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Bayer vs. Werder: Rolfes, Kadlec, Pfosten, Tor

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Bayer-Sieg gegen Bremen Der undurchsichtige Herr Dutt

Bayer Leverkusen kommt nicht zur Ruhe. Auch nach dem knappen Sieg gegen Werder Bremen geht der Konkurrenzkampf zwischen Michael Ballack und Simon Rolfes weiter. Trainer Robin Dutt scheint keine Lösung parat zu haben, er verstrickt sich in Widersprüche.

Eigentlich hätte Robin Dutt gute Gründe gehabt, sich nach dem mühsamen 1:0 (0:0) gegen Werder Bremen einmal so richtig zu freuen. Der neue Trainer von Bayer Leverkusen hatte sein erstes Pflichtspiel gewonnen, mit einem ebenso späten wie glücklichen Siegtor verhinderte Michal Kadlec (86. Minute) einen katastrophalen Fehlstart in die Bundesligasaison.

Die Freude im Publikum war groß, doch Dutt wirkte angestrengt und dünnhäutig. Der Mann plagt sich mit einem Problem, das auch schon Jupp Heynckes in der Vorsaison viele Nerven gekostet hatte. Nur moderiert Dutt die kontroversen Interessen in seinem Kader erheblich ungeschickter als sein Vorgänger.

Am Sonntagabend hinterließ der Trainer lauter verwirrte Journalisten, zu widersprüchlich waren seine Aussagen zu den Rollen von Michael Ballack und Simon Rolfes nach dem Sieg gegen die Bremer. "Alles ist möglich", sagte er zur seinen Zukunftsplänen für das defensive Mittelfeld, dabei hatte er vor wenigen Tagen verkündet, dass Ballack und Rolfes in seinem Konzept niemals zusammen spielen werden. Die Bitte, diesen Widerspruch aufzuklären, schlug Dutt aus. Der Stimmung im Umfeld sind solche Auftritte wahrlich nicht zuträglich.

Dabei wäre es dringend nötig gewesen, ein wenig Klarheit in die verworrene Debatte zu bringen. Am Freitag hatte der Trainer nämlich zur Causa Ballack verkündet, es sei doch "eine Ehre, bei einem Champions League-Teilnehmer auf der Bank zu sitzen". Das hatte wie eine Provokation geklungen, denn man muss Ballack weder besonders nahe stehen noch Psychologe sein, um zu wissen, dass jede Minute auf der Reservebank eine Demütigung für den besten deutschen Fußballer des vergangenen Jahrzehnts ist. Eine Ehre ist dieser Platz allenfalls für Dutt selbst.

"Ich habe es perfekt gemacht"

Die Motive des Trainers für seine seltsamen Auslassungen sind undurchsichtig. Er habe mit seiner Formulierung nicht auf Ballack angespielt, sagte Dutt am Sonntag. Augenzeugen widersprechen dieser Darstellung. Und derart in der Defensive holte der Trainer dann auch noch zu einem eigenwilligen Selbstlob aus: "Ich habe es perfekt gemacht", sagte Dutt, "Ballack hat den Erfolg vorbereitet, Rolfes das Siegtor."

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Ballack hatte gegen Bremen nicht geglänzt, er gewann ein paar Zweikämpfe, spielte einige ganz gute Pässe, erlaubte sich aber auch einige Fehler im Spielaufbau. Die Kapitänsbinde, die der 34-Jährige erstmals seit dem Länderspiel gegen Argentinien im März 2010 wieder in einem offiziellen Spiel tragen durfte, hatte ihn nicht zu einer großen Leistung beflügelt. Sieben Minuten vor dem Ende wurde Ballack ausgewechselt. Er machte Platz für Rolfes, der kurz darauf den Ball für Kadlecs Siegtor auflegte.

Irgendwie durfte sich Rolfes daher als Sieger des Duells um den Platz im defensiven Mittelfeld fühlen. Zwar fand Dutt Ballacks Auftritt "sehr ordentlich", den Spiel entscheidenden Moment produzierte aber sein Konkurrent. "Die Mentalität, mit der wir das Spiel geführt haben, war entscheidend", sagte Dutt. Die Szene, in der dieser Siegeswille am deutlichsten sichtbar wurde, war zweifelsfrei die akrobatische Torvorbereitung des etatmäßigen Bayer-Kapitäns.

Entspannter Schaaf, unglücklicher Thy

Jenseits aller strategisch-politischen Erwägungen müsste Rolfes also am kommenden Samstag in Stuttgart wieder zur Startelf gehören. Doch Dutt ist ein undurchsichtiger Geselle, der andere Stärken hat als berechenbar zu sein und Konflikte abzumoderieren. Und deshalb wirkte Thomas Schaaf trotz Niederlage erheblich entspannter als sein Kollege. "Wir müssen uns ärgern, dass wir hier nicht mit einem Punkt nach Hause fahren. Aber vielleicht haben wir nicht so richtig daran geglaubt, dass wir hier mehr mitnehmen können", sagte der Werder-Coach gelassen.

Dabei hätte er gute Gründe gehabt, sich mächtig zu ärgern, denn die Bremer hatten auf irrwitzige Art und Weise ihre Chance auf ein Führungstor verstreichen lassen. In der 36. Minute landete ein Querpass von Sokratis Papastathopoulos aus Abseitsposition auf dem Fuß von Lennart Thy. Doch der 19-Jährige schoss aus zwei Metern völlig unbedrängt über das leere Tor. Es war eine groteske Großchance, eine Aktion für die Kuriositätensammlung der Saison, und ein Moment, der den jungen Stürmer wahrscheinlich noch lange begleiten wird. So wie das Ballack-Problem den Trainer von Bayer Leverkusen.

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