Bayern-Sieg in Wolfsburg Die sportliche Antwort

Die Profis des FC Bayern haben ihren Negativlauf gestoppt - und anders als die Vereinsbosse angemessen auf die sportliche Krise des Klubs geantwortet.

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Die Vorgeschichte: "Ich möchte in diesem Zusammenhang mal an den Artikel eins des Grundgesetztes erinnern" ( Karl-Heinz Rummenigge). "Das ist unverschämt" ( Hasan Salihamidzic). "Das ist respektlos" ( Uli Hoeneß). Die drei Bayern-Funktionäre haben sich in einer denkwürdigen Pressekonferenz über die Berichterstattung zur aktuellen Krise des Rekordmeisters beschwert und mit juristischen Konsequenzen gedroht. Die deutlich bessere Antwort auf die Krise des Vereins gaben die Bayern-Spieler auf dem Platz.

Das Ergebnis: Der FC Bayern hat seinen Negativlauf von vier Pflichtspielen ohne Sieg gestoppt. Das Team gewann ohne größere Probleme 3:1 (1:0) beim VfL Wolfsburg und ist vorübergehend Zweiter hinter Borussia Dortmund. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Kühnheit vs. Realität: "Wir wollen etwas reißen", hatte Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia vor dem Spiel angekündigt. Kampfansagen in Richtung des Rekordmeisters waren zuletzt selten. Dann begann die Negativserie in München. Mit der spektakulären Pressekonferenz machte sich der Verein zusätzlich angreifbar. Die nationale Konkurrenz scheint jedenfalls wieder aufmüpfiger zu sein, das Problem nur: Labbadias Mannschaft zog nicht mit.

Die ersten Eindrücke: Wolfsburg ließ sich nach einer guten Anfangsphase immer weiter zurückfallen. Bayern dominierte, Koen Casteels parierte mehrfach stark. Dass der gegnerische Torhüter der stärkste Spieler ist, war bei Bayern-Partien zuletzt eine Seltenheit.

Die Führung: In der 30. Minute war der belgische Schlussmann dann doch machtlos. Mats Hummels bediente Robert Lewandowski mit einem schönen Pass, Thiago ließ durch und der Pole vollstreckte aus spitzem Winkel. Damit beendete der 30-Jährige die Münchner Torlosserie nach 251 und seine eigene nach 351 Minuten.

Der Jubel: Wie groß der Druck bei den Bayern gewesen sein muss, war in den Sekunden nach dem Treffer zu sehen: Lewandowski ballte die Hand zur Faust, brüllte in Richtung Fankurve, forderte den Jubel der Anhänger ein und klatsche mit den Teamkollegen ab. Für Lewandowski war es erst der vierte Saisontreffer, zwei davon erzielte er per Elfmeter. Nach dem achten Spieltag der vergangenen Saison hatte der Stürmerstar bereits bei neun Treffern gelegen. Kurz nach der Pause erhöhte Lewandowski zum 2:0.

Der Abflug: Die Bayern schienen die Partie im Griff zu haben, eine höhere Führung war möglich. Dann kam die 57. Minute, die das bis dahin einseitige Spiel noch einmal spannend machte, zumindest kurzzeitig: Robben erwischte Elvis Rexhbecaj am Knöchel und musste mit Gelb-Rot vom Platz. Der Niederländer hatte bereits in der ersten Hälfte nach einer Schwalbe Gelb gesehen. In Überzahl wurden die Wölfe mutiger und kamen in der 63. Minute durch Wout Weghorst zum Anschlusstreffer. Der Wendepunkt? Eher nicht.

Arjen Robben sieht Rot
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Arjen Robben sieht Rot

Die Entscheidung: Die Bayern wackelten nach dem Anschluss, Manuel Neuer unternahm wirre Ausflüge aus seinem Tor, die Verunsicherung der vergangenen Wochen war für einen Moment wieder spürbar. Dann reagierte Niko Kovac mit der Einwechslung des ballsicheren Leon Goretzka für den schnellen Serge Gnabry. Bayern spielte danach ruhiger und setzte in der 72. Minute durch James Rodríguez den Schlusspunkt.

Erkenntnis des Spiels: Der FC Bayern spielte auch in Wolfsburg nicht perfekt. Er hat aber mit einer deutlichen Leistungssteigerung auf die enttäuschenden Auftritte gegen Mönchengladbach (0:3), Hertha (0:2) und Ajax Amsterdam in der Champions League (1:1) geantwortet. Der zuletzt kritisierte Mats Hummels wirkte in der Defensive deutlich souveräner, eroberte mehrere Bälle und leitete das Führungstor ein. Lewandowski beendete seine schwächere Phase im Torabschluss. Kovac strahlte Ruhe aus. Die Münchner werden in dieser Form wieder die Tabellenspitze und Borussia Dortmund angreifen können.

Erkenntnis des Spiels II: Die Negativschlagzeilen um den FC Bayern werden wahrscheinlich mit diesem Spiel nicht enden. Das dürfte überwiegend am Nachbeben des denkwürdigen Rundumschlags der Vereinsbosse liegen. Kimmich selbst rückte das Thema nach dem Spiel wieder in den Mittelpunkt und bewertete die Schelte als "super Zeichen".

VfL Wolfsburg - Bayern München 1:3 (0:1)
0:1 Lewandowski (30.)
0:2 Lewandowski (49.)
1:2 Weghorst (63.)
1:3 James (72.)
Wolfsburg: Casteels - William, Knoche, Brooks, Roussillon - Arnold - Gerhardt Rexhbecaj (71. Malli) - Steffen (60. Mehmedi), Weghorst, Brekalo (60. Ginczek)
München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba (46. Rafinha) - Martínez - James (84. Sanches), Thiago - Robben, Lewandowski, Gnabry (66. Goretzka)
Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Robben wegen wiederholten Foulspiels (57.)
Gelbe Karten: Arnold, Weghorst - Thiago, Neuer

insgesamt 23 Beiträge
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Drunken Masta 20.10.2018
1. Bayern verdient gewonnen
Wolfsburgs mutiges Auftreten hat dabei Anerkennung verdient, aber gegen konzentrierte und effektive Bayern war heute einfach nichts zu holen. Eine Bevorteilung durch den Schiri gabs heute auch definitiv nicht. Wenn der FCB so auftritt "muss" auch keiner Kritik üben. Gute Spiele wirken allemal besser als die gestrige Peinlichkeit. Wobei's natürlich auch irgendwie erheiternd war. Nun wird's wohl auch am Dienstag gegen AEK klappen. Jetzt erstmal weiter mit Topspiel und schauen obs selbiges ist.
ge1234 20.10.2018
2. Auch...
... wenn es ein souveräner Sieg der Bayern war, so bleibt doch festzustellen, dass nur Bälle aus der Abwehr vertikal noch vorne zu dreschen keine wirkliche Spielidee ist, auch wenn es hier dank Thiagos genialem Geistesblitz und Williams haarsträubenden Fehler von Erfolg gekrönt war. Gegen richtig starke Gegner wird das nicht reichen. Das dritte Tor war allerdings richtig klasse gemacht, sowohl von Lewandowski als auch von James. Aus diesem Winkel ins kurze Eck zu schießen, auf die Idee muß man erstmal kommen. Da zeigt sich wieder einmal James Weltklasse, hoffentlich hat's Kovac jetzt endlich auch kapiert. Die gelbe Karte gegen Robben war überzogen; auch wenn es für einen Elfer wohl nicht gereicht hätte, so wurde er dennoch von Arnold umgerannt. Hier eine Schwalbe zu erkennen ist einfach nur lächerlich!
immerfroh 20.10.2018
3.
Gegen einen Gegner, der auch in diesem Jahr im Abstiegskampf wiederzufinden sein wird, kann man auch von angeschlagenen Bayern einen Sieg erwarten. Es glaubt doch wirklich niemand ernsthaft, dass die Bayern kein ernsthaftes Wort bei der Titelvergabe mitreden werden. Dieser Sieg heute ist sicher auch nicht das Ergebnis des gestrigen peinlichen Auftritts der Führungsetage.
hafnafjoerdur 20.10.2018
4. Ganz ok
Irgendwie wirkt es immer noch nicht wieder so souverän wie zu Beginn der Saison, aber es war ein gutes Spiel und ein verdienter Sieg. Einige Spielzüge waren herausragend, aber es ist nicht zu bestreiten, dass es dem Spiel an Tempo fehlt. Sitzen die Pässe nicht hundertprozentig, versanden die Aktionen, weil es nicht schnell genug weiter geht. Beim Schiedsrichter hatte ich seit der gelben Karte nach der angeblichen Schwalbe den Eindruck, dass er einen großen Auftritt wollte und bei passender Gelegenheit Robben vom Platz stellt. Weder war das eine Schwalbe noch war das Foul Absicht oder brutal. Bezeichnend, dass nur eine Minute später der ebenfalls verwarnte Arnold für seinen Ellbogenschlag gegen Martinez ungeschoren davon kam. Winkmann steht gerne im Mittelpunkt, heute hat er es wieder mal hinbekommen.
skeptikerjörg 20.10.2018
5. Für Wolfsburg hat es gereicht
Nicht überragend, aber ein Sieg. Allerdings zeigte Wolfsburg zu wenig Gegenwehr um beurteilen zu können, ob das, abgesehen vom Ergebnis, wirklich ein Schritt nach vorne war. Ich stell mir mal vor, wie viele Kübel über den Bayern ausgegossen worden wären, hätten sie heute nicht gewonnen. So bleibt die Häme den Rummenigge und Hoeneß vorbehalten, die sie sich auch mit ihrem unmöglichen, arroganten Auftritt auch redlich verdient haben. Positiv auch, dass endlich mal ein Schiedsrichter den Mut hatte, "Flying Robben" gelb zu zeigen. (Rummenigge wird wahrscheinlich behaupten, das sei gegen die Menschenwürde).
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