Bayer-Sieg gegen Genk Dutt im Glück 

Nicht geglänzt, aber gewonnen: Bayer Leverkusen feierte in der Champions League einen Pflichtsieg, die Zuschauer waren wenig begeistert. Für Robin Dutt war der Abend ein voller Erfolg. Der neue Coach gestand Probleme im Umgang mit der Mannschaft ein - und will sie nun geklärt wissen. 

DPA

Von , Leverkusen


Auf den Bildschirmen draußen vor dem Presseraum des Leverkusener Fußballstadions war Jürgen Klopp zu sehen, der Meistertrainer erklärte eine Niederlage. Trotzdem wirkte der Coach wie aufgedreht nach einem weiteren Auftritt seiner jungen Mannschaft in der Champions League.

Auch Robin Dutt war das nicht entgangen. Gemessen an Klopps Elan wirkte Leverkusens Trainer ziemlich steif, trotz des 2:0-Sieges seines Teams gegen den KRC Genk. Und doch war Dutt der Gewinner im Fernduell der beiden besten deutschen Teams des Vorjahres, die beide im Moment ein wenig straucheln. "Die Dortmunder haben scheinbar ein Riesenspiel gemacht, und jetzt siehst du hängende Köpfe", sagte der Leverkusener Trainer, "uns ging es heute um das Ergebnis".

Trocken, holprig, unspektakulär war dieser Sieg, und dennoch ist der Wert dieses Abends gewaltig. Tabellarisch wie psychologisch. Zwar wurde Leverkusen angesichts eines ängstlichen Verwalterfußballs in der zweiten Hälfte von den eigenen Fans ausgepfiffen. Aber auch das war nur zweitrangig. Die wichtigste Erkenntnis dieses Abends ist, dass sich Mannschaft und Trainer wieder kooperationsbereit zeigen.

Denn es gab Konflikte, räumte Dutt nach der Partie ein. Es sei "falsch zu sagen, das sind atmosphärische Dinge", sagte der Trainer, vielmehr handle es sich um "Dinge im Tagesgeschäft, Interna". Genauer wollte er nicht werden, nur so viel: "Natürlich muss man hier ein paar Dinge anders machen, als ich es gewohnt bin."

Dutt: "Ich bin kein Sturkopf"

Diese Erkenntnis ist das Ergebnis intensiver Gespräche. "Wenn es möglich ist, dass der Trainer sich bewegt, dann mache ich das, ich bin kein Sturkopf", so Dutt. Der Coach also hat nachgegeben, und die Mannschaft hat das mit einer zwar verunsicherten, aber zumindest in der ersten Halbzeit sehr engagierten Leistung und einem Sieg zurückgezahlt.

Dass sich die Profis um Kapitän Simon Rolfes nicht nur "über kleine Tagesdinge" beklagt hatten, wie Dutt behauptete, war den Ausführungen des Trainers aber auch zu entnehmen: "Was mir an der Mannschaft imponiert ist, dass sie Dinge, wenn sie anders sind, nicht einfach meuternd ablehnt." Lapalien wären wohl kaum Anlass für eine Meuterei - dieses Team reibt sich mit seinem Trainer. "Der Sieg heute ist auch ein Ergebnis dieser Kommunikation", sagte Dutt, der unter dem schweren Erbe seines Vorgängers Jupp Heynckes leidet.

Denn unter dem heutigen Bayern-Trainer herrschte trotz der Ballack-Problematik ein Zustand der Harmonie. Heynckes ging stark auf die persönlichen Belange der Spieler ein, die Tür seines Trainerzimmers war immer offen, auch Leute aus der Peripherie des Teams durften sich zugehörig fühlen. Unter Dutt wurde das Klima rauer, was allerdings nicht ganz ungewollt ist. "Leverkusen hat sich nach Jupp Heynckes bewusst für einen komplett anderen Trainertypen entschieden", hatte der 46-Jährige bereits vor dem Spiel gegen Genk gesagt.

Die Abwehr patzt, Leno hält, Ballack trifft

Denn das Wohlfühlklima unter Heynckes könnte im Vorjahr eine Ursache für die mangelnde Wehrhaftigkeit der Leverkusener im Meisterschaftskampf des Vorjahres gewesen sein. Dass es unter dem neuen Trainer mehr Reibung gibt, ist demnach gewollt. Dass Trainer und Mannschaft sich überwerfen freilich nicht.

Deshalb macht Dutt jetzt offenbar Zugeständnisse, und die Mannschaft hat sich im Gegenzug aus dem Zustand der Rebellion gelöst. In der ersten Hälfte waren sogar Ansätze des schönen Leverkusener Kombinationsfußballs zu sehen. Das Potential dieses Kaders ist nach wie vor beeindruckend, Lars Bender hatte zum verdienten 1:0 getroffen (30.). "Aber man hat auch deutlich gemerkt, dass die Mannschaft etwas verunsichert ist", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Oft fehlte die letzte Genauigkeit, die richtige Entscheidung vor dem Tor. "Der Druck war schon ein bisschen da", sagte der engagierte, aber glücklose Stefan Kießling.

In der zweiten Hälfte wurde die Sache dann zum Zitterspiel, Torhüter Bernd Leno musste einige Fehler der wieder einmal wackeligen Innenverteidigung ausbügeln, erst Michael Ballacks Treffer zum 2:0 in der Nachspielzeit entschied diese Partie, die seinem Publikum nur wenig Freude bereitete. Es schien, als würden die Leverkusener Zuschauer tatsächlich mit mehr Ärger nach Hause fahren, als die feiernden Dortmunder Anhänger auf dem Fernsehschirm. Aber in Leverkusen wollen sie in diesem Jahr lieber Erfolge feiern, als nur auf dem Rasen zu zaubern.

Bayer Leverkusen - KRC Genk 2:0 (1:0)
1:0 Lars Bender (30.)
2:0 Ballack (90.+1)
Leverkusen: Leno - Castro, Reinartz, Toprak, Kadlec (80. Ballack) - Lars Bender, Rolfes - Sam, Renato Augusto (65. Balitsch), Schürrle - Kießling (90.+2 Derdiyok)
Genk: Köteles - Ngcongca, Simaeys, Nadson (69. Hyland), Pudil - Hubert (78. Nwanganga) - Buffel, De Bruyne - Tözser - Ogunjimi, Vossen (46. Barda)
Schiedsrichter: Kelly (Irland)
Zuschauer: 25.138
Gelbe Karten: Kadlec, Toprak - Nadson, Pudil (2)

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