Leverkusen-Torwart Leno Der Magier, der nicht für Deutschland zaubern darf

Endlich ein Bollwerk! Leverkusen präsentiert sich beim Sieg auf Schalke abwehrstark wie selten. Großen Anteil daran hat der Torwart. Viele halten Bernd Leno für Deutschlands Nummer zwei - nur der Bundestrainer sieht das anders.
Leverkusen-Torwart Leno: "Einfach reinschmeißen"

Leverkusen-Torwart Leno: "Einfach reinschmeißen"

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Wenn Rudi Völler Bayer Leverkusen bewertet, folgt das in der Regel einem einfachen Muster. Hat der Sportdirektor das Gefühl, seine Mannschaft werde benachteiligt oder allzu kritisch betrachtet, dann beschimpft er schon mal Schiedsrichter oder er wütet gegen Journalisten. Wird sein Klub hingegen allzu hymnisch gefeiert, werden überzogene Erwartungen geschürt oder Einzelspieler hervorgehoben, reagiert er genau umgekehrt: Völler relativiert und schränkt ein. Insofern waren seine Worte nach Leverkusens 1:0-Sieg beim FC Schalke über Bernd Leno sehr bemerkenswert.

Leverkusens Torhüter sei eindeutig "die Nummer zwei in Deutschland", erklärte Völler mit fester Stimme, was im Subtext hieß: Bundestrainer Joachim Löw hat die Kaderplätze hinter Manuel Neuer für die anstehenden Länderspiele mal wieder nicht alleine nach den Leistungen im bisherigen Saisonverlauf besetzt, sondern noch einmal den Anteil von Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler am WM-Titel von Rio gewürdigt. Denn Leno erhielt wieder einmal keinen Anruf.

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Dabei zeigen die vergangenen Wochen: Völler hat recht. Seit vier Bundesligapartien ist der 23-Jährige ohne Gegentor, und gegen den FC Schalke ist ihm auch noch eine dieser Teufelsparaden gelungen, die nur ganz wenige Torhüter beherrschen. Klaas-Jan Huntelaar war in der zwölften Minute nach einem Querpass aus kurzer Distanz zum Schuss gekommen, "mir blieb gar nichts anderes übrig, als mich da einfach reinzuschmeißen", sagte Leno, "da gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu." Aber die Dynamik des Hechtsprungs, die Überzeugungskraft, das Selbstvertrauen erinnerte tatsächlich an Manuel Neuer in Hochform.

Natürlich ist Lenos fabelhafte Form nur ein Mosaikstein im erfolgreichen Leverkusener Abwehrkonstrukt, "es hat eine Weile gedauert, aber jetzt sind wir in unserer Spielweise gefestigt", sagte Trainer Roger Schmidt. Aber wie problematisch ein unsicherer Torhüter für eine eigentlich ganz gut organisierte Defensive sein kann, lässt sich derzeit an den Schalkern beobachten.

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Deren Trainer Roberto Di Matteo hat von Anfang an eine Stabilisierung der Verteidigung zu seinem obersten Ziel erklärt und auf diesem Gebiet große Fortschritte erzielt. Nun fallen mit Ralf Fährmann und Fabian Giefer die Nummer eins und die Nummer zwei aus, der junge Timon Wellenreuther muss einspringen und lässt regelmäßig Tore zu, die ein wirklich guter Torhüter verhindert. Auch Karim Bellarabis entscheidendes Tor des Abends konnte man als Fehler des Schlussmannes sehen. Leno dagegen gelang eine magische Torwartaktion.

Kein Wunder, dass Schmidt von der Entwicklung seines Torhüters begeistert ist. In der Hinrunde sei Leno "etwas zu schlecht weggekommen", da seien die meisten wirklich gefährlichen Bälle auf das Leverkusener Tor "unhaltbar" gewesen, sagte der Trainer. Das sei jetzt anders, und die vielen gelungenen Paraden haben ihn selbstbewusst gemacht, Leno hat einen Lauf. In den zurückliegenden sieben Pflichtspielen musste er nur ein einziges Gegentor zulassen, den abgefälschten Schuss im Spiel bei Atlético Madrid am Dienstag.

Selbst im Elfmeterschießen war er in der spanischen Hauptstadt stets in der richtigen Ecke, einen Ball hielt er, was eine wunderbare Grundlage für den Einzug ins Viertelfinale war. Die Geschichte mit den schwachen Schüssen seiner Kollegen ist hinlänglich bekannt. "Er hält nicht nur in der Bundesliga gut, sondern auch in der Champions League", sagte Schmidt. Einer wie Ron-Robert Zieler, Deutschlands Nummer drei (laut Löw), hat hingegen noch kein einziges Spiel in der Königsklasse absolviert.

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Kein Wunder, dass Leno in der Nominierungswoche vor Länderspielen immer auf einen Anruf vom Bundestrainer hofft, "die Nationalmannschaft ist immer ein Ziel", sagte er am Samstag, aber er betrachtet das Thema mit der Gelassenheit, die er auch bei hohen Bällen in den Strafraum ausstrahlt. "Mich jetzt damit zu beschäftigen, kostet unnötige Kraft", erklärte er.

Diese Besonnenheit ist ein wichtiger Faktor im Leverkusener Abwehrgebilde. "Ich schätze an ihm, dass er in hektischen Spielphasen, wenn es besonders brennt, ruhig und sauber reagiert, er strahlt auf mich eine große Sicherheit aus", sagte Trainer Schmidt. Und damit passt Lenos Leistung derzeit ganz wunderbar zur kaum überwindbaren Defensive des Werksklubs.