Bayern-Sieg gegen Hertha Die Helden sind müde

Der FC Bayern zeigte am Samstag Schwächen, die man schon lange nicht gesehen hatte. Das lag am starken Gegner Hertha BSC - aber auch daran, dass den Spielern langsam die Puste ausgeht. Auf den Beginn einer Krise sollte die Konkurrenz aber nicht hoffen.

AFP

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Franck Ribéry, Mario Götze, Mario Mandzukic - sie alle liefen in der Schlussphase des Spiels gegen Hertha BSC Berlin mit dem Ball in Richtung Eckfahne oder holten Einwürfe heraus. Dass der FC Bayern im eigenen Stadion auf Zeit spielt, ist schon lange nicht mehr vorgekommen - diesmal wirkte die Mannschaft gegen Ende aber erschöpft.

Der ehemalige Berliner Jérôme Boateng redete nach dem 3:2-Sieg dann auch nicht den Gegner stark, sondern die Bayern schwach: "Man hat gesehen, dass heute alles sehr schwerfällig war. Das ist jetzt schon öfter vorgekommen, deshalb müssen wir daran arbeiten, dass wir von Anfang an Gas geben", so der Abwehrspieler, der schon beim 0:1 durch Ramos nach einer Eckballflanke (4.) einfach nicht mit hochgesprungen war.

Eine Alternative zum Gas geben wäre: Einfach mal Pause machen nach 15 Spielen in elfeinhalb Wochen, sowie zahlreichen Nationalmannschafts-Abstellungen. "Der Wille war da, aber die Beine haben diesmal nicht so gut funktioniert", analysierte Guardiola später. Gegen windschnittige, auf Konter geeichte Hertha-Spieler wäre das beinahe ins Auge gegangen.

Abwehr hatte mit Problemen zu kämpfen

In den vergangenen Wochen war es den Bayern immer wieder gelungen, ein schnelles Umschaltspiel des Gegners zu unterbinden. So war schon fast vergessen, was nur in Vorbereitungsspielen im Sommer sichtbar gewesen war: Wenn die Abwehr mit Tempo angelaufen wird, bekommt sie erhebliche Probleme.

Unmittelbar vor dem 2:3-Anschlusstreffer in der 58. Minute durch Änis Ben-Hatira hatte Bayern-Keeper Manuel Neuer bereits eine Großchance vereitelt, und schon in der 10. Minute hätte Ben-Hatira mit einem Lupfer über Neuer hinweg das 2:0 erzielen können. Der Bayern-Sieg geriet auch gegen Ende noch in Gefahr, als Daniel van Buyten (81.) und David Alaba (90.+1) riskante Zweikämpfe am Rande der Notbremse riskieren mussten - zumindest Alaba hätte sich über einen Freistoß 17 Meter vor dem Tor nicht beschweren können.

Die Bayern hatten diesmal wieder ein bis zum Schluss spannendes Spiel zu bestreiten, weil sie ungewöhnlich viele Fehlpässe spielten, auch durch normalerweise zuverlässiges Stammpersonal wie Philipp Lahm oder Franck Ribéry. Und wegen der unerschrockenen Berliner, die den Bayern zum ersten Mal seit dem Supercup gegen Borussia Dortmund Ende Juli zwei Gegentore verpassten. "Das war der beste Gegner, gegen den wir bisher gespielt haben", lobte Bayerns Trainer Guardiola. "Wir waren mutig", fand auch Herthas Manager Michael Preetz. Natürlich seien die Bayern individuell besser besetzt, "doch die individuelle Klasse hat man heute nur bei Standards gesehen", so Preetz.

Erst die Einwechselspieler fanden die Lücke

Bayern fand keinen Weg durch die Mitte und war zu Flanken gezwungen - da war es fast schon eine glückliche Fügung, dass Toni Kroos und Arjen Robben wegen harmloser Verletzungen früh aus dem Spiel gehen mussten und der dann eingewechselte Mario Mandzukic erst dadurch zwei Kopfballtore (29., 51.) erzielen konnte - auch der eingewechselte Mario Götze traf per Kopf, es war sein erstes Bundesligator für die Bayern (54.). Arjen Robben merkte nach dem Spiel übrigens an, es habe sich in seinem Fall gar nicht um eine Verletzung, sondern um eine vorübergehende "Bewegungsblockade" gehandelt.

So konnte die Hertha den Bayern diesmal viel abverlangen, weil Josep Guardiola von seinen Bayern stets alles verlangt: Selbst bei einem 5:0 wie in der Champions League gegen Viktoria Pilsen müssen Konzentration und Laufbereitschaft bis zum Schluss hochgehalten werden. Doch wegen vieler Verletzungen - aktuell fehlen Dante, Xherdan Shaqiri, Thiago und Claudio Pizarro - zeigt die Mannschaft allmählich Schwächen.

Es dürfte sich aber nur um ein Zwischentief handeln: Der gesamte Kader hat nun zum ersten Mal seit Anfang September eine komplette Woche spielfrei; Götze und Javier Martinez, gegen Berlin erstmals nach seiner Leistenverletzung eingewechselt, dürften für neue Kreativität nach vorne und Stabilität nach hinten sorgen.

Bei der Hertha bleiben sie indes bescheiden. "Wir wollen nächstes Jahr wieder in München spielen, wenn die Arena rot leuchtet", sagt Preetz mit Blick auf die Leuchtstoffröhren der Arena, die bei Spielen des Zweitligisten 1860 München auf Blau geschaltet sind. Wie ein Absteiger hat Berlin diesmal auf jeden Fall nicht gespielt.



insgesamt 26 Beiträge
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klauskruschke 26.10.2013
1. die helden
bestimmt wollten sie wieder gewinnen.der druck ist enorm.ich war im stadion.es ist nicht einfach gewesen ,nur es sind menschen.jedem gesteht man fehler zu.nur einem profi selten bis garnicht. robbery17
lawlord 26.10.2013
2. starke Hertha
Man hat es schon bei dem Sieg letzte Woche gegen Gladbach gesehen - Luhukay macht einen super Job - Laufbereitschaft, spielerisches Vermögen und taktisches Verhalten stimmen bei der Hertha wie die Mischung der Spieler. So kann Berlin in der ersten Liga bestehen.
mats73 27.10.2013
3. solange...
..die müden Spiele letztlich auch relativ ungefährdet gewonnen werden, scheint die Krise noch nicht richtig da zu sein...
LPisbest 27.10.2013
4. Verständlich
Es ist doch klar das die Spieler irgendwann mal erschöpft sind, sind ja auch nur Menschen. Man hätte sie meiner Meinung nach schon nicht zur Nationalmannschaft fahren lassen sollen.
oli345 27.10.2013
5.
Im Artikel wird Badstuber in der Verletztenliste vergessen.
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