BVB-Sieg im Revierderby Gnade für den Superhelden

Gelbe Karten für Torjubel sieht in der Bundesliga eigentlich kein Trainer gern. BVB-Coach Thomas Tuchel wollte sich über "Batman" Aubameyang aber nicht ärgern. Zu gut war seine Mannschaft, zu wichtig der Derby-Erfolg gegen den FC Schalke.

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Aus Dortmund berichten und


Natürlich wusste Thomas Tuchel ganz genau, worüber hier gerade diskutiert wurde, als er eine Stunde nach dem wilden Revierderby an der kleinen Gesprächsrunde mit Pierre-Emerick Aubameyang vorbei kam. Der Dortmunder Stürmer enthüllte gerade Details seiner kleinen Batman-Show, mit der er sein Tor zum 3:1 zelebriert hatte, das Shirt mit dem Fledermaus-Logo des Superhelden, der Aufschrift "Do you remember" und Comic-Schallwort: "Boom", hatte er im Rucksack am Trainer vorbei in die Kabine geschmuggelt und heimlich angezogen. Als Fortsetzung des Batman-und-Robin-Jubels, den er im Derby des Vorjahres mit Marco Reus aufgeführt hatte.

Und so ganz sicher war er sich immer noch nicht, wie Tuchel die Sache gefallen hatte, schließlich sah er dafür die Gelbe Karte. Hätte er den Trainer informiert, hätte der "das bestimmt verboten", sagte der Stürmer, seine mit weiteren glitzernden Batman-Logos verzierten Schuhe schillerten im Scheinwerferlicht. Aber Tuchel lächelte nur voller Wohlwollen, es war eine wunderbare Szene, in der jeder spüren konnte, dass Aubameyang und Tuchel sich sehr mögen. Aber wie sollte es auch anders sein nach diesem aufregenden 3:2-Sieg gegen den FC Schalke, nach einem Erfolg, der ganz besonders süß geschmeckt hatte.

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BVB in der Einzelkritik: Batmans Rückkehr
Denn dem finalen Jubel war ein wunderbares Fußballspiel vorausgegangen: intensiv, spannend, niveauvoll, torreich und voller Wendungen. Auch Tuchel, der lange Zeit tief versunken war in die Feinheiten dieser Partie berichtete nach dem Abpfiff, er habe "irgendwann gespürt, dass Derby ist." Die Zweikämpfe waren intensiver als in einem Alltagsspiel, das Publikum war leidenschaftlicher, das Stadion pulsierte, der Schiedsrichter war gut. Außerdem blieben bei aller emotionalen Aufladung alle sehr anständig.

Und der Sieg des BVB war eine angemessene Konsequenz des Spielverlaufes, auch wenn Schalkes Leroy Sané behauptete "ein Punkt für uns wäre verdient gewesen, wenn nicht sogar mehr". In Wahrheit zeigte dieses Spiel aber deutlich, dass die Dortmunder im Moment einfach die bessere Mannschaft haben. In der Phase, nach Aubameyangs 3:1 kurz nach der Pause hätte dieser Nachmittag sogar zu einem Fiasko für die Schalker werden können, der BVB konterte in diesen Minuten rasant, und Torhüter Ralf Fährmann verhinderte ein 4:1, ein 5:1 und Schlimmeres. "Aber wir haben uns nicht abschlachten lassen", lobte der Schalker Trainer André Breitenreiter sein Team, und so wurde dieses 147. Revierderby mit einer hinreißend aufregenden Schlussphase veredelt.

Klaas-Jan Huntelaar erzielte nach seinem zwischenzeitlichen 1:1 eine Viertelstunde vor dem Ende auch noch das 3:2, und nun wurde gezittert, gebangt und gehofft. Selbst der Schalker Dennis Aogo war hin- und hergerissen zwischen dem "schlechten Gefühl", mit dem er sich auf die Heimreise machte und der Erkenntnis, dass man "als Kind von genau solchen Spielen träumt." Allerdings will in diesen Träumen eben niemand der Verlierer Aogo sein, sondern der Superheld Aubameyang, dem Tuchel dann sogar erlaubte, sich fürs Rückspiel eine neue Batman-Show auszudenken. "Da werde ich ein Auge zudrücken, aber nur wenn er gute Argumente hat", sagte der Trainer.

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Schalke in der Einzelkritik: Viel Leerlauf
Wobei Aubameyang mit seinem kleinen Privatspektakel einem anderen Helden die Show stahl: Matthias Ginter hatte mit einer feinen Flanke Shinji Kagawas 1:0 vorbereitet und das 2:1 selbst geköpft. "Das ist ein sehr gutes Gefühl", sagte der Rechtsverteidiger, der längst zu einem wesentlichen Bestandteil dieses neuen BVB geworden ist, aber eigentlich gar nicht über sich selbst reden mochte. "Wir wollen in dieser Partie nicht das Außergewöhnliche ausprobieren, sondern Schalke einfach unser Spiel aufzwängen. Das ist uns gelungen", sagte er.

Eng wurde es dann auch nicht wegen der Mannschaftsleistung, sondern aufgrund von individuellen Fehlern. Mats Hummels sah vor beiden Gegentreffern schlecht aus, Sokratis leistete einen entscheidenden Beitrag zum zweiten, und dennoch ist die Dortmunder Welt heil, wie seit den süßesten Klopp-Jahren nicht mehr. Und so wurde die Mannschaft nach dem Abpfiff ausschweifend und voller dankbarer Liebe gefeiert, während die Statistiker ermittelten, dass der BVB die zweitbeste Bundesligasaison seiner Klubgeschichte absolviert. Nach zwölf Spieltagen haben die Dortmunder 29 Punkte gesammelt, nur in der Meistersaison 2010/2011 waren es mehr (31).



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Wunderläufer 09.11.2015
1. Albern und unverhältnismäßig
Man merkt immer wieder, dass Schiedsrichter aus einer andern Welt, in diesem Fall gar Galaxis, stammen. Ich habe mit dem BVB nichts am Hut, finde aber eine gelbe Karte wegen einer solchen Lappalie als höchst peinlich: das Ganze erinnert mich an den Mief der Amtsstuben in den 50ger Jahren: gefangen im Geist der Gründerepoche des Kaiserreichs sahen viele Beamte sich hilflos einer sich emanzipierenden Gesellschaft ausgesetzt
rmorg 09.11.2015
2. Triumphiert?
Das konnte man vielleicht beim Spiel der Bayern behaupten, aber doch nicht beim Spiel BVB gegen Schalke. Glück wäre eine bessere Bezeichnung.
jmozes 09.11.2015
3. Rose Blau Weiße Brille an...
... von Triumph spricht wohl keiner, aber Schalke war erschreckend schlecht und ist in der Tabelle wohl noch 2 Plätze zu hoch. Die Gegentreffer waren nur aus Fehlern der Dortmunder entstanden, erspielt waren nur die 2 guten Torchancen. Das ist aber zu wenig für eine echte Spitzenmanschaft - und die ist Schalke derzeit auch nicht.
sirraucheinviel 09.11.2015
4. Hat ja nicht lange gedauert ....
.... bis hier wieder ein FCB Fanboy anfängt rumzustänkern. Erbärmlich.....
uksubs 09.11.2015
5. macht spaß
das macht spaß, ihnen zuzuschauen und es macht ihnen selbst offensichtlich auch spaß. hoffentlich werden die nicht wieder auseinandergekauft.
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