Leverkusens Florian Wirtz Der Gymnasiast für besondere Momente

Florian Wirtz ist mit 17 Jahren der jüngste Bundesligatorschütze. In Leverkusen macht er seit vier Spielen auf sich aufmerksam. Auch die Teamkollegen sind vom Talent angetan.
Leverkusens Florian Wirtz (rechts) im Zweikampf mit Bayerns Alphonso Davies

Leverkusens Florian Wirtz (rechts) im Zweikampf mit Bayerns Alphonso Davies

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MATTHIAS HANGST/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Es läuft die 89. Minute im Spiel Bayer Leverkusen gegen Bayern München. Die Partie ist zu diesem Zeitpunkt längst entschieden, Bayern führt 4:1. Doch was dann kommt, ist nicht nur sehenswert, sondern auch historisch.

Leverkusen kombiniert sich schnell durch den Strafraum, Paulinho findet auf der rechten Seite Florian Wirtz. Mit einem eleganten Haken legt der sich den Ball vom rechten auf den linken Fuß, lässt dabei Lucas Hernández, Weltmeister und 80-Millionen-Mann, aussteigen. Gefühlvoll schlenzt er den Ball dann unhaltbar für Manuel Neuer ins lange Eck.

Mit 17 Jahren und 34 Tagen löst Wirtz damit Nuri Şahin als jüngsten Torschützen in der Bundesliga-Historie ab.

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Knapp einen Monat nach seinem 17. Geburtstag hat sich der vom 1. FC Köln gekommene Offensivspieler bereits zu einer festen Größe im Team von Trainer Peter Bosz entwickelt - und sogleich Vergleiche mit dem vier Jahre älteren Ausnahmetalent Kai Havertz aufgebracht. "Florian kann alles, hat enormen Spielwitz, starke Technik, unglaubliche Spielintelligenz, ist schnell mit dem Ball, kann dribbeln", sagte Jörg Jakobs, früherer Sportdirektor und Nachwuchsleiter des 1. FC Köln dem "Kicker".

Mit dem Gespür für besondere Momente

Sein Gespür für besondere Momente stellte Wirtz bereits im vergangenen Jahr unter Beweis, als er noch beim FC in der B-Jugend spielte. Als er fünf Sekunden nach Anpfiff aus 55 Metern ins gegnerische Tor traf, wurden Forderungen zur Wahl zum "Tor des Jahres" laut.

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Bereits im Alter von sieben Jahren schloss Wirtz sich den Kölnern an und durchlief dort die Jugendabteilungen. Im vergangenen Sommer gewann Wirtz mit den B-Junioren den Deutschen Meistertitel.

"Es wäre fahrlässig gewesen, Florian nicht zu holen"

Im Winter folgte der Wechsel auf die andere Rheinseite, wo er zunächst in der Jugend startete. Obwohl Bayer und der FC vereinbart haben, sich nicht im Nachwuchsbereich des anderen zu bedienen.

"Es wäre fahrlässig gewesen, Florian nicht zu holen", sagte Sportchef Rudi Völler dazu, der selbst in Pulheim vorsprach und das Abkommen der Vereine mit einem Profivertrag umschiffte. Zumal der Offensivspieler bei vielen Topklubs aus dem In- und Ausland auf dem Wunschzettel gestanden hätte – darunter auch der FC Bayern.

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Jüngste Bundesliga-Torschützen: Dortmunder treffen früh

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Neundorf/Kirchner / imago images/Kirchner-Media

Doch nicht nur das sportliche Paket soll gestimmt haben. Das Leverkusener Stadion sei nur 25 Kilometer von seinem Elternhaus entfernt, sodass Wirtz sein Abitur beenden kann. Zudem spielt seine älteste Schwester Juliane im ersten Team der Bayer-Frauen.

Sein Debüt gab Wirtz beim Liga-Neustart gegen Werder Bremen, bei dem er anstelle des verletzten Lars Bender nominiert und dadurch zum drittjüngsten Spieler der Bundesligageschichte wurde. Wirtz bearbeitete von Beginn die rechte Außenbahn. Gegen den VfL Wolfsburg durfte er immerhin eine Halbzeit lang ran. Später wurde er auch gegen Freiburg und nun gegen die Bayern eingesetzt.

"Seine beste Lektion, seit er Fußball spielt"

Sein Trainer Peter Bosz würdigte den für die B-Jugend spielberechtigten Offensivspieler zwar als "Riesentalent", wollte ihn aber nicht in den Himmel loben. "Dieser Junge hat heute seine beste Lektion bekommen, seit er Fußball spielt", sagte der Niederländer stattdessen: "Bei den ersten drei, vier Ballkontakten hat er den Ball immer verloren. Aber er ist ein guter und intelligenter Spieler. Er nimmt das an und wird daraus lernen, dass man in der Bundesliga wenig Zeit hat."

Auch die eigenen Teamkollegen hat Wirtz bereits überzeugt. "Er ist unfassbar weit. Fußballerisch ist das sensationell", sagte Abwehrchef Sven Bender: "Ich glaube, da haben wir uns ein Riesentalent geangelt."

Mit Material von dpa und sid
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