Bayern-Sieg gegen den HSV Ein Hauch von Ancelotti

Sky-Kommentator Wolff Fuss hat beim 1:0-Sieg der Bayern gegen den HSV den "Geist von Jupp Heynckes" gespürt. Dessen Vorgänger wäre nach so einer Teamleistung kritisiert worden.

Jupp Heynckes
Bongarts/Getty Images

Jupp Heynckes

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Der "Game Changer": 38 Minuten zeigte der HSV gegen den FC Bayern eine starke Leistung und schaffte es, die Münchner vom eigenen Tor fernzuhalten. Dann wurden die Hamburger übermütig und liefen in einen Konter. Gideon Jung konnte das Tempo von Kingsley Coman nicht mitgehen und wusste sich nur mit einer Grätsche zu helfen, für die Schiedsrichter Marco Fritz die Rote Karte zeigte (39. Minute). Über den Platzverweis wurde in den sozialen Medien heftig diskutiert, weil die Aktion als taktisches Foul gedacht war, bei dem Jung von der Seite und nicht von hinten angeflogen kam. Die Entscheidung ist vertretbar, weil der Hamburger keine Chance auf den Ball hatte und eine Verletzung seines Gegenspielers in Kauf nahm.

Das Ergebnis: Der FC Bayern gewann beim HSV 1:0 (0:0). Hier geht es zur Meldung.

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Niederlage des HSV: Vergeblicher Kampf

Zahlenspiele: Am Freitag war Weltstatistiktag. Nicht nur deshalb wurde im Vorfeld der Partie immer wieder auf die fatale Bilanz des HSV gegen den FC Bayern in den vergangenen Jahren verwiesen. Die Hamburger konnten seit über acht Jahren nicht gegen den Rekordmeister gewinnen, das Torverhältnis im direkten Vergleich seit diesem Erfolg war beängstigend - 6:56! Was die Statistikfreunde übersahen: Die deftigen 0:8- und 2:9-Klatschen setzte es jeweils in München. Die Ergebnisse in den vergangenen drei HSV-Heimspiele gegen die Bayern lauteten 0:0, 1:2 und 0:1. In diese Folge reihte sich die Partie ein.

Die Bayerischen Rotorenwerke: Eigentlich hatte Jupp Heynckes nach dem souveränen 3:0-Sieg gegen Celtic in der Champions League angekündigt, möglichst wenig personelle Veränderungen vornehmen zu wollen. "Zu viel Rotation ist auch nicht gut", sagte der Bayern-Trainer und betonte, wie wichtig es sei, "Automatismen" zu entwickeln. Drei Tage später war von dieser Einschätzung offenbar nicht mehr viel geblieben. Heynckes nahm fünf Änderungen vor, brachte unter anderem die Sommerzugänge James Rodríguez und Corentin Tolisso von Beginn an. Carlo Ancelotti hätte die Mannschaft kaum besser aufstellen können.

Die erste Hälfte: Der HSV begann gut, verteidigte mal hoch, dann wieder tief und störte immer wieder geschickt den Spielaufbau der Bayern, die zwar erwartungsgemäß viel Ballbesitz hatten, bis zur Pause aber keinen einzigen Schuss auf das Hamburger Tor brachten. Der beste Versuch von Arjen Robben nach feinem Zuspiel von Coman landete am Außennetz (21.). Als die Hamburger selber offensiver wurden, kam es zum "Game Changer" (siehe oben).

Die zweite Hälfte: Begann so, wie man es erwarten musste. In Unterzahl zog sich der HSV zurück, die Bayern machten Druck und erzwangen das Tor, weil die Hamburger eine Hereingabe von David Alaba nicht klären konnten. Der Ball flipperte durch den Strafraum zu Tolisso, der aus sechs Metern einschob (52.). Kurz danach wären die Hausherren fast zum Ausgleich gekommen, als Gotoku Sakai die halbe Münchner Hintermannschaft narrte, und André Hahn mit einem Distanzschuss am gut reagierenden Sven Ulreich scheiterte (54.). In der Schlussphase hätten die Bayern noch höher gewinnen können, aber Thiago (71.) und Tolisso (83.) trafen nur den Pfosten, Robben (88.) und Robert Lewandowski (90.+2) verfehlten das Hamburger Tor denkbar knapp.

Die zehn Müller-Minuten: Thomas Müller hatte einen bemerkenswerten Arbeitstag. Vor allem war er bemerkenswert kurz. Er kam zur Pause für James, bereitete den Siegtreffer vor und musste direkt danach mit einer Oberschenkelverletzung wieder ausgewechselt werden. Zehn Minuten für drei Punkte.

Der Einfluss des Trainers: Vor zwölf Tagen kehrte Heynckes zurück zum FC Bayern. Als er sein Amt antrat, hatten die Münchner fünf Punkte Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Drei Pflichtspielsiege später sind sie punktgleich mit dem Spitzenreiter. Das liegt natürlich mehr am BVB als an den Bayern. Viel Zeit, die Mannschaft umzukrempeln und ihr einen "neuen Geist" einzuhauchen, hatte der Trainer nicht. Sky-Kommentator Wolff Fuss hat genau den trotzdem erkannt, obwohl sich die Münchner gegen den HSV schwer taten - wie in den letzten Partien unter Ancelotti.

Der Blick voraus: Ob sie schon die überragenden Heynckes-Bayern oder noch die pomadigen Ancelotti-Bayern sind, müssen die Spieler in den kommenden zwei Wochen zeigen, in denen sie zweimal gegen RB Leipzig (Mittwoch im DFB-Pokal, nächsten Samstag in der Bundesliga) und gegen Dortmund (4. November) spielen. Für diese Ernstfälle sind die klaren Siege gegen Freiburg und Celtic ebenso ein Muster ohne Wert wie der mühsame Erfolg gegen den HSV.

Hamburger SV - Bayern München 0:1 (0:0)
0:1 Tolisso (52.)
Hamburg: Mathenia - van Drongelen (76. Ito), Mavraj, Papadopoulos - Santos, Jung, Sakai, Diekmeier - Hunt (62. Holtby), Hahn (76. Kostic) - Wood
Bayern: Ulreich - Alaba, Hummels, Süle, Rafinha - Vidal, Tolisso - Coman (90.+3 Kimmich), James (45. Müller, 55. Thiago), Robben - Lewandowski
Schiedsrichter: Marco Fritz
Gelbe Karten: Sakai / Rodríguez, Tolisso
Rote Karte: Jung (39.)
Zuschauer: 57.000



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presseKontrolle 21.10.2017
1. Kritik an Heynckes
Heynckes hat eine in gewisser Weise eine B-Elf auflaufen lassen: mit Kimmich statt Rafinha wären die Bayern viel besser gewesen, der Brasilianer kann keinen Angriff einleiten, Robben war im Grunde auf sich gestellt. Tolisso und James sind außer Übung, und Vidal bringt bei Feldüberlegenheit kaum was: mit Rudy wäre viel effektiver gewesen. Er muß sich aber um alle kümmern, und für Hamburg hats Dank Müller ja doch noch gereicht.
walter_de_chepe 21.10.2017
2. Das sehe ich anders
Mit Jupp haben die Bayern gewonnen, mit Ancelotti hätten erschöpfte Bayern 0:0 gespielt. Am Mittwoch wird sich entscheiden, wer den Pokal holt. Bayern oder Leipzig?
kopfball123 22.10.2017
3. SPON wie immer pro-Ancelotti
Das Ergebnis täuscht darüber hinweg dass Bayern das Spiel komplett dominiert hat (was eben unter Ancelotti selten passiert ist selbst gegen schwächere Gegner) und es auch 3 oder 4:0 ausgehen hätte können weil es viele 100% Chancen gab (was zuletzt unter Ancelotti kaum noch passiert ist). Der HSV ist zu Hause halt auch kein Freiwild. Während es in München oft Klatschen gab hat Bayern in Hamburg auch unter Guardiola meist nur knapp gewonnen.
starboy 22.10.2017
4. Schlimme Leistung
So kläglich wie die Bayern gespielt haben, könnten sie froh sein, dass der Gegner HSV hieß. Paris hätte sie an so einem Abend erneut zerlegt. Und es wäre egal ob der Trainer Ancelloti oder Heynckes heißt. Fahrlässig wie Großchancen vergeben wurden. Ich hätte gerne die Gesichter gesehen wenn Hamburg mit einer Ecke ausgeglichen hätte. Schade.
halverhahn 22.10.2017
5. Wolf Fuss, was bist du gesunken!!
Schade um Wolf... zu Anfang bei sky war er erfrischend anders als die Arrivierten dort. Immer nen guten spontanen Spruch auf den Lippen und erfrischend kess. Und nun?! Genauso Plattitüden-haft wie all die anderen... erinnert mich stark an Marcel Reif, der auch anfangs gut war und sich dann zum Reporter-Gott berufen fühlte und ab dem Zeitpunkt nur noch Oberlehrer-haft daher kam. Und ähnlich wie bei Reif ist Fuss auch sehr FC Bayern München ergeben. Armes Sport Reporter-tum. "Geist von Heynckes" ist wohl prädestiniert für den Preis "Die Goldene Himbeere" als der schlechteste Spruch in den letzten Jahren der BuLi-Geschichte!!!
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