Abschied von Bastian Schweinsteiger Noch einmal mit Gefühl

Durch Bastian Schweinsteigers Abschied wurde ein tristes Freundschaftsspiel vor halbleeren Rängen zum emotionalen Abend. Alles Wichtige zur Partie gegen Finnland.

Bastian Schweinsteiger
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Die Ausgangslage: Nach einem Sommer mit neun A-Länderspielen des DFB und sechs Begegnungen der deutschen Olympiaauswahl gab es genau einen Bundesligaspieltag - und schon muss der Vereinsfußball wieder ins zweite Glied zurücktreten für die nächste Länderspielpause. Brauchten wir in dieser Situation dringend ein Freundschaftsspiel gegen Finnland? Den Test in Mönchengladbach "überflüssig wie einen Kropf" zu nennen, würde die Tatsache ignorieren, dass viele Vögel ihren Kropf für die Speicherung von Nahrungsmitteln gut gebrauchen können. Zum Glück fand sich eine Nebenhandlung, die über den sportlich fragwürdigen Charakter der Begegnung hinwegtäuschen konnte...

Der Abschied: Bastian Schweinsteigers Zeit in der Nationalmannschaft ist vorbei. Nach dem Rücktritt des Kapitäns wurde das Spiel gegen Finnland kurzerhand zum "Abschiedsspiel" für diesen großen deutschen Fußballer deklariert. Schweinsteiger wurde vor dem Anpfiff offiziell verabschiedet, was ihn zu Tränen rührte. Es waren tatsächlich bewegende Szenen, auch wenn einige Beobachter die Szene anders deuteten...

Gähnende Leere: Zwei Tage vor dem Spiel war erst die Hälfte der 43.000 Eintrittskarten verkauft, Schweinsteiger-Abschied hin oder her. Letztlich waren offiziell 30.121 Fans vor Ort. Große Teile des Oberrangs waren vorsorglich mit Bannern bedeckt worden wie eingemottete Möbelstücke. Wer das Niveau deutscher Testspiele kennt, der war vielleicht nicht bereit, zwischen 25 und 75 Euro für so einen Kick auszugeben.

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Schweinsteigers Abschiedsspiel: Der Kapitän tritt ab

Die Startaufstellungen:
Deutschland: Ter Stegen - Kimmich, Mustafi, Süle - Bellarabi, Schweinsteiger, Meyer, Hector - Brandt, Götze, Volland.
Finnland: Hradecky - Raitala, Lam, Arajuuri, Moisander, Uronen - Ring, Halsti, Lod - Hämäläinen, Pohjanpalo.

Das Ergebnis: 2:0 (0:0). Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Dass das Spiel nicht so aufwühlend werden würde wie die Tränen von Schweinsteiger, war klar: Deutschland spielte mit einer B-Elf gegen ein Land, das sich noch nie für eine WM oder EM qualifiziert und seit knapp einem Jahr kein Spiel mehr gewonnen hatte. Die wenigen aufregenden Strafraumszenen trugen sich dann auch vor dem Tor von Lukas Hradecky zu: Kevin Volland legte den Ball, von Meyer schön eingesetzt, quer vors Tor, wo er keine Anspielstation fand. Mario Götzes Abschluss nach einem schönen Solo wurde abgeblockt, und Niklas Süles Distanzschuss zwang Hradecky zu einer Parade. Klingt nicht so packend, sagen Sie? Man kann das natürlich auch anders zusammenfassen:

Die zweite Hälfte: Tendenziell wie die erste. Finnland total harmlos, Deutschland etwas besser. Die beste Nachricht für Schweinsteiger: Das Spieltempo war so niedrig, dass er mühelos 67 Minuten mitspielen konnte. Als Mitte der zweiten Hälfte ein Fan auf den Platz lief, um ein Selfie mit Schweinsteiger zu machen, war der Mann auch nicht langsamer als die Profis auf dem Platz. Die beste Nachricht für Joachim Löw: Nach 55 Minuten gelang Meyer in seinem zweiten Länderspiel sein erstes Tor. Götze bereitete von rechts vor, Volland ließ durch, und Meyer traf aus zehn Metern. Der eingewechselte Mesut Özil erhöhte in der 77. Minute mit einem abgefälschten Linksschuss auf 2:0.

Die andere Legende: Nicht nur Schweinsteiger beendete an diesem Abend seine Länderspielkarriere. Auch Irlands Rekordnationalspieler Robbie Keane gab in Dublin beim 3:0 gegen Oman seinen Ausstand. Der Stürmer erzielte dabei sein 68. Länderspieltor und zog so mit Gerd Müller gleich.

Robbie Keane
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Robbie Keane

Das Interregnum: Die Frage, wer Schweinsteigers Nachfolger als Kapitän der Nationalmannschaft wird, beschäftigt seit Tagen die Öffentlichkeit. Die Antwort wurde in Mönchengladbach noch nicht gegeben. Nicht einmal einen kleinen Hinweis wollte Schweinsteiger geben: Er nahm die Kapitänsbinde bei seiner Auswechslung einfach mit vom Platz. Zehn Minuten lang trudelte die DFB-Elf ohne einen Spielführer vor sich hin. Dann erst kam Thomas Müller auf den Rasen. Ihm war es gelungen, seinem früheren Teamkollegen die Binde auf der Bank abzunehmen. Da war die Ära Schweinsteiger dann endgültig vorbei.

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Schweinsteiger-Abschied: Servus, Basti


insgesamt 20 Beiträge
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waldschrat_72 01.09.2016
1. Bastian Schweinsteiger.
Hatte definitiv ein separat anberaumtes Abschiedsspiel verdient. Statt dieser Tristesse. Der Mann hat schließlich durch seinen Kampfgeist in Rio für das entscheidende psychologische Momentum gesorgt und uns dadurch zum WM Titel verholfen ! Dieser Abgesang, mag er seitens des DFB nun auch als noch so emotional verkauft werden, ist verstörend schäbig. Beschämend für den DFB. Und gerade deswegen: Danke Bastian !! Alles Gute.
Nikkitarian 01.09.2016
2. Unwürdig
Ein unwürdiger Rahmen. Wo waren die Kampfgefährten von einst? Nur junges Gemüse auf dem Platz. Der DFB hat voll versagt.
betzebub 01.09.2016
3.
"Auch Irlands Rekordnationalspieler Robbie Keane gab in Dublin beim 3:0 gegen Oman seinen Ausstand. Der Stürmer erzielte dabei sein 68. Länderspieltor und zog so mit Gerd Müller gleich." Waaas?
bobflag 01.09.2016
4. Toll
Das waren mal Gefühle, herzzreissend, tränennah, dank an die Gladbacher und Co. So verabschiedet man einen großen Nationalspieler. Ganz großes Kino.
oberfrange 01.09.2016
5.
Ich war und bin noch nie Bayernfan gewesen, doch ihn werde ich im Nationalteam vermissen. Was für eine Kampfsau! Nachfolger können fußballerisch und fortschrittstechnisch nur Neuer oder Müller sein, auch wenn x Journalisten lieber Boateng herbeischreiben würden. Alles Gute Bastian Schweinsteiger! Lass Dir Deinen wohlverdienten Ruhestand im Ausland vergolden. Ich ziehe meinen Hut und bedanke mich sehr herzlich für die WM 2006 und 2014 bei Dir. Waren gute Zeiten mit Dir!
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