Schweinsteiger und Mourinho Was vom Tage übrig blieb

José Mourinho sortiert Bastian Schweinsteiger bei Manchester United aus. Es ist das tragische Ende einer besonderen Fernbeziehung.

Bastian Schweinsteiger und José Mourinho beim Champions-League-Finale 2010
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Bastian Schweinsteiger und José Mourinho beim Champions-League-Finale 2010

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Elf Jahre sind eine lange Zeit. Seit 2005 kennen sich Bastian Schweinsteiger und José Mourinho. Sie haben sich immer bewundert, waren aber nie beim gleichen Verein. Jetzt ist aus der Fern- eine Nahbeziehung geworden, bei Manchester United. Und die scheint von Beginn an zum Scheitern verurteilt zu sein.

Im April 2005 spielte Schweinsteiger zum ersten Mal gegen eine Mourinho-Mannschaft, da war er gerade 20 Jahre alt. Bayern verlor damals im Viertelfinale der Champions League gegen Chelsea, aber Schweinsteiger erzielte an der Stamford Bridge sein erstes Champions-League-Tor.

Aufmerksam geworden war Mourinho auf den Bayern-Spieler spätestens da. 2009 wollte er Schweinsteiger nach Mailand holen, zu Inter. 2010, als Mourinho gerade bei Real Madrid angefangen hatte, nahm er Schweinsteiger nach einem Freundschaftsspiel in München beiseite und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er soll gesagt haben: "Ich wollte dich letztes Jahr schon holen. Da habe ich dich aber nicht bekommen. Nächstes Jahr gehörst du mir."

Die Zuneigung wurde von Schweinsteiger erwidert. 2012, als Jürgen Klopp Borussia Dortmund zum Meistertitel in der Bundesliga führte, fragte der "Kicker" Schweinsteiger in einem Interview, ob er den Trainer des BVB bewundere.

Schweinsteiger war nicht überzeugt: "Ich finde eher so Typen wie Guardiola oder Mourinho gut. Die strahlen für mich viel mehr aus, so wie sie sich geben." Nachdem der FC Bayern im Elfmeterschießen gegen Real Madrid das Champions-League-Finale erreicht hatte, erneuerte Schweinsteiger in der "Bild"-Zeitung sein Lob für Madrids Trainer: "[...] ich muss sagen, dass ich Mourinho für einen herausragenden Trainer halte. Er spricht ja leider kein Deutsch. Aber ansonsten ist Mourinho ein Trainer, der mit Bayern auf jeden Fall Erfolg haben würde. Und wenn wir irgendwann mal auf Trainer-Suche sind, würde es mich freuen, wenn man über ihn nachdenkt."

Man dachte in München vielleicht über Mourinho nach, entschied sich aber für dessen Intimfeind Josep Guardiola. An Mourinhos Wertschätzung von Schweinsteiger änderte das nichts. Vor dem dritten Gruppenspiel der WM 2014 empfahl Mourinho Joachim Löw den Einsatz des Münchners in der Startelf: "Mein Instinkt als Trainer sagt mir, dass Deutschland am besten ist, wenn Schweinsteiger der Mannschaft die Stabilität gibt, die sie im Mittelfeld braucht."

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Mourinhos Trainerinstinkt und der WM-Titel

Löw wird nicht deshalb reagiert haben, aber Schweinsteiger, bis dahin nur von der Bank eingesetzt, spielte in allen restlichen Turnierspielen von Anfang an, Deutschland wurde Weltmeister. Der Titelgewinn war, wie es heute aussieht, der Zenit in der Karriere Schweinsteigers, der in der folgenden Saison mit Verletzungen und Formproblemen zu kämpfen hatte und nicht einmal die Hälfte der Bundesligaspiele in der Startelf bestritt.

Erst 2015 wechselte Schweinsteiger, der vier Jahre vorher vermutlich bei jedem Klub der Welt sofort einen Stammplatz bekommen hätte, ins Ausland. Jetzt aber war er wohl nicht mehr der Spieler, den Manchester United im Mittelfeld brauchte. Auf 13 Startelfeinsätze in der Premier-League-Hinrunde folgte in der Rückserie verletzungsbedingt nur noch ein Spiel.

Dennoch freute Schweinsteiger sich sehr, als sich die Gerüchte verdichteten, dass Mourinho zur neuen Saison nach Old Trafford kommen würde: "Ich glaube, jeder Spieler würde liebend gerne von Mourinho trainiert werden". Die folgende EM deutete aber bereits an, dass die Physis eines der besten europäischen Mittelfeldspieler des 21. Jahrhunderts den Anforderungen einer vollen Premier-League-Saison wahrscheinlich nicht mehr gewachsen sein dürfte.

Das sah offensichtlich auch sein neuer Trainer so. Elf Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen von Schweinsteiger und Mourinho sind die beiden endlich in einem Klub. Jetzt aber scheint es zu spät zu sein: Mourinho plant nicht mehr mit dem Deutschen, der sogar seinen Spind in der Umkleidekabine räumen musste. Die Zukunft des Mittelfelds bei United heißt nicht mehr Schweinsteiger, sondern Paul Pogba.

rae

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w_flens 02.08.2016
1. Mag ja alles so sein
Wie die Ausmusterung von Schweinsteiger bei Manchester passiert, ist an schlechtem Stil nicht zu überbieten.
takahe 02.08.2016
2. Pogba?
Der ist für mich völlig überbewertet. Stellt man ihm einen guten Gegenspieler auf die Füße, wie Deutschland bei der EM, dann sieht er keinen Stich. Da ist Schweinsteiger mit seiner Erfahrung und Übersicht allemal noch wertvoller!
jeff123 02.08.2016
3.
Ich wuerde ihm raten nochmal 2 Jahre in die USA zu gehen, gut Geld zu verdienen und dann ins Management von Bayern zu gehen. Waere doch ein schöner ehrenvoller Abschluss der Karriere.
Hank Hill 02.08.2016
4. Mein Mitleid
hält sich in Grenzen. Das passiert sehr vielen Spielern, daß ein Trainer nicht mit ihnen plant, das Alter ist dabei häufig nicht relevant. Siehe auch Götze in München. Ob das Ganze mit Stil, oder eher primitiv geschieht ist bei den Gehältern der Spieler auch nicht von großer Bedeutung.
franklempferdt 02.08.2016
5. Schweinsteiger
manchmal sieht man sich im Leben nicht nur zweimal. Aber , nach der Spindräumung, hätte ich den Mourn. unter 4 Augen ein's in die Fresse gehauen!
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