Wolfsburg-Debakel gegen Bayern Immer Ärger mit Luiz

Das Torverhältnis hat sich dramatisch verschlechtert: Wolfsburg spielte beim 0:6 gegen die Bayern desolat und scheint den Ernst der Lage nicht begriffen zu haben. Das zeigte auch der Blackout von Rekordmann Gustavo.
Luiz Gustavo wird von seinen Mannschaftskollegen gestoppt

Luiz Gustavo wird von seinen Mannschaftskollegen gestoppt

Foto: Michael Sohn/ AP

Ohne Leidenschaft und Hingabe geht es im Fußball nicht. Zu viel kann aber auch schaden. Es lief die 78. Minute: Nach einem taktischen Foul an Bayerns Renato Sanches schlug Wolfsburgs bereits vorbestrafter Kapitän Luiz Gustavo den Ball weg, und als er für diese Dummheit die zweite Gelbe Karte und damit Gelb-Rot sah, seinen insgesamt achten Platzverweis in der Bundesliga, Rekord, gab es kein Halten mehr für den Brasilianer.

Er klatschte Schiedsrichter Felix Zwayer höhnisch Applaus und hätte den Unparteiischen vielleicht sogar körperlich angegriffen, wenn ihn seine Mitspieler nicht festgehalten hätten wie einen Schwerverbrecher. Trainer Andries Jonker begleitete Gustavo in die Kabine, wohl aus Vorsicht, um sicherzugehen, dass niemand verletzt und nichts zerstört wird.

Luiz Gustavo und Schiedsrichter Felix Zwayer

Luiz Gustavo und Schiedsrichter Felix Zwayer

Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

Die Wolfsburger Verantwortlichen haben sich hinterher gnädig gezeigt mit ihrem unbeherrschten Mannschaftsführer. "Er will immer gewinnen und tut alles dafür. Es war nicht vernünftig, aber ich habe Verständnis", sagte Jonker über Gustavos Ausraster. "Er ärgert sich selbst am meisten über diese Aktion und hat schnell realisiert, dass das dumm war", sagte Sportchef Olaf Rebbe, wobei unklar blieb, wie er zu dieser Annahme gekommen war.

In jedem Fall hatte der VfL-Kapitän, der doch eigentlich ein Vorbild sein soll, mit seinem Platzverweis seinen Teil dazu beigetragen, dass die Niederlage gegen den FC Bayern heftig ausfiel: 0:6! Zudem lieferte er die passenden Bilder zur Situation seines Klubs. Wenn ein Profi derart die Fassung verliert wie Gustavo, damit eine Sperre im Abstiegskampf in Kauf nimmt, dann deutet das ja auch darauf hin, dass er nicht verstanden haben kann, worum es eigentlich geht. Und das ist genau der Eindruck, den die Wolfsburger vermitteln in den finalen Wochen der Saison: Es sieht so aus, als hätte der Klub immer noch nicht begriffen, wie ernst die Lage ist - und dass am Ende der 20. Bundesliga-Saison des VfL der Abstieg stehen könnte.

Die Wolfsburger traten dem FC Bayern mit einer mutigen, einer offensiven Herangehensweise entgegen und wollten mit spielerischen Mitteln mithalten. Das gelang in der Anfangsphase noch, erwies sich im weiteren Verlauf der Partie aber als fatal, weil der VfL das Verteidigen vergaß und Torwart Koen Casteels alleine ließ gegen die Münchner Übermacht. "Es war am Ende wie Männerfußball gegen Jugendfußball. Das darf nicht passieren", sagte Angreifer Mario Gomez und dürfte damit die Naivität gemeint haben, mit der seine Mannschaft aufgetreten war. Oder die Körperlosigkeit, die fehlende Aggressivität in den Zweikämpfen und der Einbruch in der Schlussphase, mit dem sich der VfL ganz nebenbei das Torverhältnis ruinierte, das am Ende über Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden könnte.

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Foto: Swen Pförtner/ dpa

Zweimal haben die Wolfsburger bereits den Trainer gewechselt in dieser Saison, sie haben im Winter mehr als 30 Millionen in den Kader investiert, unter anderem kamen Yunus Malli aus Mainz und Riechedly Bazoer aus Amsterdam. Genutzt haben diese Maßnahmen nicht. Jonker muss Woche für Woche Durchhalteparolen ausgeben: "Die Mannschaft macht alles, die Mitarbeiter machen alles, die Fans unterstützen uns wahnsinnig. Es wird Zeit, das in Leistung umzusetzen", sagte der Nachfolger von Dieter Hecking und Valérien Ismaël.

Drei Spiele bleiben noch, es sind drei unbequeme Spiele. Am kommenden Wochenende muss der VfL zu Pokalfinalist Eintracht Frankfurt, danach kommt Borussia Mönchengladbach. Am letzten Spieltag geht es auswärts gegen den Hamburger SV. Wie es aussieht, müssen die Wolfsburger, deren Anspruch doch eigentlich der Europapokal ist, bis zum letzten Spieltag um den Verbleib in der Bundesliga zittern - oder sogar noch länger. Im östlichen Niedersachsen träumen einige Fans schon von einem Duell in der Relegation.

Einige Fans von Eintracht Braunschweig.

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