Bayers Remis in Moskau Schwung für die Liga

Achtelfinale erreicht, alle zufrieden? Eher nicht: Bayer Leverkusen gab in Moskau nach gutem Beginn das Spiel aus der Hand. In der Bundesliga hat diese Unbeständigkeit den Klub zurückgeworfen - jetzt kommen die Bayern.

Leverkusens Julian Brandt
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Leverkusens Julian Brandt

Aus Moskau berichtet


Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn der Trainer an der Seitenlinie aktiver ist als seine Spieler auf dem Platz. So war es auch in Moskau, wo Roger Schmidt nicht wild gestikulierte, um sich im winterlich kalten ZSKA-Stadion aufzuwärmen - sondern um seine Mannschaft in der Schlussphase nochmal anzutreiben.

Leverkusen war in Führung gegangen, hatte die erste Hälfte klar dominiert, nur um sich dann zum wiederholten Mal in dieser Saison um den Lohn für die anfängliche Mühe zu bringen. Denn in den zweiten 45 Minuten trat Bayer ganz anders auf, ließ den Russen viel zu viel Platz und hatte am Ende Glück, ein 1:1 über die Zeit zu bringen. "Wir machen den Sack nicht zu. In Moskau einen Punkt mitzunehmen, ist aber ok", sagte Torschütze Kevin Volland.

Der Stürmer saß mit seinen Mitspielern schon im Flugzeug, als feststand, dass Leverkusen sicher das Achtelfinale erreicht hat: Durch den Sieg des Tabellenführers AS Monaco bei Tottenham Hotspur steht der Bundesligist schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen die Monegassen in zwei Wochen als Zweiter fest.

Alles Gut also? Nicht wirklich. Schließlich war der Verlauf der Partie ein Sinnbild dieser Saison, die mit Platz neun in der Liga und wechselhaften Auftritten im Europapokal bisher alles andere als zufriedenstellend verläuft.

"Ich sehe das positiv"

In Moskau sah das so aus: Leverkusen hatte früh Glück, nicht in Rückstand zu geraten, als Torhüter Bernd Leno nach einem schweren Fehler von Ömer Toprak rechtzeitig zur Stelle war (11. Minute). Anschließend gingen die Gäste nach einer sehenswerten Freistoßvariante durch Volland in Führung (16.). Danach hatte Schmidts Elf eigentlich alles im Griff, deutlich mehr Spielanteile und Torschüsse. Doch in der zweiten Hälfte wurde Bayer zunehmend passiver überließ den Russen in der zweiten Hälfte endgültig das Spiel.

Die logische Konsequenz war der Ausgleich nach einem verwandelten Foulelfmeter von Bebras Natcho (76.), dem noch weitere Tore hätten folgen können. Die Auswechslung von Chicharito kurz darauf gegen den defensiven Julian Baumgartlinger zeigte, dass Schmidt mit dem Resultat gut leben konnte. "Wir sind im fünften Champions-League-Spiel ungeschlagen. Das sehe ich als sehr positiv an", sagte er nach der Partie.

Dennoch zeigte sich Schmidt auch selbstkritisch und gab zu, dass man in der Liga momentan nicht da stünde, wo man hingehöre. Im Sommer hatte unter anderem Hertha-Coach Pal Dardai Bayer zum heimlichen Meisterschaftsanwärter auserkoren, doch nun dümpelt man hinter Vereinen wie Hoffenheim, Frankfurt und Mainz im Mittelfeld. Sportvorstand Rudi Völler sprach Schmidt schon vor der Partie in Russland sein Vertrauen aus, wohlwissend das am Wochenende schon die nächste richtungsweisende Begegnung ansteht.

Am Samstag gastiert Bayer beim FC Bayern (18.30 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE), der nach der ersten Saisonniederlage am vergangenen Spieltag gegen den BVB besonders gereizt sein dürfte. Immerhin: Schmidt und seine Spieler haben schon mal bewiesen, dass sie mit Druck gut umgehen können. Nach enttäuschenden Leistungen in der Europa League im März folgte eine Siegesserie in der Bundesliga und der Sprung auf Rang drei.

Einen ähnlichen Lauf könnte Leverkusen nun auch gebrauchen. Ein Erfolg gegen den Rekordmeister wäre ein idealer Zeitpunkt, damit anzufangen.

ZSKA Moskau - Bayer Leverkusen 1:1 (0:1)
0:1 Volland (16.)
1:1 Natcho (76., Foulelfmeter)
Moskau: Akinfejew - Fernandes, A. Berezutskiy, W. Berezutskiy, Schtschennikow - Wernbloom, Dsagojew (83. Traoré) - Milanov, Natcho, Golowin - Tschalow (90., Strandberg)
Leverkusen: Leno - Jedvaj, Tah, Toprak, Henrichs - Arànguiz, Kampl (90., Mehmedi) - Volland, Brandt (70., Havertz) - Calhanoglu, Hernández (81., Baumgartlinger)
Schiedsrichter: Alberto Undiano Mallenco (Spanien)
Zuschauer: 24.000
Gelbe Karten: Akinfejew, Wernbloom - Hernández, Henrichs (2), Kampl



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