Bayern gegen Paderborn "Wir müssen höllisch aufpassen"

Paderborn will in München die nächste Überraschung schaffen. Und die Bayern beteuern, den Aufsteiger nicht zu unterschätzen. Sechs weitere Bundesliga-Teams müssen am Dienstagabend ran.

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Von und Ronny Zimmermann


SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - André Breitenreiter weiß, wie man den FC Bayern ärgert. Es war im September 1994, als der einstige Spieler des Hamburger SV sein Bundesligadebüt feierte. Breitenreiter, damals 20 Jahre alt, bekam den Ball in den Lauf gespielt. Er tunnelte Bayern-Verteidiger Lothar Matthäus, lief auf Oliver Kahn zu und schob den Ball lässig in die lange Ecke. Hamburg führte 1:0 und nahm am Ende einen Punkt aus München (1:1) mit.

Zwanzig Jahre später tritt Breitenreiter erneut in München an. Diesmal als Trainer des SC Paderborn und als Tabellenführer. Obwohl er nicht müde wird, zu betonen, dass sein Team der größte Außenseiter in der Bundesliga-Geschichte sei, rechnet er sich dennoch Chancen aus: "Wir fahren nicht nach München, um Fotos mit den Weltmeistern zu machen."

Wenn Paderborn an diesem Dienstag um 20 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE), beim FC Bayern aufläuft, ist es das Duell des zweimaligen Champions-League-Siegers (2001, 2013) gegen den Provinzklub aus Ostwestfalen. Allein Bayern-Profi Thomas Müller hat mit 50 Millionen Euro einen doppelt so hohen Marktwert wie der gesamte Kader des SCP (22,35 Millionen Euro). Auf dem Papier eine klare Sache.

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Bayern gegen Paderborn: Grüße von der Tabellenspitze
Doch nach vier Spielen in der Bundesliga ist Paderborn noch ungeschlagen. Der Aufsteiger gewann zuletzt 2:0 gegen Hannover und hat seit 270 Minuten keinen Gegentreffer kassiert. Dazu sind die Spieler mit sieben Schüssen pro Tor auch noch äußerst effektiv. Paderborn ist derzeit so gut, weil die einfachen Dinge funktionieren.

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"Jeder ist mit 100 Prozent bei der Sache, wir kämpfen füreinander, sind ständig unterwegs", sagt Moritz Stoppelkamp. Er schoss im vergangenen Spiel ein Tor aus 82 Metern - Bundesliga-Rekord.

Zwar zittern sie beim Meister nicht, aber sie sind gewarnt. Die Profis des FC Bayern geben sich Mühe, die Paderborner nicht zu unterschätzen. "Man muss Respekt haben. Sie geben alles und haben die Aufstiegseuphorie gut mitgenommen", sagt Thomas Müller. Auch Jérôme Boateng, momentan einer der konstantesten Bayern-Akteure, hat erkannt, dass der Neuling "Spaß daran hat, in der Bundesliga zu spielen. Wir müssen am Dienstag höllisch aufpassen".

Trainer Josep Guardiola wird seine Mannschaft nach dem schwachen 0:0 in Hamburg umbauen. Gegen den Außenseiter will er einen Patzer vermeiden. Xabi Alonso, Robert Lewandowski und Mario Götze dürften wieder in die Stammelf rücken. "Wenn sie gewinnen, ist es eine große Überraschung, wenn sie verlieren, ist alles okay", sagt Guardiola über Paderborn.

DIE WEITEREN BUNDESLIGASPIELE AM DIENSTAG

1899 Hoffenheim gegen SC Freiburg

Es ist ein besonderes Spiel für Hoffenheims Oliver Baumann: Der Torwart war vor der Saison von Freiburg zur TSG gewechselt. Zuvor spielte er 14 Jahre für die Breisgauer. Jetzt trifft er auf seinen Ex-Verein. Hoffenheim-Trainer Markus Gisdol ist sich sicher, dass diese besondere Konstellation keinen Einfluss auf die bislang hervorragende Leistung seines Torhüters haben wird: "Er ist sehr nah bei sich, sehr konzentriert und macht momentan einen total ausgeglichenen, stabilen, guten Eindruck." Während Hoffenheim derzeit auf Platz drei der Tabelle steht, geht es für Baumanns Ex-Klub um den ersten Sieg in der Saison.

Werder Bremen gegen Schalke 04

Am fünften Spieltag bereits von Kellerduell zu sprechen, wäre etwas verfrüht, dennoch fällt dieses Spiel aus dem Rahmen des Dienstagabends. Sind in den drei anderen Partien die aktuellen Top-Vier der Tabelle vertreten, tritt bei Werder Bremen gegen Schalke der Tabellen-13. gegen den 16. an. Sowohl die Bremer als auch Schalke warten noch auf den ersten Saisonsieg. Nachdem sich Schalke gegen Chelsea in der Champions League mit einem Unentschieden überraschend gut geschlagen hat, soll es nun auch in der Bundesliga aufwärts gehen. Ohne die gesperrten Mittelfeldspieler Julian Draxler und Kevin-Prince Boateng könnte das schwierig werden. Zudem haben die Bremer die Saison mit acht Toren offensiv stark begonnen. Häufiger traf nur Bayer Leverkusen.

Eintracht Frankfurt gegen 1. FSV Mainz 05

Rhein-Main-Derby in Frankfurt: Die Eintracht empfängt den Nachbarn aus Mainz. Für die Frankfurter wird es vor allem darum gehen, Torjäger Shinji Okazaki zu stoppen. Der Mainzer Stürmer erzielte in den ersten vier Spielen vier Treffer und ist damit an 71 Prozent der Tore seiner Mannschaft beteiligt. "Er ist unglaublich gut, aber auch er kann noch besser werden", lobt ihn sein Trainer Kasper Hjulmand. Zudem muss Frankfurt ausgerechnet jetzt, wo es gegen den besten Torjäger der Liga geht, in der Abwehr umbauen. Die Defensivspieler Constant Djakpa und Slobodan Medojevic fallen aus.

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senfaddierer 23.09.2014
1. Was für ein Getöse?!
Was soll der Hype? Es sind noch 30 Spieltage. Wir erinnern uns an den Herbstmeister Hoffenheim, den Europacup-Teilnehmer Freiburg, den Pokalsiger Nürnberg, den Langzeit-Tabellenführer Mainz - alle im Mittelmaß verschwunden. Dennoch: Erfreulich, dass Paderborn nicht als graue Maus auftritt, sondern als ernstzunehmender Gegner - weiter so, kann der Bundesliga nur guttun. Trotzdem gewinnt Bayern heute, und zwar deutlich!
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