Bayers Remis gegen Bayern Punktgewinn der Maurermeister

Angriff? Nein, danke! Leverkusen wollte gegen den FC Bayern nicht ins Verderben laufen und verbarrikadierte sich vor dem eigenen Strafraum. Die Münchner kamen dennoch zu vielen Chancen - nur Bayers Bester stand ihnen immer wieder im Weg.

DPA

Von


SPIEGEL ONLINE Fußball
Ein Punktgewinn gegen den Triple-Sieger, 1:1 gegen den FC Bayern München - doch selten war ein Unentschieden schmeichelhafter als das für Bayer Leverkusen am Samstagabend. Die Gastgeber konzentrierten sich fast ausschließlich aufs Verteidigen, verbarrikadierten den eigenen Strafraum mit zum Teil acht Spielern - und ließen dennoch 27 Schüsse der Bayern zu. Wie kam es zu dieser Unterlegenheit? Und warum holte Bayer dennoch einen Punkt?

Darum hatte Bayer nur 22 Prozent Ballbesitz
Leverkusen formierte sich in einem 4-3-3-System, das sich häufig in ein 4-5-1 verwandelte, und attackierte die Münchner erst, wenn der Gegner die Mittellinie überquerte. Sollten die Bayern den Ball ruhig haben, so Bayers Taktik - aber bitte nur in aus Leverkusener Sicht ungefährlichen Zonen. So spielt Bayer unter Trainer Sami Hyypiä fast immer. Doch mehrere Dinge waren diesmal anders.

Leverkusen fehlten die Ballgewinne im Mittelfeld. Bayern ließ den Ball derart schnell und zielsicher laufen, dass sich Zweikämpfe gar nicht erst entwickelten. 113 solcher Mann-gegen-Mann-Duelle gab es im gesamten Spiel. Zum Vergleich: In den restlichen Bundesliga-Partien des achten Spieltags kam es im Schnitt zu 138 Zweikämpfen.

Fotostrecke

14  Bilder
Bayern in der Einzelkritik: Ungeheurer Ribéry, unpräziser Müller
Verlor Bayern tatsächlich mal den Ball, eroberte das Team ihn umgehend durch verbessertes Gegenpressing zurück. In den ersten Wochen unter ihrem neuen Trainer Pep Guardiola hatten die Münchner gerade hier Probleme, ermöglichten ihren Gegnern so Konter. Nun funktionieren die Mechanismen besser - auch dank Philipp Lahm, der gerade in Momenten des Ballverlustes herausragt und aus dem Mittelfeld nicht mehr wegzudenken ist.

Und: Bayer schenkte Bälle auch dann her, wenn das Team nicht unter Druck war, etwa bei Abstößen. Torwart Bernd Leno schlug hierbei den Ball in die gegnerische Hälfte, dort warteten vier Mitspieler. Weil Leverkusens Verteidiger aber nicht nachrückten, sondern in Strafraumnähe verharrten, blieben die Offensivspieler in Unterzahl, zweite Bälle gingen stets an die Bayern. Das kritisierte auch Sky-Co-Kommentator Stefan Effenberg zu Recht, denn so verschenkten die Gastgeber nicht nur die Chance auf eigene Angriffe, sondern verpassten es auch, die Defensive zu entlasten.

Darum hatte Leverkusen kaum eigene Chancen
Gewann Leverkusen mal den Ball, funktionierte das Umschalten auf Angriff nicht gut. Dabei ist das eigentlich Bayers Stärke. Gegen München schalteten sich selten mehr als drei Spieler in Angriffe ein - zu wenig, um die Abwehr des Rekordmeisters unter Druck zu setzen. Ob das nun an fehlendem Mut lag oder eine (nachvollziehbare) taktische Entscheidung Hyypiäs war, um Gegenstöße der Bayern zu verhindern, sei dahingestellt.

Jedenfalls hatte Stefan Kießling deshalb einen besonders schweren Stand. Immer wieder wurde der Stürmer mit hohen Bällen gesucht. Doch weil meist nur Sidney Sam in dessen Nähe lauerte, konnten sich Dante und Jérôme Boateng gemeinsam um Kießling kümmern, während ein freier Mitspieler Sam bewachte. So bedurfte es aus Leverkusener Sicht besonderer Einzelaktionen, Passstafetten oder individueller Fehler des Gegners, um Gefahr zu erzeugen. Einmal kam all das zusammen - und prompt gelang Bayer der Ausgleich.

Fotostrecke

14  Bilder
Leverkusen in der Einzelkritik: Brillanter Leno, blasser Kießling
Darum hat Bayern nicht gewonnen
Auch in einer Taktikanalyse darf manchmal auf einfachste Dinge im Fußball verwiesen werden. Dass Bayer tatsächlich einen Punkt ergatterte, lag vor allem an Bernd Leno. Leverkusens Torwart parierte zehn Schüsse, kein anderer Schlussmann musste am achten Spieltag derart oft sein Können beweisen. Nur in zwei Kategorien war Bayer seinem Kontrahenten zumindest ebenbürtig: im Parieren von Abschlüssen - und im Resultat.

So bleibt die etwas bittere Erkenntnis, dass der aktuell drittstärkste Bundesligist dem stärksten nur mit Glück und einer herausragenden Torwartleistung ein Unentschieden abringen kann. Wirklich neu ist das nicht. Ein Blick auf die Abschlusstabellen der vergangenen drei Saisons zeigt den stetig wachsenden Rückstand, den die restliche Liga auf seine beiden Spitzenclubs hat. Selten ist dieser Abstand bei einem Unentschieden derart deutlich geworden wie am Samstagabend.

insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chillipalmer 06.10.2013
1. Na und?
Und nun? Wen interessiert das? Wie viele Spiele gibts die am Ende nicht den verdienten Sieger finden. Ist das nun ein besonderes Ereignis weil man gegen Bayern nicht ins offene Messer laeuft um dann hier fuer Mut gelobt zu werden?! Erstens geht den meisten Fussballfans eh dieses staendige Analysieren um ein einfaches Bayernspiel auf die Nerven und zweitens erinnern wir uns alle an den Dauerbayerndusel ueber eine gefuehlte Ewigkeit.
scooby11568 06.10.2013
2. Maurermeister? Lächerlich ...
die Unfähigkeit, außer einem Zufallstreffer irgend etwas zum Spiel beizutragen, als meisterlich zu bezeichnen, ist mehr als albern. Leverkusen hatte Glück, nichts weiter. Wie das Kaninchen vor der Schlange.
carolian 06.10.2013
3. Der Unterschied ist:
Die Taktik von Hyypiä ist voll aufgegangen und die von Guardiola nicht. Genau so wie es Bayer machte, muss man gegen die 1. Mannschaft vom FC Bayern spielen. Nicht schön, aber effizient. Diese verdammt gute Abwehr der Bayern kann man nur mit Sonntagsschüssen überraschen und das nur bei sehr schnellen Kontern. Aus dem Spiel geht da gar nichts. Der hochgelobte Angriff der Bayern (ohne Stürmer, nur mit Spieler) hingegen rennt sich immer fest. Weil 4 Spieler nicht wissen, wohin mit dem Ball. Das, was Guardiola von denen verlangt, ist viel zu verwirrend in den blitzschnellen Spielsituationen. Und so wird agiert wie in einer Handballmannschaft am Kreis, aber ohne Abschluss, well der Brecher fehlt. Die Grundregel des Angriffs im Fussball: für den Knipser freie Räume schaffen, ist nicht möglich, wenn man selbst mit 4-5 Mann den Strafraum vollstellt.
derkaiser66 06.10.2013
4. Für einen CL Teilnehmer unwürdiger Auftritt
Das Ergebnis heiligt hier wieder mal die Mittel. Bei normaler Chancenverwertung geht Leverkusen mit dem gestrigen Angsthasenfußball mit einer Packung vom Platz und wird dann in der Presse dafür zerrissen. Das 1:1 war eine absurde Laune des Fußballgotts, aber sicher nichts, was sich Leverkusen in irgendeiner Form verdient hatte.
viceman 06.10.2013
5. warum nicht, womöglich
Zitat von derkaiser66Das Ergebnis heiligt hier wieder mal die Mittel. Bei normaler Chancenverwertung geht Leverkusen mit dem gestrigen Angsthasenfußball mit einer Packung vom Platz und wird dann in der Presse dafür zerrissen. Das 1:1 war eine absurde Laune des Fußballgotts, aber sicher nichts, was sich Leverkusen in irgendeiner Form verdient hatte.
war der fußballgott gerade aus gladbach rübergekommen, da war es noch schlimmer....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.