Bayern-Gegner Guangzhou Der Beste sitzt auf der Bank

Im Halbfinale der Club-WM trifft Bayern München auf Guangzhou Evergrande - das ehrgeizigste Projekt im chinesischen Fußball. Mit den Millionen eines Geschäftsmannes soll der Champions-League-Sieger Asiens auf Weltniveau gehievt werden. Das gelang bislang nur beim Trainer.

Trainer Lippi: "Kannte den Gegner bis vor ein paar Tagen nicht"
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Trainer Lippi: "Kannte den Gegner bis vor ein paar Tagen nicht"


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Marcello Lippi ist eine dieser Figuren im Weltfußball, die man gerne als "ganz groß" beschreibt. Lippi war Libero bei Sampdoria Genua, als Coach hat er (fast) alle namhaften italienischen Clubs trainiert: SSC Neapel, Juventus Turin, Inter Mailand. Und natürlich die italienische Nationalmannschaft.

Das Spiel gegen den FC Bayern München bei der Club-WM in Agadir (Marokko) (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: ARD) wird für Lippi denn auch vor allem die Erinnerung an die eigene, große alte Zeit. Mit Guangzhou Evergrande trainiert der 65-Jährige mit dem Faible für Zigarren inzwischen alles andere als einen bekannten Namen.

Aber der Italiener wird für den Trainerjob beim chinesischen Erstligisten ganz gut bezahlt. Zehn Millionen Euro pro Saison sollen es sein, die der Bauunternehmer Xu Jiayin, Chef der Firmengruppe Evergrande Real Estate, lockermacht, um den Club aus der südchinesischen Millionen-Metropole auf ein höheres Niveau zu hieven.

Erste Erfolge gibt es bereits. Unter Lippi holte Guangzhou im November als zweiter chinesischer Club den Titel in Asiens Champions League, gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Club-WM. Dort, weiß Lippi, ist seine Elf gegen Triple-Sieger Bayern München krasser Außenseiter. "Wenn wir 100-mal gegen sie spielen, werden wir 99-mal verlieren", sagte er nach dem 2:0 im Viertelfinale gegen Al Ahly Kairo.

Geld allein macht nicht glücklich

Den Sieg hatten der Brasilianer Elkeson und Darío Conca aus Argentinien gesichert, trotz etlicher Fehler in der Defensive, die dem Catenaccio-Fan Lippi Sorgenfalten auf die Stirn trieben. Fünfmal gewann er den italienischen Meistertitel, einmal die Champions League, 2006 wurde er bei der WM in Deutschland Weltmeister.

In der chinesischen Super League aber ist das Niveau so überschaubar, dass es trotz des vielen Geldes von Gönner Xu schwierig ist, Stars nach China zu locken und dort auch zu halten. Conca kehrt nach dem Turnier zu Fluminense nach Brasilien zurück. Auch der ehemalige Dortmunder Lucas Barrios, für elf Millionen Euro verpflichtet, flüchtete inzwischen zum russischen Erstligisten Spartak Moskau - nach nur rund einem Jahr und trotz der Annehmlichkeiten wie sündhaft teuren Wohnungen und Flügen in Privatjets.

Bayerns Trainer Josep Guardiola warnt trotzdem. Zwar sei der FC Bayern Favorit, aber Mannschaften mit italienischen Trainern seien immer eine Gefahr. Der Respekt vor Lippi ist offenbar größer als der vor dem chinesischen Team. "Der Trainer ist bisher der Einzige, den ich kenne", gestand Toni Kroos. "Aber auch diese Mannschaft ist nicht umsonst hier, das spricht auf jeden Fall schon mal für Qualität."

Mental sei es schwieriger, sich auf diese Partie einzustellen als auf das Finale, sagte Guardiola. "Ich kannte den Gegner bis vor ein paar Tagen nicht, jetzt kenne ich sie, und sie haben eine große Qualität." So ähnlich klang Guardiola auch vor dem Auswärtsspiel in Bremen (7:0). Und wie stark Europas Spitzenteams sind, erfuhr Evergrande bei einem Test im August 2011 äußerst schmerzhaft. Gegen Real Madrid setzte es eine 1:7-Pleite.

chp/dpa/sid



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