Bayern deklassiert Dortmund Sturm an die Spitze

Beim haushohen Sieg seiner Münchner gegen Borussia Dortmund hat sich Robert Lewandowski in die Geschichtsbücher der Bundesliga geschossen. Beim Duell der Trainer konnte Niko Kovac seinen Gegner überlisten.

Robert Lewandowski nach dem 2:0
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Robert Lewandowski nach dem 2:0

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Szene des Spiels: Dortmunds Dan-Axel Zagadou spielte in der 17. Minute dem lauernden Robert Lewandowski unbedrängt den Ball in die Füße. Den herausstürzenden Torhüter Roman Bürki überlupfte der Bayern-Angreifer formschön und setzte den Ball mit einem herrlichen Seitfallzieher an den rechten Innenpfosten, von wo aus er ins Tor sprang. Es war der 200. Bundesligatreffer des Ex-Dortmunders. Erst als fünfter Spieler der Ligageschichte hat er diese Marke erreicht.

Ergebnis: Der FC Bayern hat das Spitzenspiel 5:0 (4:0) gegen Borussia Dortmund gewonnen und ist nun wieder mit einem Punkt Vorsprung Tabellenführer. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: 15 Torschüsse, davon gingen neun auf das Tor von Bürki - die Bayern dominierten die erste Hälfte komplett gegen desolate Dortmunder. Einzig ein Schuss an den Außenpfosten von Mahmoud Dahoud (6. Minute) brachte die Bayern in Gefahr, auf der Gegenseite traf Mats Hummels per Kopf nach einer Ecke von Thiago (10.), Lewandowski legte in der 17. Minute nach, bevor Javi Martínez (40.) mit einem Schuss aus 16 Metern und Serge Gnabry ebenfalls per Kopf (43.) erhöhten.

Der Ex trifft: Nein, jubeln wollte der ehemalige Dortmunder Kapitän nicht nach seinem Führungstreffer. Dabei hätte Hummels, Ex-BVBler und Ex-Nationalspieler, allen Grund dazu gehabt: Türöffner nach dem vogelwilden 5:4 im Pokal gegen Heidenheim und erster Ligatreffer seit dem 1. Oktober 2017 in Berlin. Damals hieß der Bayern-Trainer Willy Sagnol. Damit sie mal eine historische Einordnung bekommen.

Die zweite Hälfte: Das Spiel war gelaufen, die Münchner schalteten einen Gang runter, die Dortmunder einen hoch. Hauptsache keine Verletzten, es warten schließlich noch sechs Saisonspiele. Bis auf den wie aufgedreht spielenden Lewandowski hatten sich alle gut mit dem 4:0 arrangiert. Das 5:0 ging dann auch logischerweise auf sein Konto. Mit nun 15 Treffern im Klassiker Bayern-Dortmund (14 davon im Bayern-Dress) hat er Gerd Müller als Rekordtorschützen dieser Begegnung überholt, zehn davon hat er in den letzten fünf Partien gegen den BVB erzielt.

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Bayern-Sieg über den BVB: Topspiel? Lehrstunde!

Enttäuschende Dortmunder: Schlechte Staffelung im Spielaufbau, Marco Reus im Angriff (ohne Torschuss) verschenkt, kein Zugriff im Pressing und eine bemerkenswerte Schwäche bei gegnerischen Standards: Der BVB präsentierte sich bei dieser "Lehrstunde" (Lucien Favre) auf allen Ebenen unterlegen. Die Elf mit Mario Götze, Marius Wolf und Julian Weigl, die bei Abpfiff auf dem Platz stand, wäre wohl die bessere Wahl zum Anpfiff gewesen. Ist der Ex-Tabellenführer damit aus dem Meisterrennen? Keineswegs. Es ist nur ein Punkt Rückstand auf den FC Bayern, der mit Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen in den kommenden Wochen zwei der unangenehmeren Aufgaben in der Fußball-Bundesliga vor sich hat.

Kovacs Ideen zünden: Mit der Hereinnahme von Martínez zeigte sich die Bayern-Defensive sehr gut organisiert, die Offensiven der Münchner ließen dem BVB von Beginn an keine Luft zum Atmen. Lukas Piszczek wurde von Niko Kovac als Schwachstelle identifiziert. Kingsley Coman zwang den nach zweimonatiger Verletzungspause zurückgekehrten Rechtsverteidiger immer wieder in Eins-gegen-eins-Situationen, der statt James aufgebotene Thomas Müller kippte immer wieder auf die Piszczek-Seite ab, um Überzahl herzustellen. Der Plan ging auf, Coman wirbelte, Ex-Nationalspieler Müller zeigte eine überragende Partie.

It's Partytime: Nach dem Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund ist eine Release-Party für die neue Ausgabe des Hochglanzmagazins von Ex-Nationalspieler Jérôme Boateng angesetzt. "Ich bin damit auch nicht glücklich", sagte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic noch vor der Partie, nachdem bereits unter der Woche kritische Stimmen zur Kalendergestaltung Boatengs laut wurden. Nach diesem Ergebnis wird sich der Sportdirektor bei der Feier in einer Münchner Diskothek womöglich gerne mit den Magazinthemen "Stripclubs in Atlanta" oder "Mit G-Klasse auf Kiezpatrouille" beschäftigen. Print ist tot? Nicht in München, nicht an diesem Festtag.

Bayern München - Borussia Dortmund 5:0 (4:0)
1:0 Hummels (10.)
2:0 Lewandowski (17.)
3:0 Martínez (40.)
4:0 Gnabry (43.)
5:0 Lewandowski (89.)
München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Martínez (77. Goretzka), Thiago - Gnabry, Müller (80. Sanches), Coman (68. Ribéry) - Lewandowski
Dortmund: Bürki - Piszczek (69. Wolf), Akanji, Zagadou (46. Weigl), Diallo - Witsel, Delaney - Sancho, Dahoud (62. Götze), Bruun Larsen - Reus
Schiedsrichter: Manuel Gräfe
Gelbe Karten: Lewandowski / Zagadou, Delaney
Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)



insgesamt 59 Beiträge
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Orthoklas 06.04.2019
1. Keine Vorentscheidung
Die Meisterschaft ist immer noch absolut offen. Mich wundert aber, zu was beide Teams fähig sind. Das hätte ich weder bei Bayern, noch beim BVB so erwartet. Nächste Woche kann das wieder vollkommen anders aussehen. Am Ball bleiben, Bayern!
tugidee 06.04.2019
2. Kinderarbeit beim BVB
Herr Watzke kann sich noch so selbstgefällig auf seine Schultern klopfen, das ändert nichts an der Tatsache, dass der Kader nicht für eine Meisterschaft reicht. Mit Kindern wirst du kein Meister. Wegen Hakimi aus der CL ausgeschieden und wegen Zagadou heute sinnlose Tore kassiert. Es gibt keinen richtigen Stürmer. Die Dortmunder können froh sein, dass sie die letzten Spiele so glücklich gewonnen haben denn ansonsten würde Leipzig noch näher dran. Dortmund hat einiges zu tun.
hwdtrier 06.04.2019
3. Yogi gat Recht
Hummels und Mueller sind grottenschlecht. Waren sie gut wäre es zweistellig geworden. Reus ist nur ein Schoenwetterspieler. ZU alt und ZU langsam. Und gemein dass die Bayern mit 15 Mann spielen durften.
scooby11568 06.04.2019
4. Aber Reus bleibt in der N11...
2 Vorlagen von Müller, Tor und viele gute Chancen von Hummels. Hat der BVB ein Glück, dass Boateng nicht gespielt hat ;-)
retterdernation 06.04.2019
5. Das Restprogramm ...
spricht eindeutig für den BVB. Genauso - wie die neun Punkte Vorsprung für den BVB sprachen. Alles - kann sich also rasant wandeln. Kann. Vielleicht wollte man heute Kräfte sparen für die letzten sechs Spiele. Vielleicht will man die Bayern auch nur in Sicherheit wiegen. Schon bald wird man wissen, was der BVB in der Rückrunde wert ist. Auch wenn es natürlich immer auch einen Ausrutscher der Münchner geben kann.
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