Champions League Leverkusen verpasst Sprung ins Achtelfinale

Sie schossen aus allen Lagen, doch der Siegtreffer wollte nicht fallen: Bayer Leverkusen ist gegen den FC Barcelona nicht über ein Remis hinausgekommen. Nun muss sich der Bundesligist mit der Europa League begnügen.

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Rudi Völler hatte im Januar sein zehnjähriges Jubiläum als Sportdirektor von Bayer Leverkusen. Er hatte also Zeit genug, um die Eigenheiten des Bayer-Teams kennenzulernen. Die beschrieb er vor der Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona so: "Wir sind eine unberechenbare Mannschaft." Diese Erkenntnis ließ ihn hoffen, "dass wir das Wunder wahr werden lassen".

Das Wunder von Leverkusen, also ein Sieg gegen den FC Barcelona, fiel aus. Im letzten Gruppenspiel kam Bayer gegen eine B-Elf des spanischen Titelverteidigers nicht über ein 1:1 (1:1) hinaus und verpasste den Sprung ins Achtelfinale der Königsklasse. Immerhin: Bayer erreichte Platz drei und damit die Europa League. Und: Ein Debakel wie in der Saison 2011/2012, als Leverkusen 1:7 im Camp Nou unterging, gab es nicht.

Darüber konnten sich die Leverkusener aber nicht freuen: "Das ist eine Riesenenttäuschung", sagte Mittelfeldspieler Christoph Kramer. Kevin Kampl ergänzte: "Das ist extrem bitter für uns, da werden jetzt erstmal die Köpfe runterhängen. Wir hatten heute genug Chancen." Und Trainer Roger Schmidt sprach gar von einem "Drama" und einer "Tragödie".

Neymar fehlt, Suárez auf der Bank, Messi trifft

Vor dem Spiel hatte es Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Völlers Hoffnungen wahr werden könnten. Das Hinspiel zum Beispiel: Bayer hatte zwar im Camp Nou 1:2 verloren, doch immerhin bis zur 80. Minute 1:0 geführt. Oder Barcelonas Aufstellung: Andrés Iniesta und Gerard Piqué waren zu Hause geblieben, Superstar Neymar hatte sich im Abschlusstraining verletzt. Zudem fehlte der gesperrte Dani Alves. Und Luis Suárez saß zunächst auf der Bank.

Und Bayer war in den ersten Minuten tatsächlich das dominierende Team, hatte durch einen gefährlichen Freistoß von Hakan Calhanoglu sogar die erste Chance. Barcelona-Keeper Marc-André ter Stegen konnte jedoch parieren (12.). Auf der Gegenseite hielt Leverkusens Bernd Leno einen Schuss von Sandro Ramírez fest (16.).

Vier Minuten später musste Leno den Ball dann doch aus dem Netz holen: Ivan Rakitic konnte unbedrängt durchs Mittelfeld spazieren und passte in den Lauf des startenden Messi. Der Argentinier ließ dem Bayer-Keeper keine Chance (20.).

Barcelona-Star Messi: Treffer zum 1:1 erzielt
AP/dpa

Barcelona-Star Messi: Treffer zum 1:1 erzielt

Leverkusen ließ sich jedoch von dem Gegentreffer nicht beirren und wurde belohnt: Eine Hereingabe von der linken Seite kam zu Javier Hernández, der den Ball im Strafraum direkt nahm. Er konnte so über sein fünftes Tor im sechsten Königsklassen-Spiel jubeln (23.).

Guter Start von Leverkusen in Hälfte zwei

Es ging munter weiter, auch wenn bis zur Pause keine weiteren Tore mehr fielen. Messi schoss knapp am Tor vorbei (27.). Und Leverkusens Calhanoglu scheiterte zunächst mit einer Hereingabe (34.) und schoss dann Barcelonas Keeper Ter Stegen in die Arme (38.).

Der Start in die zweite Hälfte gehörte Leverkusen: Zunächst rettete Ter Stegen vor den heranstürmenden Bayer-Angreifern (46.), nachdem er die Chance mit einem verunglückten Ball überhaupt erst eingeleitet hatte. Calhanoglu schlenzte aus wenigen Metern nur neben das Tor und drosch dann einen Freistoß in Ter Stegens Arme. Und Karim Bellarabi traf nach einem tollen Sololauf nur den Rücken von Hernández.

Chancen kreierte Leverkusen nun im Minutentakt: wie Calhanoglus Schuss in der 57. Minute, den erneut Ter Stegen halten konnte. Oder Bellarabis 1:1-Situation, die Barcelonas Torwart für sich entschied (60.). Oder Kampls Versuch von der Strafraumgrenze. Allein, ein Tor gelang ihnen nicht.

Und so ging es weiter: Calhanoglu, Kießling, Hernández, Bellarabi - sie alle vergaben aus aussichtsreichen Positionen. Nachdem Bellarabi in der Schlussphase den Abschluss suchte, anstatt den besser postierten Hernández anzuspielen, lieferten sich beide Leverkusener sogar ein hitziges Wortgefecht.

Am Ende fehlte nur ein Tor zum Einzug ins Achtelfinale. "Das ist einfach unser Problem. Wir spielen eigentlich einen sehr guten Fußball, brauchen aber viel zu viele Torchancen", sagte Völler nach der Partie bei Sky.

Bayer-Profis Bellarabi (l.), Hernandez: Streit um eine verpasste Torchance
REUTERS

Bayer-Profis Bellarabi (l.), Hernandez: Streit um eine verpasste Torchance

Bayer Leverkusen - FC Barcelona 1:1 (1:1)
0:1 Messi (20.)
1:1 Hernandez (23.)
Leverkusen: Leno - Hilbert, Tah, Toprak, Wendell - Kramer (90. Papadopoulos), Kampl - Bellarabi, Calhanoglu (79. Brandt), Mehmedi (70. Kießling) - Hernandez
Barcelona: ter Stegen - Adriano, Bartra, Vermaelen, Alba (74. Camara) - Kaptoum (62. Gumbau) - Rakitic, Samper - Sandro, Messi, Munir
Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)
Zuschauer: 29.412 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kampl (3) - Bartra, Gumbau (2), Rakitic

insgesamt 25 Beiträge
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Fangio 09.12.2015
1. Mit diesem "Sturm"
hat Leverkusen im CL-Achtelfinale auch nichts verloren. Unfassbar, diese Chancenverwertung. Barcas Abwehr hatte derartig viele Löcher, ein richtiger, nervenstarker Knipser hätte allein aus den Chancen von Bellarabi und Calhanoglu fünf Tore gemacht.
Spanier.cs 09.12.2015
2.
Unfassbarer Grottenkick! Leverkusens Selbstverständnis ist ein Witz! Die Spieler und Völler stehen danach vor den Kameras und erzählen, dass sie toll gespielt haben! Dabei haben sie den Oberegoisten Bellarabi, der immer selbst draufhält, anstatt den besser stehenden Chicharito anzuspielen. Der wird nicht lange in Leverkusen bleiben, weil er der einzige, der vorne wirklich Qualitäten hat. Roger Schmidt ist mit seinem System meiner Meinung nach vollkommen gescheitert! Das Aufbauspiel ist furchtbar, die Fehlpassquote bezeugt das!
sanojb 09.12.2015
3. Egoistentruppe
Hakan C. hängt sich in der CL ordentlich rein, da er in Leverkusen zwar für mehrere Jahre unterschrieben hat, sich aber eigentlich mindestens schon auf Barca-Niveau sieht.
omop 09.12.2015
4. eine Konstante..
gibt es eigentlich sonst eine Mannschaft, die mit schöner Regelmässigkeit die entscheidenden Spiele verliert?
33dd 09.12.2015
5. Leverkusen!
Vor dem Spiel hab ich mich richtig auf ein entscheidendes Champeonsleague -Spiel gefreut, doch dann kommt.... Leverkusen. Immer wenn die mal irgendwo was gewinnen müssten, hab ich das Gefühl, die Jungs denken: ach, wisst ihr was, sportlicher Erfolg ist für uns eigentlich gar nicht so wichtig, Geld bekommen wir auch so. Danach tritt Rudi ans Mikro und präsentiert Ausreden. Jahrelang immer nur Ausreden. Immer nur: hat nicht sollen sein, kann ich mir auch nicht erklären.... Barca hab ich übrigens noch nie so schwach gesehen, einen zweiten Anzug haben die irgendwie nicht.
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