Manchesters Vorrunden-Aus Van Gaals Fiasko, Schweinsteigers Schwäche

Louis van Gaal gerät bei Manchester United immer mehr in die Kritik. Beim Champions-League-Aus in Wolfsburg enttäuschten alle Spieler, inklusive Bastian Schweinsteiger. Sein Trainer sucht nur nach Ausreden.

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Aus Wolfsburg berichtet


Neun Minuten waren in der Champions-League-Partie beim VfL Wolfsburg gespielt, als Manchester Uniteds Anthony Martial mit seinem Führungstor die Hoffnung schürte, dass am Ende der dringend benötigte Sieg zum Einzug ins Achtelfinale stehen würde. Doch Trainer Louis van Gaal zeigte keine Regung. Er sprang nicht jubelnd auf, sondern saß einfach da und machte sich Notizen.

Vielleicht ahnte van Gaal, dass auf seine Mannschaft kein Verlass sein würde beim Vorrunden-Finale am Mittellandkanal, dass ein guter Anfang keine Garantie ist für ein gutes Ende. Die 2:3-Niederlage bedeutete das Aus für Englands stolzen Rekordmeister.

Für van Gaal ist das Scheitern ein persönliches Fiasko. Der eigenwillige Trainer steht ohnehin in der Kritik, weil er einen Stil pflegt, der nach Auffassung vieler Fans und Fachleute nicht zu United passt.

Unter Sir Alex Ferguson, der fast 27 Jahre im Old Trafford regierte, stand der Verein für Spektakel und Leidenschaft. Van Gaal dagegen legt Wert auf Ballbesitz und eine geordnete Defensive. Von den besten sechs Teams der laufenden Premier-League-Saison hat Manchester die wenigsten Tore geschossen, in den vergangenen anderthalb Monaten spielte die Mannschaft viermal 0:0.

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Champions League: Doppelter Naldo, unauffälliger Schweinsteiger
Bislang konnte van Gaal die Kritik mit dem Hinweis kontern, dass man gut dastehe als Tabellen-Vierter. Dass noch alles möglich sei in dieser Saison.

Mit dem Aus in der Champions League hat Manchester allerdings einen irreparablen Schaden erlitten. Dabei war die Mannschaft klarer Favorit in der Vorrundengruppe B gewesen. In der Stunde der Niederlage wollte van Gaal die Interpretation natürlich nicht gelten lassen, dass sein Team versagt hat. "Es war eine enge Gruppe. Da entscheiden Kleinigkeiten über das Weiterkommen", sagte der Trainer - und meinte zum Beispiel das nicht gegebene Tor von Jesse Lingard beim Spiel in Wolfsburg kurz vor der Pause.

"Das ist schwer zu verstehen"

Nach van Gaals Auffassung sind vor allem äußere Umstände daran Schuld, dass United nach dem Jahreswechsel in der Europa League weiterspielen muss. Doch auch wenn der Trainer zu Recht auf die Verletzungsprobleme verwies - in Wolfsburg fehlten unter anderem Mittelfeldspieler Morgan Schneiderlin und Stürmer Wayne Rooney -, greifen seine Argumente doch zu kurz. Uniteds Scheitern hat viel mit der Offensivschwäche zu tun.

Die Mannschaft hat in der Vorrunde nur zweimal verloren, genau so oft wie Gruppensieger Wolfsburg und der Tabellenzweite Eindhoven, gewann aber auch nur zweimal.

Manchester hat Probleme, Spiele zu entscheiden. Profis, die dazu in der Lage wären, hat van Gaal zu Beginn der Saison gehen lassen: Robin van Persie, Ángel di Mariá und der mexikanische Angreifer Chicharito zum Beispiel, der in Leverkusen zu großer Form aufläuft.

In Wolfsburg kam zur fehlenden Wucht nach vorne hinzu, dass auch das Verteidigen nicht klappte, bisher die Parade-Disziplin unter van Gaal. "Nach zwei eigenen Toren kassieren wir zwei Treffer. Das ist schwer zu verstehen", sagte der Trainer.

Die Kritik an seiner Person wird sich zuspitzen, das war schon am Abend der Niederlage abzusehen. "Die Spieler, die van Gaal gehen ließ, hätten die Mannschaft von heute geschlagen", sagte der ehemalige United-Profi Michael Owen, der mittlerweile als Experte beim Fernsehen arbeitet. Manchesters Torwart-Legende Peter Schmeichel schrieb bei Twitter: "Durchschnittlicher geht es nicht."

Das war auf die Gesamtleistung des Teams bezogen, passte aber auch zu Bastian Schweinsteiger. Ihm war es nicht gelungen, die Mannschaft in einem entscheidenden Spiel zu einer Spitzenleistung zu führen. Zwanzig Minuten vor Schluss wurde der ehemalige Bayern-Profi ausgewechselt.

"Er war nicht der Schweinsteiger, den ich aus München kenne", kritisierte van Gaal und wiederholte damit einen Vorwurf, den er schon am Wochenende vorgebracht hatte, nach dem 0:0 gegen West Ham. Die rote Krawatte des Trainers saß zu diesem Zeitpunkt noch akkurat, doch die Frisur sah zerzaust aus. Seine Stirn glänzte. Das Scheitern war ihm ins Gesicht geschrieben.

VfL Wolfsburg - Manchester United 3:2 (2:1)
0:1 Martial (10.)
1:1 Naldo (13.)
2:1 Vieirinha (29.)
2:2 Guilavogui (83. Eigentor)
3:2 Naldo (84.)
Wolfsburg: Benaglio - Träsch, Naldo, Dante, Ricardo Rodriguez (16. Schäfer) - Guilavogui, Arnold - Vieirinha (78. Klose), Kruse, Draxler (85. Caligiuri) - Schürrle
Manchester: De Gea - Darmian (43. Borthwick-Jackson), Smalling, Blind, Varela - Fellaini, Schweinsteiger (69. Carrick) - Lingard, Mata (69. Powell), Depay - Martial
Schiedsrichter: Mazic (Serbien)
Zuschauer: 26.400 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Schürrle, Naldo (3) - Darmian, Varela

insgesamt 47 Beiträge
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Wunderläufer 09.12.2015
1. Glaube ich
"Er war nicht der Schweinsteiger, den ich aus München kenne". Auch Schweinsteiger wird nicht jünger. Der FC Bayern wusste schon, weshalb sie Schweinsteiger gern gehen ließen, und dafür noch fürstlich entlohnt wurden
LPS333 09.12.2015
2. Ich hab nix anderes erwartet!
Wie kann man dann auch noch Herrn van Gaal als Trainer einstellen? Die Arroganz zwar in Person aber sonst vollkommen planlos.
Attila2009 09.12.2015
3. Sündenbock gesucht
Das kann auch nicht der Schweinsteiger sein den er aus München kennt. Den gibt es nicht mehr. Schweini ist älter geworden seit dem und auch die lange Verletzungsphase dürfte einiges an Qualität gekostet haben. Vann Gaal sucht einen Sündenbock, mehr nicht.Was ist mit den anderen 10 Spielern die dort aufliefen ?
jl08 09.12.2015
4.
Die Berichterstattung zu Louis van Gaal ist in letzter Zeit extrem negativ. Er war zwar auch nie mein Lieblingstrainer bei Bayern - das war, zumindest für mich persönlich, seiner etwas "arroganten" Ausstrahlung geschuldet, und nicht seiner Spielidee oder "Philosophie". Man sollte allerdings nicht vergessen, welche Grundsteine er für den darauffolgenden Erfolge der Bayern gelegt hat (Ballbesitz, Defensivstärke, Thomas Müller!). Genau das will er wohl bei ManU auch einführen. Wahrscheinlich wird er (genau wie bei Bayern) nicht genügend Zeit dafür bekommen. Der nächste Trainer darf dann die Früchte ernten!
spadoni 09.12.2015
5.
Wann hört ihr Deutschen endlich auf MantUtd und Bastian Schweinsteiger zu kritisieren? Es ist einfach unerträglich!! Gut, ManUtd hat momentan nicht die beste Phase, grösstenteils bedingt durch die vielen verletzten Spieler, 9 Stammspieler an der Zahl. Aber ManUtd wird irgendwann stärker wiederkommen, wenn man von WOB international nicht mehr spricht.
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