Bayer Leverkusen Das neue Glück des Herrn Dutt

Es hat Monate gedauert, jetzt aber hat Bayer Leverkusen seinen Rhythmus gefunden. Die Position des Trainers ist gestärkt, in der Liga hofft das Team wieder auf einen Spitzenplatz. Dabei könnte ein Aus in der Champions League sogar behilflich sein.

AFP

Aus Barcelona berichtet


Robin Dutt ist an der Seitenlinie normalerweise ein eher stiller Typ. Nach dem 2:0 über Bayern München am vergangenen Wochenende allerdings musste es raus: Die Freude, die Erleichterung, alles, was sich in den aufreibenden Vormonaten in Leverkusen aufgestaut hatte, entlud sich in einem Jubelschrei. "Ich dachte, vielleicht sieht man jetzt endlich die Ergebnisse unserer guten Arbeit", sagte Dutt.

Es hat sich tatsächlich einiges verändert in Leverkusen, nicht zuletzt die öffentliche Wahrnehmung. Monatelang herrschte schlechte Stimmung im und rund um den Verein. Das gipfelte darin, dass etliche Fans selbst nach einem 4:1-Sieg über den FC Augsburg pfiffen und pöbelten. Das ist keine drei Wochen her, trotzdem scheint das vor Ewigkeiten gewesen zu sein. In Leverkusen ist nach dem Sieg über den Rekordmeister sogar so etwas wie Euphorie spürbar. Ein ganz neues Gefühl für Dutt.

Bayer ist die drittbeste Rückrundenelf der Bundesliga, hinter den Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach. Das Team lauert nur noch vier Punkte hinter Schalke 04 auf dem fünften Tabellenplatz, die Qualifikation für die Champions League ist dadurch wieder greifbar. Das ist umso wichtiger, weil in Leverkusen jeder davon ausgeht, dass das Champions-League-Abenteuer für diese Saison nach dem Achtelfinalrückspiel beim FC Barcelona am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorbei ist. Zu groß ist die Bürde der 1:3-Niederlage aus dem Hinspiel.

Doch wie kam es zu dem Bayer-Wandel, weg von einem der flatterhaftesten Teams der Hinrunde zum neuen Bayern-Bezwinger?

Keine Trauer über Ballacks Verletzung

Bayer hat die Winterpause genutzt. Sportdirektor Rudi Völler, Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Dutt arbeiteten die schwachen Leistungen der Hinrunde auf. Mit dem Ergebnis, die strukturellen Probleme innerhalb der Mannschaft konsequent zu beseitigen. Mit Stefan Kießling, Simon Rolfes, Michael Ballack und Hanno Balitsch soll es im Team eine harte Anti-Dutt-Front gegeben haben, die nicht nur offen Entscheidungen des Trainers kritisierte, sondern auch gerne Journalisten über Mannschaftsinterna informiert haben soll. Offiziell bestreiten sowohl Dutt als auch Rolfes die Vorwürfe, der Trainer merkt lediglich an: "Es gab in der Hinrunde atmosphärische Probleme im Betriebsklima. Diese sind jetzt vollständig ausgeräumt."

Balitsch wurde an den 1. FC Nürnberg abgegeben, Rolfes ist zum Ergänzungsspieler degradiert worden, und Ballack ist jetzt schon Geschichte. Über die Wadenverletzung des Ex-Nationalspielers ist im Verein niemand wirklich traurig. Kießling und Rolfes, die sich auch beim Abschlusstraining im Nou-Camp-Stadion beinahe isoliert von ihren Kollegen im Mittelkreis aufgewärmt haben, verloren intern deutlich an Standing.

Bender drohte den Bayer-Chefs mit seinem Abschied

Nun gibt es bei Bayer eine neue Gruppe von Wortführern um Verteidiger Daniel Schwaab, Nationalspieler André Schürrle und Gonzalo Castro, der die Mannschaft zuletzt als Kapitän aufs Feld führte. Unter ihnen ragt ein Spieler noch heraus: Lars Bender. Es heißt, der Mittelfeldspieler habe vor wenigen Wochen, kurz nach den Wallungen der Ballack-Diskussion, die Büros von Holzhäuser und Völler aufgesucht und damit gedroht, den Verein zu verlassen, wenn weiterhin Probleme öffentlich ausgetragen würden. Das hat ihm nicht nur bei den Chefs, sondern vor allem in der Mannschaft enormen Respekt eingebracht.

Dutts Autorität hat es zumindest nicht geschadet. Denn Bender und Co. stehen hinter dem 47-jährigen Trainer. Dadurch kann der Coach wieder mit mehr Selbstvertrauen auftreten und seine Linie klarer durchziehen. "Es war wichtig, dass Robin zurück zu seiner alten Stringenz gefunden hat. Er macht hier einen sehr guten Job", sagt Holzhäuser.

Das höchstwahrscheinliche Ausscheiden aus der Champions League scheint in Leverkusen keinen wirklich zu stören. "Barcelona ist die beste Mannschaft der Welt, gegen die kann man verlieren", sagt Kießling. Dutt hingegen will nach der 1:3-Hinspielpleite "nicht auf das Ergebnis schauen, sondern auf unsere eigene Leistung. Wenn wir uns gut verkaufen, dann kann uns das einen richtigen Aufwärtsschub geben. Eine Niederlage wird uns ganz sicher nicht zurückwerfen."

Schürrle geht sogar noch weiter und sieht in dem Königsklassen-K.o. noch etwas Positives: "Wenn es so kommen sollte, dann ist es schade. Aber dann haben wir die Möglichkeit, uns voll und ganz auf die Bundesliga zu konzentrieren." Die vor Bayer liegende Konkurrenz fährt dagegen zweigleisig: Schalke ist noch in der Europa League vertreten, Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokal. "Wenn die Mannschaften vor uns Federn lassen, versuchen wir da zu sein", sagt Verteidiger Stefan Reinartz.

Vor der Saison hat Dutt gesagt: "Wir können die Ergebnisse meiner Arbeit frühestens nach einer Saison bewerten. Ich bin eher ein Langzeittrainer und keiner für ein paar Monate." Er scheint Recht zu behalten.

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Seite 1
deefens 07.03.2012
1. kein Titel
Zitat von sysopAFPEs hat Monate gedauert, jetzt aber hat Bayer Leverkusen seinen Rhythmus gefunden. Die Position des Trainers ist gestärkt, in der Liga hofft das Team wieder auf einen Spitzenplatz. Dabei könnte ein Aus in der Champions League sogar behilflich sein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,819774,00.html
Ich kann bei Leverkusen ehrlich gesagt überhaupt keine Konstanz in den Leistungen erkennen. Zwar sind die regelmässigen Einbrüche nicht ganz so krass wie beim Lokalrivalen aus Köln, aber eine echte Serie sieht anders aus. Wenn man sich den Kader anschaut müsste damit aber deutlich mehr als nur Platz 3-7 drin sein, Spieler wie Kiessling, Augusto, Castro oder Leno hätte sicherlich jeder Trainer gerne im Verein. Ich denke Leverkusen sollte sich einfach mal offen dazu bekennen, ein nachhaltiges Spitzenteam werden zu wollen. Das ist seit Jahrzehnten ein Verein der immer mal wieder die Luft ganz oben schnuppert, für nachhaltige Erfolge scheinen sowohl Management als auch die sportliche Leitung einfach nicht die Bestbesetzung aufbieten zu können. Aber vielleicht ist man auch ganz zufrieden damit, dann darf man aber auch nicht beklagen dass im Achtelfinale der CL regelmässig Schluss ist.
stampler2 07.03.2012
2.
Zitat von deefensIch kann bei Leverkusen ehrlich gesagt überhaupt keine Konstanz in den Leistungen erkennen. Zwar sind die regelmässigen Einbrüche nicht ganz so krass wie beim Lokalrivalen aus Köln, aber eine echte Serie sieht anders aus. Wenn man sich den Kader anschaut müsste damit aber deutlich mehr als nur Platz 3-7 drin sein, Spieler wie Kiessling, Augusto, Castro oder Leno hätte sicherlich jeder Trainer gerne im Verein. Ich denke Leverkusen sollte sich einfach mal offen dazu bekennen, ein nachhaltiges Spitzenteam werden zu wollen. Das ist seit Jahrzehnten ein Verein der immer mal wieder die Luft ganz oben schnuppert, für nachhaltige Erfolge scheinen sowohl Management als auch die sportliche Leitung einfach nicht die Bestbesetzung aufbieten zu können. Aber vielleicht ist man auch ganz zufrieden damit, dann darf man aber auch nicht beklagen dass im Achtelfinale der CL regelmässig Schluss ist.
Das ist ein Widerspruch. Sie sollen sich dazu bekennen, ein Spitzenteam werden zu wollen, obwohl dafür die sportliche Leitung sowohl Management einfach nicht die Bestbesetzung aufbieten können? Nicht sehr schlau, diese Feststellung. Leverkusen wird sich um Rang 5 einpendeln und dort auf lange Sicht auch bleiben. Für die Spitze reicht es einfach nicht, dafür ist die Kaderpolitik und die Struktur bei Bayer einfach nicht gemacht. Immerhin sind sie wirtschaftlich gesund, das ist doch auch schon mal was.
meinsenf1 07.03.2012
3. Wenn ein weiterkommen in der CL eh egal ist,
[QUOTE=sysop;9778634Dabei könnte ein Aus in der Champions League sogar behilflich sein.[/QUOTE] dann möchte ich heute aber Offensiv-Fussball sehen, Herr Dutt! Und an die Messi-Fan-Boys von Bayer: Haltet euch zurück!
deefens 07.03.2012
4.
Zitat von stampler2Das ist ein Widerspruch. Sie sollen sich dazu bekennen, ein Spitzenteam werden zu wollen, obwohl dafür die sportliche Leitung sowohl Management einfach nicht die Bestbesetzung aufbieten können? Nicht sehr schlau, diese Feststellung. Leverkusen wird sich um Rang 5 einpendeln und dort auf lange Sicht auch bleiben. Für die Spitze reicht es einfach nicht, dafür ist die Kaderpolitik und die Struktur bei Bayer einfach nicht gemacht. Immerhin sind sie wirtschaftlich gesund, das ist doch auch schon mal was.
Die Betonung liegt auf "werden wollen". Dass das mit dem gegenwärtigen Personal (nicht die gemeint Mannschaft) nicht möglich ist, lässt sich ja mittelfristig durchaus ändern.
Taske 07.03.2012
5. Freut mich ...
Zitat von sysopAFPEs hat Monate gedauert, jetzt aber hat Bayer Leverkusen seinen Rhythmus gefunden. Die Position des Trainers ist gestärkt, in der Liga hofft das Team wieder auf einen Spitzenplatz. Dabei könnte ein Aus in der Champions League sogar behilflich sein. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,819774,00.html
... für die Messi-Fan-Boys aus Leverkusen! Nach dem überaus peinlichen Hinspiel, darf also endlich wieder um Messis Trikot gerangelt werden. Wäre der Herr Dutt ein Mann von Format, hätte er die Herren Kadlec und Friedrich für den Rest der Saison zu den Amateuren versetzt.
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