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Bayern-Attacke gegen Magath Hoeneß wütet gegen Schalker Rumpelrasen

Im Pokalhalbfinale auf Schalke glich der Rasen eher einem Kartoffelacker - prompt unterstellt Bayern-Präsident Hoeneß dem Gegner Absicht: Felix Magath habe das Grün bewusst nicht austauschen lassen. Ohne Arjen Robbens Zaubertreffer wäre die Tirade wohl noch deftiger ausgefallen.

Wie ein Raubtier wirkte Uli Hoeneß, als er nach dem 1:0-Sieg von Bayern München bei Schalke 04 im DFB-Pokal-Halbfinale vor die Journalisten trat. Eigentlich hat der ins Präsidentenamt gewechselte Ex-Manager die Aufgabe der aktuellen Nachbetrachtung von Fußballspielen an seinen Nachfolger Christian Nerlinger übergeben. Doch an diesem Abend war Hoeneß der Ansicht, dass Schalke 04 noch ein paar Seitenhiebe von höchster Stelle vertragen könne. Schließlich stehen die entscheidenden Wochen der laufenden Bundesliga-Saison bevor. Auch der Panther schlägt gnadenlos zu, wenn das Opfer eine Blöße offenbart.

Hoeneß klagte über den schlechten Platz, auf dem sich beide Mannschaften bis zu Arjen Robbens Weltklassetor in der Verlängerung (112.) vergeblich um einen Treffer bemüht hatten. Es sei "nicht in Ordnung, dass man in so einer wichtigen Phase der Saison einen solchen Fußballplatz anbietet", sagte der Bayern-Präsident und unterstellte den Schalkern Absicht. "Das kann mal im Dezember oder im Januar passieren, aber hier habe ich das Gefühl, dass Felix Magath - ich kenne ihn ja - das als Mittel zum Zweck benutzt hat, um Defizite seiner Mannschaft auszugleichen."

Zunächst einmal klang das wie eine Verschwörungstheorie, doch dass Hoeneß nach dem zwar völlig verdienten aber doch knappen Sieg auch noch anfügte, er habe "selten ein so einseitiges DFB-Pokalhalbfinale" erlebt, nährte den Verdacht, dass der Präsident nun einen kalkulierten Anschlag aufs Schalker Selbstvertrauen vorhatte. Zumal sich Sportdirektor Nerlinger im Vorfeld des Spiels mit einem Versuch blamiert hatte, den Krawall-Hoeneß zu mimen. Das rückte der echte Hoeneß mit all seiner präsidialen Autorität wieder zurecht.

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DFB-Pokal: Robben erlöst die Bayern

Foto: Martin Meissner/ AP

Ganz abwegig war Hoeneß' Vorwurf nicht, denn spielerisch gehört Schalke 04 nicht zu den besten Teams der Bundesliga. Magath selbst wird nicht müde, das ständig zu betonen.

Magath nennt unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten als Grund

Die Züge des Schalker Multifunktionärs blieben regungslos, als er mit den Vorwürfen des Konkurrenten konfrontiert wurde. "Man sieht unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten eben nicht nur am Kader, sondern bei manchen Vereinen auch an der Spielfläche", sagte der Schalker Trainermanager, der noch zehn Tage zuvor selbst über das Grün in der Arena geklagt hatte. Entweder hat er den Rasen absichtlich liegen lassen, oder dem Revierclub fehlen tatsächlich die 150.000 Euro, die ein neues Feld kostet.

Letzteres wäre ein sicheres Indiz dafür, dass es mal wieder schlimm bestellt ist um die Liquidität des Clubs, der allein mit dem Halbfinalspiel deutlich über zwei Millionen Euro einnahm. Hoeneß forderte gar eine Intervention "von DFB und DFL", der schlechte Platz könne "zu Verletzungen führen", und der zuschauende Bundestrainer Joachim Löw sprach von einer "Zumutung für alle Fans".

In der Tat war es kein gutes Fußballspiel, das der Bundesliga-Spitzenreiter und der Tabellenzweite boten, was allerdings nicht allein am Rasen lag. Beide Teams legten viel Wert auf Sicherheit, wollten unter allen Umständen Fehler vermeiden. "Vielleicht sah das nicht so gut aus, aber wir haben es sehr gut gemacht", sagte Bayern-Kapitän Mark van Bommel, Robben sprach von einem "taktisch geprägten Spiel".

Vor den wichtigen Begegnungen mit Manchester United in der Champions League und den vorentscheidenden Bundesliga-Partien gegen Stuttgart, erneut auf Schalke und in Leverkusen, wollten die Bayern unbedingt ihre zuletzt recht instabile Defensive stärken. Bis auf eine Viertelstunde kurz nach der Halbzeit ist ihnen das gelungen. Und die etwas enttäuschten Zuschauer wurden mit einem späten, dafür aber denkwürdigen Tor entschädigt.

In der 112. Minute wurde Arjen Robben rechts außen in der eigenen Hälfte angespielt, nach einem spektakulären Dribbling über 70 Meter versenkte er den Ball. Viele im Stadion fühlten sich spontan an die Sternstunden der Argentinier Lionel Messi und Diego Maradona erinnert, doch zu solch einem dynamischen Kraftakt nach 112 Minuten wäre zumindest Maradona nicht fähig gewesen. "Vielleicht habe ich in der Verlängerung ein zweites Leben gefunden", sagte Robben später, schon einmal für den FC Chelsea sei ihm ein ähnlich spektakulärer Treffer geglückt. "Das sind immer besonders schöne Tore", erzählte der 26-Jährige.

Wiedersehen in neun Tagen

Der neue Münchner Superheld wirkt immer glücklicher in der Bundesliga, "ich fühle mich wohl, ich will Verantwortung übernehmen", sagte er weit nach Mitternacht mit seinem Kulturtäschchen unter dem Arm. Nun freut er sich aufs Endspiel gegen Werder Bremen, "mit dem FC Chelsea habe ich einmal ein FA-Cup-Finale in Wembley gespielt, ich bin gespannt auf Berlin", verkündete er. Sogar den ganz großen Traum von den drei Titeln dürfen die Bayern vorerst weiter träumen, und Schalkes wahre Sehnsucht ist ohnehin der Gewinn der Meisterschaft.

In neun Tagen sieht man sich in derselben Arena wieder. Ob auf demselben Rasen, ist noch ungewiss.

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