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Bayerns Supercup-Triumph Revanche im Sommerkick

Der erste Titel der Saison ist vergeben: Bayern München hat nach fünf Pleiten in Folge Borussia Dortmund bezwungen - und ist neuer Supercup-Sieger. Der Rekordmeister war vor allem in der ersten Hälfte stark. Beim BVB fand Zugang Marco Reus noch nicht die richtigen Laufwege.

Jürgen Klopp tobte. Der Trainer von Borussia Dortmund hüpfte, riss sich die Kappe vom Kopf, stürmte einige Meter auf den vierten Offiziellen zu. Kurz zuvor war Bayern-Verteidiger Philipp Lahm im eigenen Strafraum mehr an der Brust denn am Arm angeschossen worden. Klopp wollte dafür einen Elfmeter haben, es wäre für den BVB die Chance zum 2:2 gewesen. Aber der Pfiff blieb aus, Dortmund musste sich dem Rekordmeister aus München in dessen Heimspielstätte geschlagen geben.

Der FCB-Flügelstürmer Arjen Robben sagte nach der Partie, dass der Sieg "ganz wichtig" gewesen sei: "Wir mussten endlich ein Zeichen setzen." Auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß pustete nach dem ersten Sieg seines Clubs im sechsten Aufeinandertreffen mit dem BVB kräftig durch und stand grinsend in den Katakomben des Münchner Stadions.

Die Szenen zeigten, dass es nicht nur ein Sommerkick war, sondern ein Spiel mit großen Emotionen. Die Partie war im Vorfeld mit allerlei Überhöhungen aufgeladen worden: Der Geschäftsführer der Deutsche Fußball Liga, Holger Hieronymus, pries das Duell als Äquivalent zum spanischen "Clásico" an, dem Aufeinandertreffen zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona. Die Worte Revanche, Derby und Wachablösung geisterten durch viele Medien. Kein Wunder: Hatte der BVB doch die vergangenen fünf Duelle gewonnen, zuletzt das DFB-Pokalfinale.

Klopp muss Zugang Reus korrigieren

Das Spiel zeigte dann, dass sich die beiden besten Bundesligaclubs der abgelaufenen Saison noch mächtig steigern müssen, um bis zum ersten Spieltag in knapp zwei Wochen Wettkampfform zu erreichen. Dortmund muss beispielsweise mehr als erwartet an seiner bisherigen Statik arbeiten. Das zentrale Mittelfeld, das aufgrund der Ausfälle von Sven Bender (Leisten-Operation) und Sebastian Kehl (Reizung im Knie) mit Ilkay Gündogan und Moritz Leitner in der defensiven Formation begann und von Zugang Marco Reus in der Offensive komplettiert wurde, wirkte ungeordnet.

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BVB vs. Bayern: Schnelle Entscheidung im Supercup

Foto: Martin Rose/ Bongarts/Getty Images

Insbesondere im ersten Durchgang stimmten die Laufwege im eigentlichen Vorzeige-Mannschaftsteil des BVB nicht ansatzweise. Das führte sogar dazu, dass Klopp nach knapp 40 Minuten Reus an die Linie rief und gestenreich auf ihn einredete. "Wir haben uns über seine Laufwege unterhalten. Die haben einfach nicht gestimmt. Ich habe es ihm noch mal erklärt, danach war es besser." Reus, der das Erbe von Shinji Kagawa antritt, scheint insbesondere im Spiel gegen den Ball erheblichen Nachholbedarf in Sachen Abstimmung zu haben.

Mandzukic will nicht nur Gomez-Tore beklatschen

Klopp bemängelte auch die Konzentrationsfähigkeit, allerdings bei seinem gesamten Team: "Die ersten 20 Minuten der Partie haben wir vollkommen verschlafen." Woran es in dieser Phase jedoch gemangelt hatte, in der beide Tore zur Münchner 2:0-Führung fielen, konnte Klopp nicht sagen: "Ich brauche keine Erklärung dafür. Es reicht, wenn wir das einfach abstellen."

Die Bayern scheinen schon wesentlich weiter zu sein. Die Heynckes-Mannschaft zeigte ein deutlich kompakteres Pressing, stand auch in der eigenen Spielfeldhälfte viel sicherer. Zumeist arbeiteten gleichzeitig drei Spieler gegen den Ballführenden - eigentlich gilt dies als Spezialität des BVB. Zudem zeigte der Münchner Zugang Mario Mandzukic, dass er nicht nur nach Bayern gewechselt ist, um die Tore von Mario Gomez zu beklatschen.

Noch viel Arbeit für beide Teams

Der Kroate spielte gegen den BVB stark - und das nicht nur wegen seines Führungstors. Vor allem Mandzukics Fähigkeit, die Bälle anzunehmen, zu halten und weiterzupassen, eröffnete dem Münchner Angriffsspiel völlig neue Möglichkeiten. Anders als Gomez, mit dem ein Kombinationsspiel aufgrund seiner technischen Probleme unmöglich ist, band Mandzukic auch Frank Ribéry, Arjen Robben, Thomas Müller und Toni Kroos in die Angriffe ein. München wirkte offensiv insbesondere im ersten Durchgang unberechenbar.

Doch auch die Bayern-Stärken wirkten noch keineswegs ausgereift. Vielleicht lag es am Kraftverlust oder den Einwechslungen, aber der FCB gab im zweiten Durchgang die Spieldominanz fast vollständig an den BVB ab. Die Münchner schafften es nur noch selten, einen Konter zu fahren, während Dortmund zahlreiche Großchancen kreierte.

Auf beiden Seiten fehlte es jedoch an letzter Entschlusskraft, an der Überzeugung, das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Das ist wohl das Los eines Sommerkicks in der Saisonvorbereitung. Die Bundesligasaison fängt eben erst in zwei Wochen an. Dann wird man sehen, wo beide Teams tatsächlich stehen.

Bayern München - Borussia Dortmund 2:1 (2:0)
1:0 Mandzukic (6.)
2:0 Müller (11.)
2:1 Lewandowski (75.)
München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Can (70. Bastuber) - Kroos, Gustavo - Robben (86. Shaqiri), Müller, Ribéry (81. Tymoshchuk) - Mandzukic
Dortmund: Weidenfeller - Pizcek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Leitner (64. Götze), Gündogan - Blaszczykowski (71. Schieber), Reus, Großkreutz (64. Perisic) - Lewandowski
Schiedsrichter: Weiner
Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Gustavo, Can, Mandzukic, Robben - Schmelzer

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