Bayern gegen Barcelona Guardiolas erster Härtetest

Seit er da ist, hat der FC Bayern jedes Spiel gewonnen. Nun wartet der erste Hochkaräter auf Trainer Pep Guardiola: Der FC Barcelona gastiert in München. Über Bayerns neue Taktik könnte der Test viel verraten. Plant Guardiola eine spielerische Wachablösung im europäischen Fußball?

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Achtmal saß Pep Guardiola als Trainer des FC Bayern bislang auf der Bank. Achtmal sah er seine Mannschaft siegen. 62 Tore beobachtete er, 59 davon erzielte seine Elf auf zum Teil berauschende Weise. Nun erwartet ihn der mit Abstand schwerste Brocken der Saisonvorbereitung: Beim Uli-Hoeneß-Cup treffen die Münchner daheim auf den FC Barcelona (18.30 Uhr, TV: ZDF, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Die Partie gegen Barça, Guardiolas Ex-Club, wird auch aus taktischer Sicht der erste richtige Härtetest für den Coach - und womöglich wegweisend: Wird Guardiola versuchen, gegen die spielstärkste Mannschaft der vergangenen Jahre in Sachen Ballbesitz zu dominieren? Es wäre das erste Mal seit mehr als fünf Jahren und über 300 Pflichtspielen, dass dies einer Mannschaft gegen die Katalanen gelänge.

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Neuer Bayern-Trainer Guardiola: Taktik mit Pep
Es ist keine drei Monate her, da brillierten die Bayern zweimal gegen Barça. Bereits damals, im Halbfinale der Champions League, galten beide Mannschaften als die spielstärksten im Wettbewerb. Auf eine Schlacht um den Ballbesitz ließ sich Bayerns Ex-Trainer Jupp Heynckes aber nicht ein: Bayern überließ ihn dem Gegner - wenn auch nur in ungefährlichen Zonen, also möglichst weit von Torwart Manuel Neuer entfernt. Griff Barcelona an, schnappten Javi Martínez und Co. zu wie bissige Wachhunde, um nach Balleroberungen zu kontern. 7:0 setzten sich die Münchner nach Addition der beiden Resultate durch - und blieben jeweils deutlich unter 50 Prozent Ballbesitz.

Warum also sollte Guardiola daran denken, etwas an Bayerns Spielweise gegen Barça zu ändern?

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Guardiolas Karriere: Das Leben des Pep
Vielleicht, weil er schneller als anzunehmen war seine eigene Philosophie vom Fußballspielen durchsetzen will. Und das bedeutet: den Ball besitzen, das Spiel machen, angreifen. Guardiola gilt zwar als Meister darin, Gegner bis ins kleinste Detail zu analysieren; von Pragmatismus kann das, was er seiner Mannschaft vorgibt, aber weit entfernt sein.

Bis zu acht Spieler stürmen gleichzeitig

Indizien dafür, dass Bayern versuchen könnte, Barcelonas Ballbesitz-Serie zu brechen, geben die jüngsten Testspiele beim Telekom-Cup gegen Hamburg (4:0) und Mönchengladbach (5:1). Der Deutsche Meister schien dort weiterzumachen, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hatte: In beiden Partien war er unheimlich überlegen. Ganz so wie bei manchem Sieg in der Triple-Saison. Oder?

Wer genauer hingesehen hat, dem sind sie aufgefallen: die vielen kleinen Unterschiede zwischen dem FC Bayern Guardiolas und dem Heynckes'. Noch dominanter spielen die Münchner, noch erdrückender wirken sie auf ihre Gegner. Das hat taktische Gründe.

Gegen den HSV schalteten sich phasenweise acht Spieler in Angriffe ein, nur die beiden Innenverteidiger sicherten permanent am Mittelkreis ab. Vergangene Saison waren meist drei Spieler als letzte Abwehrinstanz zurückgeblieben. Die Spielweise ist riskant. Verlieren die Bayern den Ball, muss das Gegenpressing greifen - sonst droht ein Konter. Sie ist aber auch ein Grund für die nochmals erhöhte Dominanz. Durch Überzahl im Mittelfeld und ständiges Freilaufen ohne starres Halten der Positionen erzeugen die Münchner Dreieck um Dreieck. Und damit stets mindestens zwei Anspieloptionen für den Ballführenden. Der Gegner kommt kaum hinterher.

Dass gegen Hamburg das zentrale Mittelfeld aus pass- und dribbelstarken Akteuren (Thiago Alcántara, Franck Ribéry und Toni Kroos) bestand, ein Abräumer dagegen fehlte, verstärkt den Effekt der spielerischen Überlegenheit. Auffällig ist auch, wie selten die Münchner mit langen Bällen aus der Abwehr operierten. Drucksituationen lösten sie spielerisch auf.

Hier werden Parallelen zum FC Barcelona deutlich, den Guardiola einst als Spieler, später als Trainer der Jugend- und Profimannschaft geprägt hat. Mit ihm als Chefcoach schwang sich der Club zum Nonplusultra des Fußballs auf, prägte eine Ära. Er verband Erfolge mit aktivem, ästhetischem Stil. Es sähe Pep Guardiola ähnlich, wenn er plante, Barça abzulösen als dominanteste, ballsicherste Mannschaft der Welt. Womöglich fängt er schon am Mittwoch damit an.



insgesamt 7 Beiträge
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broderlein 24.07.2013
1. Spielweise Barca
Die von Barcelona war und ist alles andere als attraktiv. Sehr erfolgreich und technisch brillant das Kurzpassspiel. Aber erstens steht zu bezweifeln, ob alle bei Bayern im Kurzpassspiel auf gleichem technischen Niveau spielen können. Und zweitens wird das Münchener Publikum vom reinen Kurzpassspiel wenig begeistert sein. Ich erwarte nicht, dass Guardiola bei Bayern taktisch und von der Spielanlage eine eins zu eins Kopie von Barca versuchen wird. Er wird sich auch an den vorhandenen Spielern orientieren. Die Spiele Bayern gegen Real Madrid waren jedenfalls allesamt dynamischer und interessanter. Offener Schlagabtausch.
elscucons 24.07.2013
2. Härtetest?
Nun als Härtetest würde ich es im Moment nicht bezeichnen, Barça hat noch noch kein Spiel absolviert, steht vor dem Trainerwechsel, ist ohne die halbe Mannschaft und Stars angereist. Sollte es dennoch ein Härtetest werden dann erwartet den Bayern nicht viel Gutes.....
marcel18585 24.07.2013
3. Zu viel Tam Tam
Pep Guardiola wird an den erfolgen von Jupp Heinkes gemessen. Wenn FCB zum wiederholten Male alles gewinnen sollte, wird es lediglich heißen: "Erwartungen erfüllt..." Die Saison hat nicht mal begonnen, also abwarten. Bin eh BVB Fan , lach
raber 24.07.2013
4. Härtetest gegen Barças unvollständige Mannschaft?
Der Titel ist schon ein wenig übertrieben. Beim Barça fehlen mehrer wichtige Spieler und sie sind inmitten vom Trainer-Drama. Interessant kann es aber schon von unterschiedlichen Perspektiven aus sein.
roppel 24.07.2013
5. Der erste Härtetest...
ist aus Bayern Sucht eher das Supercup-Spiel gegen Dortmund. Betonung auf Test, nicht auf Härte. Denn dann zeigt sich die Pressing-Resistenz des neuen Bayern-Systems erstmalig.
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