Rückkehr an die Tabellenspitze "Am Ende sind es halt die Bayern"

Der FC Bayern München hat seine Mini-Krise überwunden. Boss Karl-Heinz Rummenigge gab nach dem Erfolg in Mainz das Ziel bis zur Winterpause aus: Der FC Bayern will Herbstmeister werden.

Arjen Robben (r.) und Thomas Müller
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Arjen Robben (r.) und Thomas Müller

Aus Mainz berichtet


Karl-Heinz Rummenigge traf als Erster vor das Mikrofon, nach dem ungefährdeten Münchner Sieg in Mainz. "Gut gespielt, verdient gewonnen", die 90 Minuten zuvor waren schnell abgehakt, da kam auch schon die erste Frage zum vermeintlichen Fernduell um die Tabellenführung gegen RB Leipzig. Dazu hatte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern nämlich eine ganz klare Meinung: "Wenn wir die nächsten drei Spiele bis zur Partie gegen Leipzig so angehen wie das Spiel heute, werden wir auch als Tabellenführer in die Winterpause gehen."

Ähnlich scheinen das die Bayernfans zu sehen, die zwei Minuten vor Abpfiff einen Evergreen anstimmten, der angesichts des neuen Konkurrenten gar nicht mehr so banal wie in den vergangenen Jahren klang, sondern fast ein wenig trotzig: "Deutscher Meister wird nur der FCB".

Fürs bajuwarische Selbstbewusstsein hatte ein souveräner Auftritt in Mainz gesorgt, bei dem die Mannschaft allerdings zwei Gesichter zeigte. Nach einem starken, streckenweise überragenden ersten Durchgang folgte ein zweiter, der solide war, dem aber die erdrückende Dominanz aus den ersten 45 Minuten fehlte. Gegen eine Mainzer Mannschaft, die das Spiel zwar bis zur Nachspielzeit spannend hielt, reichte das problemlos zum Sieg.

Die Bayern haben schließlich einige Top-Spieler in ihren Reihen

Arjen Robben war einer von zwei herausragenden Bayern-Akteuren. So gut wie jeder Angriff führte über den Niederländer, der auch im achten Jahr in München mit seiner Technik, seiner Schnelligkeit und seinem Spielwitz nicht zu denen im Team gehört, deren Alter ein Problem ist.

Der zweite überragende Spieler war Thomas Müller, der den zweiten Treffer durch Robben mit einer Flanke vorbereitete. Zu diesem Zeitpunkt waren erst 21 Minuten gespielt und man hatte bis dahin schon viele Male sehen können, warum die Diskussion um Müllers Torquote (noch kein Liga-Tor in dieser Saison) oft überflüssig ist: Müller war im Kombinationsspiel der Dreh- und Angelpunkt, kaum vom Ball zu trennen und immer bereit, den besser postierten Mitspieler in Szene zu setzen. Die Maßnahme von Trainer Carlo Ancelotti, ihn in einem System mit vier Offensiven auf die Zehn zu stellen, machte sich zudem bezahlt. Robert Lewandowski, der zum vierten Mal in Folge in Mainz einen Doppelpack hinlegte, freute sich beim 4-2-3-1 jedenfalls über "mehr Möglichkeiten zu kombinieren und zu spielen", schränkte aber ein, dass das System immer vom Gegner mitbestimmt werde.

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Sieg gegen Mainz: Münchner Minimalisten

Immer wenn die Bayern das Tempo anzogen, waren es jedenfalls meist Müller und Robben, die der Mainzer Verteidigung ihre Grenzen aufzeigten. Und natürlich Lewandowski, der beim 1:0 wieder zeigte, dass er oft nicht mehr als zwei Ballkontakte braucht, um aus dem Spiel heraus zu treffen. Beim 3:1 genügte ihm sogar ein einziger Kontakt, da traf er mit einem gefühlvoll ins Eck gelupften Freistoß.

Etwa 90 Minuten zuvor hatte mit Jhon Córdoba ein Spieler für Mainz getroffen, der mit seiner Schnelligkeit schon viele Abwehrreihen vor Probleme gestellt hat (4. Minute), jetzt auch die Münchner. Allerdings sahen in der Bayern-Defensive mit Mats Hummels und Javi Martínez gleich zwei Top-Spieler besonders schlecht aus. Doch das war nach dem Spiel genauso wenig ein Thema wie die Frage, ob der erste Bayern-Treffer nicht hätte abgepfiffen werden müssen, weil Philipp Lahm bei seiner Grätsche zuerst Yunus Malli und dann den Ball getroffen hatte. Das war zwar so, aber es war eben auch in Echtzeit fast nicht zu erkennen gewesen. Einige Bundesliga-Trainer hätte das nicht daran gehindert, zur Schiedsrichter-Schelte zu greifen.

Ganz anders Mainz-Coach Martin Schmidt, der nüchtern feststellte, dass man nach dem Foul noch 80 Meter lang Zeit und Raum gehabt hätte, um den Gegentreffer zu verhindern. Da wolle er bei einer Situation, "die 50 Schiedsrichter so pfeifen und 50 andersrum", nirgendwo anders den Fehler suchen als beim eigenen Defensivverhalten. Auch 05-Verteidiger Leon Balogun wollte Lahm ("einer der fairsten Spieler überhaupt") nichts Böses unterstellen, stattdessen hatte er die wohl beste Zusammenfassung des Spiels parat: "Am Ende sind es halt die Bayern und die wissen, wie sie es machen müssen."



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!!!Fovea!!! 03.12.2016
1. Ich bin zwar
kein Fan von künstlichen Fußballmannschaften, aber um die Liga zu beleben, muss man wahrscheinlich RB Leipzig Fan werden. Daher wünsche ich Leipzig viel Glück, damit die Meister werden, um endlich die Bayern Dominanz zu brechen. Auf Dortmund u.a. ist ja kein Verlaß.
cmann 03.12.2016
2. Gefällt mir irgendwie nicht,
Auch wenn Bayern angeblich so souverän gewonnen hat, gefällt mir die Art wie Ancellotti spielen lässt nicht." Ancelotti hin oder her" wie auch schon in früheren Partien wäre das Zurückschalten um den Gegner "kommen" zu lassen in der 2. Halbzeit, so um die 70. Minute fast wieder schief gegangen (Ancelotti hat mich bisher weder mit seinen Aufstellungen, noch mit der "Neuen Spielweise" überzeugt). Bayern spielt meiner Meinung nach dann gut, wenn Anleihen bei Guardiolas Spielweise genommen werden
raihower 03.12.2016
3. Naja
Zitat von cmannAuch wenn Bayern angeblich so souverän gewonnen hat, gefällt mir die Art wie Ancellotti spielen lässt nicht." Ancelotti hin oder her" wie auch schon in früheren Partien wäre das Zurückschalten um den Gegner "kommen" zu lassen in der 2. Halbzeit, so um die 70. Minute fast wieder schief gegangen (Ancelotti hat mich bisher weder mit seinen Aufstellungen, noch mit der "Neuen Spielweise" überzeugt). Bayern spielt meiner Meinung nach dann gut, wenn Anleihen bei Guardiolas Spielweise genommen werden
Es mag ihnen nicht gefallen, aber war es nicht ausgerechnet Ancelottis Real, dass den Guardiola-Bayern 2014 mit der Ancelotti-Taktik zweimal recht heftig die Tour vermasselte? Ich glaube, dass sich die Spieler und Ancelottis Spieltaktik finden werden. Nach drei Jahren Guardiola, der wahrscheinlich jeden Laufweg und jeden Pass auf mm-Papier entwickelt, fallen grundlegender Veränderungen etwas schwerer. Wenn dann noch die beiden letztjährigen Toptorjäger etwas kriseln ... dann wird man ... dennoch Tabellenführer. ;-) In den etzten Jahren haben sich die Leute über Guardiolas Stil beklagt, nun ist es eben der von Ancelotti.
mr.andersson 03.12.2016
4.
Zitat von raihowerEs mag ihnen nicht gefallen, aber war es nicht ausgerechnet Ancelottis Real, dass den Guardiola-Bayern 2014 mit der Ancelotti-Taktik zweimal recht heftig die Tour vermasselte? Ich glaube, dass sich die Spieler und Ancelottis Spieltaktik finden werden. Nach drei Jahren Guardiola, der wahrscheinlich jeden Laufweg und jeden Pass auf mm-Papier entwickelt, fallen grundlegender Veränderungen etwas schwerer. Wenn dann noch die beiden letztjährigen Toptorjäger etwas kriseln ... dann wird man ... dennoch Tabellenführer. ;-) In den etzten Jahren haben sich die Leute über Guardiolas Stil beklagt, nun ist es eben der von Ancelotti.
ISt aber ne zeitlang her, dass sich die Bayern und ihre Fans über eine Tabellenführung gefreut haben die sie deswegen haben, weil sie ein Spiel mehr als der andere haben. "Mit einen Spiel mehr ist uns heute der Punktegleichstand mit RB Leipzig gelungen" wäre vor geraumer Zeit mit dem selbstverständnis der Bayern nicht vereinbar gewesen. Da hätte man mit dem jubeln zumindest abewartet, bis der andere gespielt hat. Sonst hat man die so gefeierte Tabellenführung nur für wenige Stunden gehabt.
Creedo! 03.12.2016
5.
Es ist immer wieder lustig zu sehen, wie sehr der Ausgang eines einzelnen Spiels als richtungsweisend interpretiert wird. Zu beginn der Saison war der FCB das Maß aller Dinge, fast schon CL-Sieger, aber auf jeden Fall Finalist. Dann die Niederlage gegen Dortmund und der Verlust der Tabellenspitze. Und schon sthet Ancelotti in Frage und es wird spekuliert ob er noch vor oder erst nach der Winterpause entlassen wird. Jetzt wieder ein ordentlicher Sieg und der FCB ist wieder Tabellenführer (für einen Tag, denn RB Leipzig kann ja nachziehen) und damit natürlich auch deutscher Meister. Dabei hat es der FCB zwar in der Hand, zumindest Herbstmeister zu werden, aber nur wenn das Spiel am vorletzten Spieltag der Hinrunde gegen RB Leipzig gewonnen wird. Und damit hat es auch der RB Leipzig in der Hand Meister zu werden und der RBL braucht nur ein Unentschieden. Und dieses mediale Amoklaufen trifft nicht nur den FCB. Jüngst wurde Tuchel beim BVB in Frage gestellt, nach der Niederlage gegen Frankfurt vom letzten Samstag. Dabei wurde der BVB nach seinem furiosen Sieg in der CL ja quasi in eine Extraliga erhoben. Vielleicht sollten die Sportjournalisten einfach mal den Ball flach halten und in ihren Berichten so etwas wie Realitätsbezug herstellen.
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