Dortmund triumphiert im Pokal über Bayern Das ist für dich, Trainer

Dieser Triumph lindert alle Schmerzen einer durchwachsenen Saison: Der BVB hat die Bayern aus dem Pokal gekickt. Der Sieger verzichtete auf Schadenfreude - nur einer konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen.

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Von Christoph Leischwitz, München


Jürgen Klopp hielt noch einmal an, dann noch einmal. Es war dem Trainer von Borussia Dortmund anzumerken, dass er das Bad in der Medienmenge so sehr genoss wie schon lange nicht mehr.

Doch dann war er plötzlich nicht mehr zu hören in der sonst so andächtig stillen Mixed Zone: Die Spieler Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus zogen hinter ihm vorbei, aus einem der beiden Rucksäcke dröhnten laute House-Beats. Zuvor waren schon Gesänge aus der Gästekabine zu hören gewesen.

Klopp folgte den beiden wenig später nach draußen, wo ihm gegen halb ein Uhr morgens noch rund hundert Fans zujubelten. Er breitete die Arme aus, machte eine Verbeugung und stieg unter Applaus in den Mannschaftsbus.

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Eines von Klopps wichtigsten Erfolgserlebnissen

Der 47-Jährige hat mit dem BVB zweimal die Meisterschaft und einmal den Pokal gewonnen. Und diesmal ging es gar nicht um einen weiteren Titel, zumindest noch nicht. Trotzdem hat Klopp am Dienstagabend eines der wichtigsten Erfolgserlebnisse seiner siebenjährigen Amtszeit erlebt.

Klopp und seine Spieler versprühten eine Freude, wie man sie nach einem gewonnenen Halbfinale in München schon lange nicht mehr gesehen hat.

Bayern-Keeper Neuer, BVB-Coach Klopp: Verlierer und Sieger
BongartsGetty Images

Bayern-Keeper Neuer, BVB-Coach Klopp: Verlierer und Sieger

Und nicht nur sie. "Ich habe jeden, der mir über den Weg lief, fast umgerannt", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach dem Besuch in der Kabine. "Ich weiß nicht, wann mein Puls wieder runtergeht", kommentierte BVB-Präsident Reinhard Rauball.

Eine weitgehend verkorkste Saison hat eine unverhoffte Wendung genommen: in Richtung Borsigplatz, wo in Dortmund die Titel gefeiert werden. Ob es so weit kommt, ist noch nicht sicher. Doch zumindest durften sie schon einmal in der Gästekabine des großen Rivalen feiern.

Sie hatten ausgerechnet den FC Bayern aus dem Weg geräumt, zu einem Zeitpunkt, zu dem sie nicht mehr auf Augenhöhe zu sein schienen.

Mchitarjan verlieh Dortmund Auftrieb

Hinzu kam, dass so vieles gegen die Dortmunder gesprochen hatte. Das Auswärtslos. Die Verletzung von Roman Weidenfeller. Und als es losging, fand die Mannschaft überhaupt nicht ins Spiel. "Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Zugriff gefunden", gab auch Marco Reus zu. Dann fiel auch noch das demütigende Führungstor der Bayern, erzielt vom Ex-Dortmunder Lewandowski. Und in der Verlängerung mussten sie wegen der Gelb-Roten Karte für Kevin Kampl (108. Minute) auch noch in Unterzahl weiterkämpfen.

Doch die Dortmunder hatten auch nicht viele gute Chancen der Bayern zugelassen, und sie hatten 52 Prozent der Zweikämpfe gewonnen.

Und obwohl die Bayern mit Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger und Mario Götze drei Deluxe-Einwechselspieler zur Verfügung hatten, beeinflusste ein Schwarzgelber die Partie am meisten, der in der Hinrunde mit seiner Leistung zum Sinnbild des Niedergangs geworden war: Henrich Mchitarjan. Er verlieh dem Dortmunder Offensivspiel Tempo und bereitete auch Aubameyangs Treffer zum 1:1 (75.) vor.

Bayern-Verteidiger Benatia: Frust pur nach dem Ausscheiden
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Falls die Dortmunder Feierlaune auch von Schadenfreude angetrieben wurde, so ließen sie es sich nicht anmerken. Geschäftsführer Watzke hatte sich vor dem Spiel sogar mit Bayerns Vorstandsvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge getroffen, das Gespräch sei "sehr ordentlich" gewesen, sagte Watzke. Das hörte sich nach den vielen Giftpfeilen der vergangenen Jahre aus beiden Richtungen zwar nicht ultimativ nach Versöhnung an, aber nach Tauwetter.

Einzig Sebastian Kehl ging nach dem Spiel etwas härter mit den Bayern ins Gericht: "Die Schuld beim Schiri zu suchen, finde ich jetzt ein bisschen Banane", sagte er mit Blick auf mögliche Fehlentscheidungen Peter Gagelmanns. Und fügte noch an: "Wenn die Bayern kein Elfmeterschießen können, dann müssen sie es mehr üben." Er habe vorher gewusst, "dass heute etwas geht", sagte er.

Für Kehl, der nach der Saison seine Karriere beendet und sein letztes Spiel in München bestritt, war danach klar: Wer es hier bis ins Elfmeterschießen schafft, der hat irgendwo auch verdient gewonnen. Dass der gute Torwart Mitchell Langerak am Schluss wegen der Elfmeter-Pannenserie der Bayern kaum noch eingreifen musste, tat nichts mehr zu Sache. "Im Ernst, ich weiß nicht, warum nicht wir ausgerutscht sind", sagte Trainer Klopp dann noch, und kam zu dem Schluss: "Es sollte einfach sein."

Die Ziele sind klar: Klopp will mit dem BVB noch ein Mal feiern, der Verein will die Europa League erreichen - und hat dafür immer noch zwei Möglichkeiten. "Jetzt die Spannung hochhalten", sagte Marco Reus mit Blick auf die kommenden Bundesligaspiele und das Pokalfinale am 30. Mai. Er hörte sich so entschlossen an, als ob für die Borussia gerade die Saison beginnen würde.

insgesamt 244 Beiträge
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Seite 1
Immanuel_Goldstein 29.04.2015
1.
Gagelmann hat Klopp drei Abschiedsgeschenke gemacht. Ich hoffe, der bedankt sich wenigstens noch.
scooby11568 29.04.2015
2. Nur mal so ...
der BVB war gestern auch nicht auf Augenhöhe. Die haben 15 Minuten mitgespielt und dann haben der Schiri und die eigene Unfähigkeit Bayern besiegt.
dilpagal 29.04.2015
3. @1.:ja, ...
Kampl vom Platz gestellt.
madra2006 29.04.2015
4. Es sollte einfach sein!
Treffender kann man es wohl nicht formulieren! Nach der ganzen Schmach der letzten Wochen ein Sieg in München gegen die Bayern, was kann es schöneres geben?
Goldwin 29.04.2015
5. 6 (!)
Sechs !!??? Artikel über das Halbfinale im DFB-Pokal??? Meint ihr nicht etwas zu übertreiben liebes SPON-Team?
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