Bayern versus Arsenal Alter Schalter!

Der FC Bayern tat im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse genau das, was von ihm verlangt wurde. Und Gegner Arsenal tat das, was deren Fans befürchtet hatten. Alles Wichtige zur Champions-League-Gala.

Thomas Müller und Thiago
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Thomas Müller und Thiago

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Ausgangslage des Spiels: Der FC Bayern unter Carlo Ancelotti, das war ja bekanntlich zuletzt uninspirierter Altherrenfußball. Fußball zum Einschlafen. Okay, sie haben in der Liga den Vorsprung in zwei Wochen von drei auf sieben Punkte erhöht. Dennoch: Jetzt gegen Arsenal musste DER SCHALTER UMGELEGT werden, so war es überall zu hören. Wenn man bei jeder Erwähnung dieses "ominösen Schalters" (Oliver Kahn) einen Sechsämtertropfen zu sich genommen hätte, hätte man die zweite Halbzeit nicht mehr erlebt. Was durchaus schade gewesen wäre.

Ergebnis des Spiels: 5:1 für die Bayern. Halbzeitstand 1:1. Tore: Arjen Robben, Robert Lewandowski, Thiago zweifach und Thomas Müller, Alexis Sánchez sorgte per Elfmeter für das zwischenzeitliche 1:1.

Die erste Halbzeit: Arsenal in den gelben Auswärtstrikots, bei denen ein unaufmerksamer Beobachter denken könnte, dort stünde Alemannia Aachen unter Michael Frontzeck auf dem Feld. So spielten sie zu Beginn auch. Arjen Robben erzielte nach elf Minuten das 1:0, indem er von Lahm freigespielt nach innen zog und versenkte. Ein Manöver, das sich Arsenal auf alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen schon hätte anschauen können. Aus dem Nichts legte Arsenal nach einer halben Stunde den Schalter um. Elfmeter gab es nach einer unglücklichen Aktion von Lewandowski (Stürmer im eigenen Strafraum, seufz). Alexis war gedanklich der Schnellste und verwandelte den Nachschuss, nachdem Manuel Neuer zunächst pariert hatte.

Die zweite Halbzeit: eine bayerische Urgewalt. Ein perfektes Umschalter-Spiel. Innerhalb von zehn Minuten machten die Münchner drei Treffer. Die Defensive von Alemannia Arsenal löste sich in ihre Einzelteile auf wie ein Brühwürfel unter heißem Wasser. Dabei war es ja eher eine kalte Dusche. Als am Ende eine Minute nach Einwechslung auch noch Thomas Müller traf, war die Münchner Seligkeit perfekt. Aus "Müller spielt immer" wird eben doch nicht ein "Müller trifft nie".

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Bayern-Sieg gegen Arsenal: Der Regisseur übernimmt

Spieler des Spiels: Thiago hatte der Kollege Danial Montazeri schon im Vorfeld des Spiels als entscheidenden Faktor hochleben lassen. Da sieht man wieder einmal, wie viel der Kollege vom Fußball versteht. Dessen Prognosen treffen ein. Thiago war außerordentlich.

Fuchs des Spiels: Philipp Lahm kassierte in der Endphase der Partie noch die Gelbe Karte. Es war seine dritte, er ist damit fürs nächste Spiel gesperrt. Wahrscheinlich die einzige Partie, in der man im Verlauf dieser Champions-League-Saison getrost auf den Kapitän verzichten kann. Lahm weiß eben immer, was er tut. Während seine Teamkollegen die Pflichtreise nach London zum Rückspiel mitmachen müssen, kann Lahm daheim in aller Seelenruhe am nächsten Tweet feilen.

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Arsenal in der Einzelkritik: Mustafi schwimmt, Özil taucht

Wechsel des Spiels: In der 48. Minute, wohlgemerkt beim Stande von 1:1, musste Arsenal-Abwehrchef Laurent Koscielny angeschlagen den Platz verlassen. Und was macht Arsenal-Coach Arsène Wenger? Er bringt für den Franzosen den Brasilianer Gabriel. Dabei hätte er doch nur bei der SPD nachfragen müssen, dass man einen Gabriel nicht ein-, sondern auswechseln muss, wenn man Erfolg haben will. Er bekam die Quittung. Der Wenger-Effekt ist die Umkehrung des Schulz-Effekts.

Körperhaltung des Spiels: Wenger und Özil.

Erkenntnis des Spiels: Arsenal macht das, was Arsenal in Champions-League-Achtelfinals zu tun pflegt. Und die Bayern eben auch. Und für ZDF-Kommentator Oliver Schmidt steht am Ende schon wieder "das Phänomen Ancelotti". Von elektrischer Schaltung und Halbleitertechnik versteht der alte Herr also offenbar etwas. Ein Viertelfinale ohne den FC Barcelona UND ohne den FC Bayern wäre aber auch so, als gäbe es eine Bundesliga-Spitzengruppe ohne Schalke und Leverkusen. Undenkbar also.

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hansriedl 16.02.2017
1. Arsenal
nur ein Hühnerstall, dem ein Hahn fehlte der den Kücken hätte sagen können, den Bayern muss man auf Füße steigen, sonnst geht man unter.
ich-geb-auf 16.02.2017
2. danke für den Artikel..
..sehr schön und humorvoll geschrieben. danke
kanan 16.02.2017
3. Sehr unterhaltsamer
Artikel, danke.
atmin 16.02.2017
4. Genau so!
Da macht das Lesen des Artikels über das Spiel mehr Spaß als das Spiel selbst.
lestat3006 16.02.2017
5. DIE Arsenal-Defensive...
In wessen Einzelteile genau löste sich denn die Defensive von Arsenal auf?
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