit seinem Schritt eine längere und unwürdige Diskussion erspart. Mit dem Wechsel hat er noch einmal selbst die Initiative auf seiner Seite. Der Wunsch nach Veränderung nach so vielen Jahren am selben Ort, beim selben Arbeitgeber - wer könnte das nicht nachvollziehen?

In Manchester wartet ein heterogenes bis instabiles Team auf ihn, mit vielen personellen Rochaden, wie es unter Trainer Louis van Gaal üblich ist. Das kann eine Chance für den Nationalspieler sein, er kann relativ schnell eine Führungsrolle übernehmen. Er wird allerdings in England eine mindestens ebenso kritische Öffentlichkeit vorfinden wie in München.

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Van Gaal vergrößert seine Hausmacht

Für van Gaal wiederum ist der Transfer eine logische Maßnahme. Der Niederländer hat überall, wo er war, versucht, sich eine Hausmacht zu schaffen, mit der im Rücken er seine unpopulären Personalmaßnahmen durchziehen kann. Schweinsteiger gehört zum Van-Gaal-Lager, seit der Niederländer den Deutschen 2010 ins Mittelfeld beorderte und ihn erst zur Führungspersönlichkeit machte.

Das ist allerdings fünf Jahre her, fünf Jahre, die nicht spurlos an dem Nationalspieler vorbei gegangen sind. Er war viel verletzt, seine Grundschnelligkeit hat nachgelassen. Ob Schweinsteiger das Tempo in der Premier League tatsächlich nicht nur mitgehen, sondern auch bestimmen kann, das wird sehr spannend zu beobachten sein.

"Fußball ist keine Mathematik", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mal. Genauso gilt aber auch: Fußball ist keine Romantik. Vereinstreue ist eine Fan-Kategorie. Bei der Planung eines Kaders, der die Champions League einmal wieder gewinnen soll, spielt sie keine Rolle. Ob einer nun zwei Jahre oder 17 Jahre beim Verein ist, das ist Josep Guardiola, selbst zwei Jahre dabei, gründlich egal.

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insgesamt 193 Beiträge
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rugall70 11.07.2015
1. Treue zählt nicht
Was soll denn der Unsinn, dass Treue "nicht mehr" zählt?! Der Mann war 17 Jahre bei Bayern. Ein ganzes Fußball-Leben. Am Ende der Karriere möchte er noch einmal ins Ausland. Warum denn nicht? Beckenbauer ging 1977 nach New York; Rummenigge 1982 nach Mailand. Auch Matthäus ging mal weg. Lasst sie doch!
Luscinia007 11.07.2015
2.
Treue mag zwar lediglich eine Fan-Kategorie sein. Aber es sind die Fans, die das Spiel finanzieren. Und die Fans, die den Stellenwert der Bundesliga bestimmen, und somit die Höhe der Erlöse aus den Verwertungen. Für Thomas Müller liegt ein Angebot über 82 Mio. Ablöse vor. Müller passt auch nicht ins Spielschema von Guardiola. "Mia san mia" brauchen sie in München dann nicht mehr sagen, wenn Thomas Müller auch noch weg ist.
Torfkopf 11.07.2015
3. Treffender Kommentar!
Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen, diese Heuchelei von Rummenige nervt. Nur in einem Punkt kamm man geteilter Meinung sein: Eine Elf mit fast ausschließlich ausländischen Spielern und nur wenigen Identifikationsfiguren kann ganz schnell baden gehen. die Geschihcte kennt genügend Beispiele. Und wehe es kommt zur Gruppenbildung! Dann ist der Trainer schnell weg.
Attila2009 11.07.2015
4. Abserviert
Was lese ich da ? Mandzukic und Gomez "abserviert " ? Das kann aber nicht sein bei diesem Familien-Klub ? Bei Bayern wird doch niemand abserviert, die gehen alle freiwillig , oder ? Bei Schweinsteiger sehe ich das so dass er wohl keine Einsatzgarantie bekam und sich nicht wie Klose,Podolski und Gomz das große Zaubern der Spanier von der Bank aus ansehen wollte,dazu auch mal was anderes kennenlernen wollte in seiner Fußballerkarriere als jeden Tag den selben Trott zu machen. Ja und die Bayernfans dürfen jetzt mal selbst kurz mitfühlen wie das ist wenn einer Mannschaft die Leitfigur herausgerissen wird. Genauso ging es anderen Fußballfans in ganz Deutschland wenn die Bayern die Spieler gekauft haben.
AndreHa 11.07.2015
5. Olé
Olé FCB. Ersetze Bayern durch Barcelona. Ersetze Schweini durch den nächsten Spanier.
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