Bayern - Lautern München fehlt noch ein Punkt

Der FC Bayern München zeigt vier Tage nach dem Champions-League-Sieg über Madrid auch beim Erfolg gegen Kaiserslautern, dass die Mannschaft in den entscheidenden Momenten fitter ist als die Konkurrenz.


Nach dem Siegtreffer gab es kein Halten mehr
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Nach dem Siegtreffer gab es kein Halten mehr

München - Präsident Franz Beckenbauer sprang begeistert von seinem Sitz auf. Manager Uli Hoeneß herzte Trainer Ottmar Hitzfeld. Der verletzte Spielmacher Mehmet Scholl umarmte den Schiedsrichter-Assistenten. Aus den Lautsprechern erklang der Triumphmarsch aus Aida. Bayern Münchens 2:1 (0:1)-Erfolg über den 1. FC Kaiserslautern verwandelte das Olympiastadion in ein Tollhaus.

Erst hatte Alexander Zickler die Bayern in der Nachspielzeit zum Sieg geschossen. Dann kam die Nachricht von Schalkes 0:1-Pleite in Stuttgart. Die Münchner sind nun wieder auf dem besten Weg zur 17. Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Am letzten Spieltag beim Hamburger SV fehlt noch ein Punkt zum dritten Titelhattrick nach 1972 bis 1974 und 1985 bis 1987.

"Diese Mannschaft hat unglaublichen Willen"

"Unsere Chancen sind jetzt 90:10", strahlte Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge und geriet über die Leistung des Teams nach dem Kraftakt am Mittwoch gegen Real ins Schwärmen: "Diese Mannschaft hat unglaublichen Willen. Was sie in der zweiten Halbzeit geleistet hat, war sensationell. Sie will unbedingt als Meister nach Mailand. Da fehlen einem fast die Worte."

Auch Manager Hoeneß bemühte Superlative. "So eine erfolgreiche Woche habe ich selten erlebt. Der liebe Gott hat uns belohnt. Das ist eine Mannschaft mit Supercharakter, da geht jeder über die Grenze hinaus. Ich habe schon in den letzten Wochen gemerkt, dass alle an die Titel glauben. Jetzt müssen wir es packen." Mit diesem Finale hätten die Zuschauer alles wiederbekommen, "was wir ihnen in dieser Saison angetan haben", meinte Hoeneß.

"Wir müssen erst einmal in Hamburg bestehen"

Bei all dem Jubel fiel es Coach Hitzfeld Trainer schwer, die Euphorie in der Chefetage zu bremsen. "Zu Gratulationen gibt es überhaupt noch keinen Grund. Wir müssen erst einmal in Hamburg bestehen und dürfen jetzt die Konzentration nicht verlieren", warnte Hitzfeld.

Allerdings räumte auch der Erfolgstrainer ein, dass die Münchner im Umgang mit schwierigen Situationen weitaus erfahrener seien als voriges Jahr Bayer Leverkusen, das am letzten Spieltag in Unterhaching noch die Meisterschaft verspielt hatte: "Wir sind immer unter Druck. Das kann man mit Leverkusen nicht vergleichen. Leverkusen ist nicht Bayern München."

"Es war ein großer Schritt"

Dennoch waren auch die Spieler weit davon entfernt, den erneuten Titelgewinn als geschafft zu betrachten. Auch wenn sie Minuten nach Spielschluss noch einmal aus der Kabine kamen, um mit den Fans die La-ola-Welle zu inszenieren. "Es ist noch nichts passiert. Es war ein großer Schritt, aber wir müssen noch einmal 100 Prozent geben", meinte etwa der umjubelte Torschütze Zickler nüchtern.

Zwei Minuten vor Schluss war der Nationalspieler ins Spiel gekommen und hatte 70 Sekunden nach seiner Einwechslung mit einem Volleyschuss von der Strafraumgrenze für die Entscheidung gesorgt. "Es ist schwer, in der 88. Minute reinzukommen. Man darf aber die Hoffnung nie aufgeben. Ich habe mich voll konzentriert und alles reingelegt", sagte Zickler, "letztes Jahr hatten wir einen verrückten letzten Spieltag, dieses Mal einen verrückten vorletzten."

Carsten Jancker hätte zum Loser werden können

Besonders erleichtert über den Sieg in letzter Minute war Sturmkollege Carsten Jancker. Der bullige Angreifer hatte in der 55. Minute die frühe Führung durch Vratislav Lokvenc (5.) zwar ausgeglichen. Doch in der Folgezeit war Jancker mit einer Fülle von Möglichkeiten entweder am starken FCK-Schlussmann Georg Koch oder an den eigenen Nerven gescheitert.

"Da habe ich mir schon gedacht: Oh Gott, jetzt hast du mit den vielen vergebenen Torchancen die deutsche Meisterschaft versaut", war Jancker anschließend froh, dass Zickler zugeschlagen hatte.


FC Bayern München - 1. FC Kaiserslautern 2:1 (0:1)
0:1 Lokvenc (5.)
1:1 Jancker (55.)
2:1 Zickler (90.)
München: Kahn - Kuffour, Andersson, Linke - Salihamidzic (89. Zickler), Effenberg, Sforza, Hargreaves (85. Sagnol), Lizarazu - Jancker, Santa Cruz (66. Elber)
Kaiserslautern: Georg Koch - Harry Koch, Komljenovic, Schjönberg - Buck (69. Pettersson), Ramzy, Grammozis, Strasser (78. Bjelica) - Djorkaeff - Klose, Lokvenc
Schiedsrichter: Wagner (Hofheim)
Zuschauer: 63.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Salihamidzic (10), Jancker (5/3) - Grammozis (5/3), Strasser (5/2)

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