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10. April 2007, 17:05 Uhr

Bayern gegen Milan

Freie Sicht im Grenzgebiet

Das Viertelfinal-Rückspiel zwischen dem FC Bayern und dem AC Mailand wird in fünfzig Ländern live übertragen - doch in Deutschland gibt es das Spiel nur im Pay-TV zu sehen. Im benachbarten Ausland freut man sich auf deutsche Gäste. Der Bayern-Trainer attackiert Milan schon vor dem Spiel.

Hamburg - Fernsehsender in Österreich, Tschechien und der Schweiz dürfen sich morgen Abend auf ungewohnt hohe Einschaltquoten freuen - dank der Zuschauer aus Deutschland. In Tschechien zeigt der öffentlich-rechtliche Sender "Ceska Televize 2" (CT2), der in vielen Orten in Sachsen und Bayern gut zu empfangen. ist, das Champions-League-Match zwischen Bayern und Mailand live. Die TV-Verantwortlichen in Prag rechnen zudem damit, dass viele Fußballanhänger extra für das Spiel zu Gaststätten in das böhmische Grenzgebiet fahren werden. "Ich freue mich auf die Zuschauer aus dem Nachbarland", sagte CT2- Moderator Jaromir Bosak.

Bayern-Trainer Hitzfeld: "Schauspieler Inzaghi"
Getty Images

Bayern-Trainer Hitzfeld: "Schauspieler Inzaghi"

Viele deutsche Fußballfans sind dagegen sauer, denn noch nie wurden die Übertragungsrechte der Europacupspiele so restriktiv vergeben wie in dieser Saison. In der vergangenen Spielzeit ließ Rechteinhaber Premiere die Achtelfinalpartien zwischen dem AC Mailand und dem FC Bayern parallel im frei zugänglichen Fernsehen übertragen. Doch damit ist nun Schluss. Die Anhänger, die keine Pay-TV-Kunden sind, trifft es umso härter, weil die Bayern erstmals seit dem Champions-League-Sieg 2001 wieder auf dem Sprung ins Halbfinale stehen - und das Rückspiel gegen Milan (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nach dem 2:2 im Hinspiel einige Dramatik verspricht.

Die Anspannung vor dem Spiel hat sogar Ottmar Hitzfeld erfasst. "Wir werden sehen, ob Ricardo Oliveira spielt oder der Schauspieler Inzaghi", gab der sonst stockseriöse Bayern-Trainer heute ungewohnt bissig zu Protokoll. Filippo Inzaghi ist ein rotes Tuch für den FC Bayern - spätestens, seit er im vergangenen Jahr beim Achtelfinalduell der beiden Teams zwei Treffer zum 4:1-Sieg von Milan beisteuerte und nach Meinung der Bayern-Verantwortlichen ansonsten als übler Provokateur und Schwalbenkönig auffiel. Damals saß Hitzfeld gar nicht auf der Bayern-Bank, doch seine emotionale Reaktion zeigt, wie viel Respekt die Bayern vor dem 33-jährigen Stürmer haben, obwohl der seit Januar keinen Einsatz über 90 Minuten mehr bestritten hat.

Dabei ist nicht einmal sicher, ob Inzaghi auflaufen darf. Ohnehin käme er nur als Ersatz für den gelbgesperrten Alberto Gilardino zum Zuge, doch nach Formschwächen und Oberschenkelproblemen konkurriert der 52-fache italienische Nationalspieler mit dem Brasilianer Oliveira um den einzigen Sturmplatz, der im System von Milan-Coach Carlo Ancelotti normalerweise vorgesehen ist.

Obwohl Mailand wohl einen Sieg in München anstreben muss, um weiterzukommen, dürfte Ancelotti nicht von seiner gewohnten Taktik abgehen, in der Andrea Pirlo und vor allem Kaka in die Spitze nachrücken. Beim FC Bayern dagegen werden momentan verschiedene Mittelfeldvarianten durchgespielt, die alle davon abhängen, ob Bastian Schweinsteiger auflaufen kann, der beim 2:1-Sieg in Hannover am vergangenen Samstag eine Knieprellung erlitt.

Spielt der 22-Jährige nicht, könnten Owen Hargreaves oder Roque Santa Cruz seine Position einnehmen, wovon wiederum abhängt, ob Andreas Ottl zentral defensiv spielt und Christian Lell oder Andreas Görlitz auf der rechten Seite in die Startelf rücken. Schweinsteigers Einsatz entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff. Der verletzte Martin Demichelis fällt in jedem Fall aus.

Egal, wer morgen für die Bayern auf dem Platz steht, auf eines hat sich Trainer Hitzfeld schon festgelegt: " Milan hat die besseren Einzelspieler." Allerdings auch die älteren, weshalb die Münchner hoffen, dank der bereits im Hinspiel erkennbar besseren Kondition und einer geschlossenen Mannschaftsleistung ins Halbfinale einzuziehen, in dem Manchester United oder der AS Rom (heute, 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE / Hinspiel 1:2) warten.

Die Bayern-Spieler geben sich vor der Partie martialisch. Oliver Kahn verspricht eine "Schlacht", Hasan Salihamidzic tönt: "Es gibt Feuer für Milan." Ein 0:0 oder 1:1 wolle man nicht halten, sagte Stürmer Roy Makaay: "Auf Remis zu spielen, ist zu gefährlich. Milan kann jederzeit aus dem Nichts ein Tor machen." Sein Sturmpartner Lukas Podolski empfiehlt gegen allzu viel abwartendes Geplänkel die erfolgreiche Überfalltaktik des Real-Spiels, als Makaay beim 2:1-Erfolg nach 10,03 Sekunden das schnellste Tor der Champions- League-Geschichte erzielt hatte: "Das 1:0 machen - und dann kontern."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Bayern München: Kahn - Salihamidzic, Lucio, van Buyten, Lahm - Hargreaves, Ottl, van Bommel, Schweinsteiger (Lell) - Makaay, Podolski
AC Mailand: Dida - Oddo, Nesta, Maldini, Jankulovski - Gattuso, Ambrosini, Pirlo - Kaka, Seedorf - Inzaghi (Oliveira)

all/sid/dpa/reuters

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