Bayerns Sieg im DFB-Pokal Rekorde und Wiedergeburt

Die langjährigen Stars Ribéry und Robben bekamen den würdigen Abschied, Stürmer Lewandowski setzte Maßstäbe und Torwart Neuer war wieder der Alte. Bei Bayern wurde am Ende einer nervösen Saison alles gut.

Die Bayern feiern den DFB-Pokal-Sieg
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Die Bayern feiern den DFB-Pokal-Sieg

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Die Szene des Spiels: Zum ersten Mal überlagerten die Münchner vernünftig auf der linken Seite, nach dem Zuspiel von Kingsley Coman auf den durchstartenden David Alaba flankte dieser hinter die erste Abwehrreihe, wo Robert Lewandowski im Zurücklaufen (!) den Ball wuchtig ins linke Eck köpfte. Der Führungstreffer der Münchner in der 29. Minute, der die Partie veränderte.

Das Ergebnis: Der FC Bayern München hat das DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig 3:0 (1:0) gewonnen und ist zum 19. Mal Pokalsieger. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Die Leipziger nahmen den Münchnern den Raum zum Kombinieren und kamen durch ihr Pressing und schnelles Umschaltspiel selbst zu gefährlichen Angriffen, die Joshua Kimmich (17. und 24. Minute) zweimal in höchster Not unterbinden musste. In der 11. Minute die größte Gelegenheit für RB: Yussuf Poulsen scheiterte aus kurzer Distanz per Kopf an Manuel Neuer. Nach dem 1:0 durch Lewandowski (29.) kamen die nun starken Münchner zu weiteren Chancen durch Coman (42.), erneut Lewandowski (44.) und Mats Hummels (45.).

Die zweite Hälfte: Die Leipziger mussten nun kommen und das taten sie. Bereits in der 48. Minute schickte Ibrahima Konaté seinen Kollegen Emil Forsberg auf die Reise, der jedoch frei vor dem Bayern-Torhüter erneut am glänzend reagierenden Neuer scheiterte (48.). Die Partie entwickelte sich nun zu einem packenden Pokalfight: Lewandowski vergab auf der einen (56.), Timo Werner auf der anderen Seite (57.). Hummels verpasste ebenso wie Thiago (jeweils 62.), Lewandowksi (66.) ließ das 2:0 liegen. In der 70. Minute stellte RB-Trainer Ralf Rangnick auf Dreierkette um. RB drückte, Bayern traf: Coman nahm den Ball wunderbar mit rechts an, legte ihn sich auf den linken und vollendete in den rechten Winkel - Traumtor (78.)! Lewandowski setzt in der 85. Minute mit dem 3:0 den Schlusspunkt.

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DFB-Pokalfinale: Ein Schuss, kein Tor, der Manu!

Matchwinner Neuer: Die Älteren werden sich daran erinnern, dass Neuer mal ein Weltklassetorhüter war. In den vergangenen zwei Jahren war davon auch aufgrund zweier schwerer Verletzungen wenig zu sehen. Gegen Leipzig zeigt er bei der Parade gegen den Poulsen-Kopfball in der ersten Hälfte und der Rettungsaktion gegen Forsberg zweimal seine ganze Klasse. Da war er auf einmal wieder, der alte Neuer. Eine Wiedergeburt in eigener Sache.

Neuer rettet gegen Forsberg
Hendrik Schmidt/dpa

Neuer rettet gegen Forsberg

Rekordmann Robert: "In den wichtigen Spielen trifft er nicht", so hört man oft. Nun ja. Lewandowki hat nun sechs Treffer in einem Pokalfinale erzielt - zwei mehr als die bisherigen Mit-Rekordhalter Gerd Müller und Uwe Seeler. Zudem hat er sich mit sieben Toren den Titel Torschützenkönig im Pokal-Wettbewerb 2018/2019 gesichert - zum dritten Mal im Folge, zum vierten Mal insgesamt. Damit liegt er nun auf Platz eins, gleichauf mit dem Kölner Hannes Löhr.

Delling sagt Tschüss: Gerhard Delling hatte am Spielfeldrand seinen letzten Einsatz für die ARD. Nonchalant wie gewohnt entlockte er seinen Gästen mehr ("Den Leipziger Fans ist es zu gönnen", Arne Friedrich) und weniger ("Wer hier ist, muss genießen", Niko Kovac) spektakuläre Aussagen. Und brachte ganz nebenbei auch noch Ralf Rangnick als neuen Bayerntrainer ins Spiel. Zum Dank für all die Jahre gab's von DFB-Direktor Oliver Bierhoff ein Trikot der Nationalmannschaft.

Rib & Rob & Ralf: Es wurde getätschelt, es wurde umarmt, es wurde das ein oder andere Tränchen verdrückt. Arjen Robben und Franck Ribéry standen am Ende ihrer erfolgreichen Bayern-Karriere zum Schlusspfiff auf dem Platz. Robben hatte in der letzten Minute im gegnerischen Strafraum wie zum Hohn sogar noch einmal quergelegt. Der Schock über diesen Umstand war so groß, dass niemand vollenden wollte. Das überraschende Ende einer Ära. Auf der Gegenseite saß Rangnick zum letzten Mal als Trainer auf der Bank des Finaldebütanten Leipzig, bevor Julian Nagelsmann übernimmt. Auf seinen zweiten Erfolg im DFB-Pokal musste er dabei verzichten - geschlagen von der individuellen Klasse des Gegners.

Fanden nicht zueinander: der Pokal und Ralf Rangnick
Tobias Schwarz/AFP

Fanden nicht zueinander: der Pokal und Ralf Rangnick

Kovac holt das Double: Zum dritten Mal in Folge im DFB-Pokalfinale, zum zweiten Mal Mal hintereinander Pokalsieger: Kovac hat als erster Trainer in der Geschichte des DFB-Pokals mit zwei unterschiedlichen Klubs in aufeinander folgenden Spielzeiten in diesem Wettbewerb reüssieren können. Die Bayern-Fans huldigten ihn nach Schlusspfiff mit lautstarken Sprechchören. Der Anfang von etwas Neuem, als das Ende sich bereits anzudeuten schien? Diese Stimmung lag bei dem versöhnlichen Ende einer turbulenten Bayern-Saison in der Luft.

RB Leipzig - Bayern München 0:3 (0:1)
0:1 Lewandowski (29.)
0:2 Coman (78.)
0:3 Lewandowski (85.)
RB Leipzig: Gulácsi - Klostermann, Konaté (82. Haidara), Orban (70. Upamecano), Halstenberg - Adams (65. Laimer), Kampl - Sabitzer, Forsberg - Poulsen, Werner
Bayern München: Neuer - Kimmich, Süle, Hummels, Alaba - Martínez (65. Tolisso), Thiago - Gnabry (73. Robben), Müller, Coman (87. Ribéry) - Lewandowski
Schiedsrichter: Stieler
Gelbe Karten: Upamecano / Lewandowksi
Zuschauer: 77.293 (ausverkauft)



insgesamt 51 Beiträge
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cvdheyden 25.05.2019
1. Ich zitiere
Zitat SPON: "Ja, sportlichen Erfolg kann man kaufen." Zitatende. Vielleicht sollten die Bayern einfach noch mehr Geld ausgeben, damit es noch langweiliger wird.
oberfrange 26.05.2019
2.
Ach wie toll und "gar nicht" langweilig. Bayern hat gewonnen. Ich selbst suche an solchen Abenden mittlerweile mehr und mehr fußballfreie Zonen auf, so auch heute. Zum Glück gibt es die noch. Wem das vorhersehbare Fußballbusiness noch gefällt, bitteschön. Mir hat das Bier in Ruhe mit Freunden heute abend besser geschmeckt. PS Ich habe selbst mal mit Begeisterung Fußball gespielt, aber die Identifikation mit dem Sport in den letzten Jahren völlig verloren. Ein Bierchen ist sicher auch besser für die Gesundheit als ein Kreuzbandriss.
fritz_64 26.05.2019
3. Ein kluger Trainer hat einmal gesagt
nach einem Sieg habe ich 6 Spieltage Zeit um weiterzumachen, bei den Bayer könnte es etwas weniger seid. Glückwunsch an Nico Kovac und die Mannschaft
meresi 26.05.2019
4. Keine Schande
gegen die Bayern, bei denen es um alles ging, zu verlieren. Da hat halt die die gesammelte Erfahrung einer Mannschaft zugeschlagen. Leipzisch, eure Zeit kommt noch, obwohl ich mich frage, wo war Werner und seine Tore? und ist Nagelsmann der Richtige für diese Truppe ? Gratulation an den verdienten Sieger, aber auf die Knie geh ich trotzdem nicht.
naive is beautiful 26.05.2019
5. Ribéry und Robben bekommen verdienten Abschied...
...und Bayern kauft sich derweil fleißig eine neue Luxus-Mannschaft zur Sicherung ihrer Bundesliga-Dominanz zusammen - mit allen lästigen Nebeneffekten wie z.B. die Aussortierung und Vereammschung vermeintlich überflüssiger Spieler, die man irgendwann mal als irgendwie wichtig erachtete. Ob das die Bayern auch an die europäische Spitze katapultieren kann, möchte ich herzhaft bezweifeln (gegen russischen Investitionen in europäische Ligen war anscheinend noch nie gut Kirschen essen)...
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