Bayern auf Kurs Langschläfer Pizarro macht mit dem HSV kurzen Prozess

Nach drei Bundesliga-Spieltagen liegt Meisterschaftsfavorit Bayern München in Lauerstellung. Der klare Auswärtssieg beim Hamburger SV lässt den zweifachen Torschützen und den Vorstandsvorsitzenden eine großartige Bayern-Saison prognostizieren.

Von Markus Meyer


Hamburg - "Haben sie sich schon mal darüber Gedanken gemacht, dass der FC Bayern einfach stark ist und dass es sehr schwierig ist, gegen unsere Mannschaft zu gewinnen?" Mit noch breiterer Brust als gewöhnlich baute sich Bayerns Manager Uli Hoeneß vor den Journalisten auf, die zu fragen wagten, warum sich der HSV bei der 0:3 (0:1)-Heimniederlage gegen die Bayern so schwer tat. "Das wird eben oft so sein. Wenn der FC Bayern führt, wird es für jeden Gegner der Welt schwer, uns zu schlagen", sagte Hoeneß, der so selbstzufrieden war, dass er auch für den HSV lobende Worte fand. "Ich muss ehrlich sagen, dass der FC Bayern hier sehr schwere Arbeit verrichten musste. Der HSV war ein sehr starker Gegner. Wir müssen froh sein, dass wir das Spiel gewonnen haben."

In einer mäßigen Partie hatten die Hamburger die Anfangsphase dominiert und mutig nach vorn gespielt. HSV-Coach Kurt Jara hatte mit Erik Meijer, Bernardo Romeo und Marek Heinz mutig drei Spitzen aufgeboten, sein Pendant bei den Bayern, Ottmar Hitzfeld, hingegen mit Giovane Elber und dem etwas zurückgezogenen Claudio Pizarro die etwas defensivere Variante gewählt. Den Unterschied zwischen Mittelmaß (Hamburg) und Meisteranwärter (München) machte diesmal nicht Elber, in der Vorwoche vierfacher Torschütze, sondern Pizarro aus.

Torfreuden: Claudio Pizarro und Giovanne Elber vor dem Abflug
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Torfreuden: Claudio Pizarro und Giovanne Elber vor dem Abflug

"Er ist ein klasse Stürmer in der Luft mit dem Kopf und auf der Erde. Den echten Pizarro werden wir erst jetzt richtig erleben. Der macht Tore und spielt gut Fußball", sprudelte eine Lobeshymne aus dem Mund von Bayerns Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge, als er auf den Peruaner angesprochen wurde. Nach 25 Minuten brachte Pizarro per Kopf sein Team in Führung. Fünf Minuten vor dem Schlusspfiff sorgte er mit dem Fuß für das 0:2, die Vorentscheidung. Der Brasilianer Elber verriet das Erfolgsgeheimnis seines Sturmpartners: "Pizarro schläft immer vor dem Spiel lange. Dann ist er gut drauf."

Langschläfer und Doppeltorschütze Pizarro war nach der Begegnung so gut drauf, dass er für die gerade einmal drei Spieltage alte Saison ein glorreiches Ende vorhersagte: "Wenn ich jetzt weiter spiele, kann ich mehr Tore machen und für die Mannschaft arbeiten, das ist wichtig für mich. Ich arbeite immer für das Spiel und bin fit. Wir werden Meister."

Die Auswärtspartie in Norddeutschland hatte Pizarro da schon längst abgehakt. Anders als Bayerns Manager verschwendete der Peruaner keinen Gedanken mehr daran, dass der Sieg noch in Gefahr geraten war. Hamburgs fliegender Holländer Erik Meijer legte in der 81. Minute per Kopf den Ball zu Romeo, der daraufhin das 1:1 machte. Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich erkannte den Treffer aber nicht an. "Ja, es war ein Foul", sagte Meijer über den Zweikampf mit Robert Kovac vor dem nicht anerkannten Treffer. Lügen darf der Holländer nicht: "Ich kann lügen, aber meine Mutter mag das nicht."

Also fuhr Meijer mit der bitteren Wahrheit fort. "Es hat eine klasse Mannschaft gegen eine durchschnittliche Bundesligamannschaft gespielt. Bayern München ist eiskalt", erklärte der frühere Leverkusener den Unterschied zwischen dem deutschen Rekordmeister und dem Hamburger SV. Das 0:3 durch den kurz zuvor eingewechselten Alexander Zickler (90.), als die gesamte HSV-Abwehr den Dienst verweigerte, war wie eine Bestätigung der Meijerschen Aussage. Der enttäuschte Jara bemängelte die fehlende Cleverness seines Teams. "Wir waren in einigen Situationen zu naiv und gegen Bayern darf man nicht naiv sein."

Von der Ehrfurcht der Verlierer und dem klaren Resultat ließ sich Bayern-Boss Rummenigge offenbar derart blenden, dass er die solide Leistung des Meisterschaftsfavoriten zu einer Gala erhöhte: "Für jeden Gegner wird es nicht einfach werden, uns zu schlagen. Es macht Spaß dieser Mannschaft zuzuschauen. Das ist Fußball fürs Auge."


Hamburger SV - Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Pizarro (25.)
0:2 Pizarro (85.)
0:3 Zickler (90.)
Hamburg: Pieckenhagen - Hertzsch (78. Kitzbichler), Hoogma, Ujfalusi, Hollerbach - Wicky (69. Antar), Baur (69. Ledesma), Heinz, Albertz - Meijer, Romeo
München: Kahn - Hargreaves, Robert Kovac, Linke, Tarnat (73. Thiam) - Salihamidzic, Jeremies, Ballack, Ze Roberto (76. Scholl) - Pizarro (88. Zickler), Elber
Schiedsrichter: Fröhlich (Berlin)
Zuschauer: 55.516 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Meijer (3), Hollerbach (2), Hoogma - Ballack



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