Bayern-Hauptversammlung Liebeserklärung an Hoeneß, Pfiffe für Klinsmann

Im Vorjahr beschimpft, diesmal gefeiert: Manager Uli Hoeneß hielt sich nach seinem Ausraster im vergangenen Jahr auf der Hauptversammlung des FC Bayern München zurück - und war der umjubelte Mann. Dafür bekam Jürgen Klinsmann den Zorn einiger Anhänger zu spüren.


Hamburg - Mit Pfiffen und Buhrufen haben einige Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung ihren Unmut gegenüber Trainer Jürgen Klinsmann bekundet, stießen dabei aber im Vorstand auf taube Ohren. "Das ist nur eine kleine Gruppe, von denen bin ich nichts anderes gewohnt", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der bei den Anhängern selbst derzeit außerhalb jeder Kritik steht. In einem Jahr will Hoeneß das Präsidentenamt beim Deutschen Rekordmeister übernehmen. Die Clubmitglieder indes würden ihn wohl lieber weiter als Manager sehen. "Ich nehme das alles in mich auf, dann sehen wir mal", sagte Hoeneß über den großen Zuspruch der Anhänger, die ihn mit "Uli"-Sprechchören feierten. Ein Jahr, nachdem Hoeneß so manchen Fan mit seiner mittlerweile legendären Wutrede ("Wer glaubt ihr, dass ihr seid?") vergrätzt hatte, gipfelte die Sympathie für den Bayern-Macher in der Liebeserklärung eines Clubmitglieds: "Uli Hoeneß, ich liebe Sie!"

"Diese Zuneigung hat mich sehr gefreut", sagte Hoeneß anschließend sichtlich gerührt. Die Sorge der Fans, dass er Ende 2009 nach seinem Abschied als Manager zu einem Frühstücksdirektor verkommen könnte, wies er zurück. "Ich werde dem Verein nicht verlorengehen. Meine Handschrift wird weiter zu sehen sein", sagte er. Zuvor hatte Hoeneß eine "langweilige" Versammlung angekündigt; und er hielt seinen Vorsatz ein, den "Bayern-Parteitag" nicht wieder wie im Vorjahr per Wutausbruch zu sprengen. "Wir waren klug genug, auf die eine oder andere Provokation nicht zu antworten, sonst wäre es wieder los gegangen. Da war schon wieder die eine oder andere Frage dabei, die mir auf der Zunge gebrannt hat, da musste ich mich sehr zusammenreißen."

Schmeicheleien statt verbaler Hiebe war das Motto - auch beim Thema Klinsmann. Clubchef Rummenigge nahm den Trainer gegen die Schmähungen aus den hinteren Reihen im Festsaal auf dem Nockherberg ("Du kannst nach Hause gehen!") demonstrativ in Schutz. "Wir sind überzeugt, dass Jürgen der richtige Trainer für den FC Bayern ist. Dass es Geduld braucht, war allen klar", sagte er.

Die jüngste Erfolgsserie gebe dem Coach recht. "Man sieht immer mehr, dass seine Philosophie greift. Wir blicken optimistisch in die Zukunft", sagte Rummenigge. Auch Präsident Franz Beckenbauer sprang Klinsmann im Laufe seiner Rede bei. "Was ist denn passiert? Man ist Dritter - das kann man korrigieren. Wir sind durchaus dran. Bei aller Kritik muss man auch Verständnis haben für die Situation", sagte Beckenbauer.

Während die Bayern im sportlichen Bereich noch Luft nach oben haben, setzen sie wirtschaftlich weiter Maßstäbe. Stolz präsentierte Rummenigge "Fabelzahlen" und einen Rekordumsatz von 286,8 Millionen Euro. Dennoch gab Rummenigge zu: "Wir haben 16 Jahre in Folge profitabel gewirtschaftet. Es war ein großer Kampf, den wir im letzten Jahr zu bestehen hatten."

Dass der Gewinn nach Steuern im Vergleich zum Vorjahr um 16,8 Millionen Euro auf nur noch 2,1 Millionen Euro fiel, störte keines der 1695 anwesenden Mitglieder. Für die stand ohnehin das Geschehen auf dem Rasen im Fokus. Und Rummenigge bediente das Interesse mit den üblichen Kampfansagen. "Es ist an der Zeit, dass wir den Druck auf die Mannschaften, die vor uns stehen, erhöhen", sagte er.

Von Klinsmann und Mannschaftskapitän Mark van Bommel forderte er die Herbstmeisterschaft und am Ende den Titel. Auch international wollen die Münchner angreifen. Wie beim bis dato letzten Coup in der Champions League 2001 sei man "nicht der große Favorit", sagte Rummenigge, bezeichnete die Aussichten aber als "exzellent". Mit einem "Appell an Mark und Jürgen", in dem er den Trophäen-Hunger und die Liebe der Fans zu Uli Hoeneß geschickt vermengte, beendete er seine Rede: "Kämpft, beißt und gewinnt, damit wir Uli einen würdigen Abschied geben können! Schenkt ihm viele Titel!"

mti/sid/dpa



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