Verletzter Bayern-Star Alaba Mr. Unersetzlich

David Alaba hat sich den Innenmeniskus verletzt und wird in diesem Jahr nicht mehr für den FC Bayern auflaufen. Für Trainer Josep Guardiola und dessen System ist das ein kaum zu ersetzender Verlust.

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Von Sebastian Winter, München


SPIEGEL ONLINE Fußball
David Alaba machte kein großes Theater in der 81. Spielminute, dazu ist er nicht der Typ. Er hätte sich auf den Boden fallen lassen, sich vor Schmerzen und Wut im Gras wälzen oder hektisch seine Auswechslung anzeigen können. All das wäre legitim gewesen an diesem kühlen Champions-League-Abend in München. Denn der österreichische Nationalspieler in Diensten des FC Bayern hatte sich gerade das Innenband des rechten Knies angerissen und den Innenmeniskus verletzt.

Alaba aber tat nichts dergleichen. Er stand einfach vor dem Strafraum der Römer, hielt sein lädiertes Knie, schaute zu Trainer Josip Guardiola und deutete mit einer kurzen Geste seine Auswechslung an. Wenig später humpelte er vom Feld. In den nächsten Tagen muss er operiert werden und fällt mehrere Wochen aus, wie der Klub am Donnerstag auf seiner Homepage bestätigte. Damit ist die Hinrunde für den 22-Jährigen beendet.

Die Verletzung warf einen enormen Schatten auf den souveränen 2:0-Sieg der Bayern über Rom. Denn Alaba, der an Krücken aus dem Stadion und auch am Donnerstag zu Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ging, wird fast drei Monate kein Pflichtspiel für seinen Klub bestreiten können. Außerdem verpasst er die komplette Vorbereitung auf die Rückrunde. Alabas erste Reaktion fiel entsprechend ernüchtert aus: "Das ist im Moment ganz bitter für mich, denn sowohl in der Mannschaft als auch für mich ist es zuletzt so gut gelaufen."

Es ist schon seine dritte schwere Verletzung

Dass er danach sofort wieder zu seiner großartigen Form der vergangenen Wochen zurückfindet, ist unwahrscheinlich. Denn Alaba war schon zweimal schwerer verletzt: Im Herbst 2010 erlitt er einen doppelten Bänderriss im Sprunggelenk, im Juli 2012 zog er sich bei einem Testspiel des FC Bayern einen Ermüdungsbruch im linken Fuß zu. Beide Male fehlte er monatelang, es dauerte noch viel länger, bis er wieder seinen gewohnten Rhythmus fand.

Für Guardiola ist das jetzt ein Problem. Denn der Bayern-Trainer muss ohnehin schon auf die langzeitverletzten Bastian Schweinsteiger, Javier Martinez, Thiago und Holger Badstuber verzichten, auch Franck Ribery und Arjen Robben wurden zuletzt immer wieder von Blessuren gebeutelt. Mit Alaba verliert er zudem einen Spieler, der im von Guardiola geschaffenen Bayern-System kaum zu ersetzen ist.

Entsprechend sorgenvoll saß der Trainer trotz der Achtelfinal-Qualifikation nach dem Rom-Spiel auch auf dem Pressepodium. Und geriet auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE ins Schwärmen über die Fähigkeiten des an der renommierten Frank-Stronach-Akademie bei Wien ausgebildeten und vor einer Woche zu Österreichs Sportler des Jahres gewählten Alaba: "David ist ein totaler Fußballspieler. Er kann alle Positionen überragend spielen. Er ist sehr, sehr wichtig für unsere Flexibilität, unsere Spielweise."

Bayern hat keinen adäquaten Ersatz für Alaba

Guardiola hielt diese Eloge nicht ohne Grund. Denn Alaba ist einer der wenigen Bayern-Spieler, für die es keinen adäquaten Ersatz gibt. Gegen Rom war dies wieder deutlich zu sehen. Alaba nutzte mehrmals seine technisch feine, wuchtige Schusstechnik für gefährliche Torabschlüsse. Er düpierte Roms Abwehr mit seiner enormen Schnelligkeit, bevor er das Tor von Ribery mit glänzendem Auge vorbereitete. Vor allem aber besticht er durch seinen Radius und eine Flexibilität, die abgesehen von Kapitän Philipp Lahm kein anderer Bayern-Spieler erreicht.

Längst ist Alaba seiner Rolle als Linksverteidiger, die ihm Jupp Heynckes zugedacht hatte, entwachsen. Er spielt positionsübergreifend, gegen Rom im linken offensiven Mittelfeld neben Lahm. Aber er tauchte, wie so oft, quasi überall auf: Vorne, in der Mitte und auf der gesamten linken Feldhälfte.

Alaba sucht in der Offensive Schnittstellen und schließt sie in der Defensive. Einen solch flinken Spielertypus verkörpert bei den Bayern ansonsten nur Lahm, dem aber Alabas Torgefahr fehlt. Mario Götze, Ribery, Robben oder Thiago haben nicht seine Defensivqualitäten. Genau diese Fertigkeiten meint auch Guardiola, wenn er vom "totalen Fußballspieler" Alaba spricht.

Guardiola dürfte bei allem Unglück über eine Sache ganz froh sein: Alabas Verletzung kommt zu einem Zeitpunkt, da die Bayern schon im Achtelfinale der Champions League stehen, bis zum Frühjahr kein DFB-Pokalspiel mehr haben und die Liga dominieren. Alabas Ausfall bedeutet aber zugleich vor allem eines: dass die Bayern leichter zu durchschauen sind.

insgesamt 27 Beiträge
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zulu1980 06.11.2014
1. alles gute
david !!! komm bald zurück !!!
sylkeheimlich 06.11.2014
2.
Alles, alles Gute und komm schnell zurück! Die Mannschaft wird auch diesen grossen Verlust kompensieren und noch enger zusammenrücken, da bin ich mir sicher! Das schaffen sie. Forever FC Bayern!
gewgaw 06.11.2014
3.
Wie wird die Überschrift lauten, wenn sich Lahm verletzt? Übrigens fängt bald eine WM in Sotchi an zwischen einem gewissen Magnus Carlsen und Vishy Anand - schon Reportagen, Vorberichte und Porträts vorbereitet?
simplythebeast 06.11.2014
4. So ein Käse
Dass Alaba sich überall auf dem Platz rumtreiben darf, hat er neben seinen grandiosen Fähigkeiten auch seinen überragenden Kollegen zu verdanken, die für ihn absichern oder die Räume schaffen. Schade um Alaba, aber mit Bernat, der immer besser wird, steht beim FC Bayern schon das nächste Supertalent bereit. Tut mir Leid, ihr Skeptiker, zu früh gefreut!
buchl 06.11.2014
5.
Es ist auch ewig schade für die österreichische Nationalmannschaft. Mit einem Sieg gegen Rußland nächste Woche kann Österreich die Führung in der EM-Qualifikationsgruppe absichern, aber ohne Alaba wird das doppelt schwer.
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