Bayern München beim Audi Cup Die Neuen glänzen

3:0 gegen den AC Mailand - und der Sieg hätte noch höher ausfallen können. Der FC Bayern zeigte sich im Testspiel in starker Form, besonders Arturo Vidal und Douglas Costa ragten heraus. Mario Götze äußerte sich verhalten zu seiner Zukunft.

AP/dpa

Von Sebastian Winter, München


Das Spiel lief nicht einmal eine Minute, als Arturo Vidal schon Szenenapplaus der 70.000 Zuschauer im Münchner Stadion bekam. Der Chilene hatte den Ball mit einem aggressiven Tackling ins Seitenaus gegrätscht und so den Spielaufbau des AC Mailand zerstört.

"Ich werde Schritt für Schritt die Liebe der Fans und des Vereins gewinnen und jede Chance nutzen, um in die Startelf zu rutschen", hatte der 28-jährige Zugang des FC Bayern noch vor einer Woche bei seiner Vorstellung in München gesagt - und manchmal braucht es nur eine kleine Szene wie jene zu Beginn dieses Testspiels am Dienstagabend, um sich zumindest großen Respekt zu sichern.

3:0 haben die Bayern den AC Mailand im Halbfinale des Audi Cups bezwungen, dieses hochkarätig besetzten Vorbereitungsturniers, das nach dem Erfolg Real Madrids gegen die Tottenham Hotspur noch vor dem eigentlichen Saisonstart ein Traumfinale bereithält: Bayern gegen Real.

Das Ergebnis hätte eigentlich noch deutlich höher für die Münchner ausfallen müssen, sie hatten gegen Mailand viele gute Chancen. Doch es ging an diesem Abend nicht um die Chancenverwertung, es ging auch eher am Rande um das harte Foul von Mailands Kapitän Nigel de Jong an Joshua Kimmich, das Bayern-Trainer Josep Guardiola zum Anlass nahm, um de Jong auf dem Weg in die Halbzeitpause lautstark zusammenzufalten. Kimmich hatte nach dem Foul verletzt ausgewechselt werden müssen.

"Ich lasse das mal auf mich zukommen"

Der Fokus dieses ersten Härtetests lag eher auf den ungemein starken FCB-Neulingen Vidal und Douglas Costa. Und auf dem Torschützen zum 2:0, Mario Götze.

Götze hatte sehr engagiert gespielt, nach seinem Treffer schlug er sich mehrmals mit der Hand auf das Bayern-Emblem an seinem Trikot. Es ist eigentlich ein Zeichen für tiefe Verbundenheit zu seinem Klub und keines, das auf einen nahen Abschied hindeutet. Doch dann offenbarte Götze nach dem Duschen, wie sehr die vergangene Zeit und die fehlenden Einsätze an ihm gezehrt hatten: "Natürlich war es in den letzten zwei Jahren nicht ganz so einfach", gab Götze zu: "Ich denke, heute habe ich ein ganz gutes Spiel gemacht."

Es werde sich herausstellen, ob der Trainer nun öfter mit ihm spreche. Und was seine Zukunft betrifft: "Ich lasse das erst mal auf mich zukommen." So sehr hat Götze seinen Verbleib in München noch nie infrage gestellt. Öffentlich zumindest.

Währenddessen präsentierten sich Vidal und Douglas Costa in den 45 Minuten, die sie spielen durften, sehr eindrucksvoll: Kurz nach Vidals erfolgreichem Tackling setzte Costa einen Freistoß aus knapp 20 Metern knapp über das Milan-Tor, in der 28. Minute ließ Vidal eine scharfe Hereingabe von Costa clever passieren, doch Pierre-Emile Højbjerg lenkte den Ball mit der Brust nur an den Außenpfosten. Fünf Minuten später vergab Costa eine Doppelchance, kurz danach setzte Vidal einen Kopfball im Fallen an die Latte. Es war eine Zwei-Mann-Show der Neuen mit einigen Nebendarstellern.

Costa und Vidal sind jetzt schon Verstärkungen

Vidal und Costa heben das Bayern-Spiel nochmals auf eine andere Ebene. Sie machen es flexibler, das ist schon jetzt ersichtlich, nach dem Supercup gegen Wolfsburg und dem Spiel gegen Mailand. Dabei sind sie völlig unterschiedliche Spielertypen.

Costa ist extrem schnell, ein brillanter Techniker, der hohe, weite Flanken lässig stoppen kann. Er überlistet seine Gegner, sprintet gerne bis an die Torauslinie und schlägt von dort präzise Flanken vors Tor. Eine Eigenschaft, die Juan Bernat auf der linken Seite nicht hat und die auch dem eigensinnigeren Franck Ribéry mitunter fehlt. Nach Kimmichs Aus wechselte der beidfüßig veranlagte Costa auf die rechte Seite - und spielte dort genauso stark weiter.

Vidal überzeugte nicht nur im Gegenpressing, sondern auch mit seinen scharfen Pässen in die Schnittstellen, er dirigierte die Mannschaft außerdem schon in seinem zweiten Spiel. Er ist ein harter Spieler, sein Zweikampfverhalten ist grenzwertig, aber genau so einen Typen hatten die Bayern lange Zeit nicht.

"Bis jetzt macht er einen super Eindruck, sowohl auf als auch neben dem Feld in der Kabine. Wir sind viel am Lachen. Mit dem Deutsch hapert es ein bisschen, aber vielleicht klappt das ja auch noch", beschrieb FCB-Mittelfeldspieler Sebastian Rode seinen neuen Kollegen. Der erste Eindruck zählt. Vidal und auch Costa haben in dieser Hinsicht schon sehr viel richtig gemacht.



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gnarze 05.08.2015
1. Die Neuen
hab von Costa gar nicht so viel erwartet, bin aber sehr positiv überrascht, da wird es ein Ribery - insofern er mal wieder genesen wird - schwer haben. Vidal ist Vidal, ein perfekter Einkauf für das Team, auch wenn es Pep vielleicht nicht so sehen wird. Die Bayern sind 2015/2016 noch flexibler geworden, ggfs. würde ein weiterer Stürmer noch nötig sein, dieser Ein-Mann-Angriff ist dann doch zu wenig, wenn ein Costa gute Flanken schlägt, braucht es halt noch mehr als einen Lewandowski, der sie auch verwerten kann.
mandermin 05.08.2015
2. Mario Götze
Gemessen am öffentlichem Ansehen und der Form, die er bei Borussa Dortmund hatte, hat er mit seinem Wechsel zum FCB alles falsch gemacht. Gemessen am Bankkonto alles richtig. Was Vidal betrifft: Eine echte Verstärkung, klasse Transfer!
maxehaxe 05.08.2015
3.
Grade bei Herrn Götze ist das Huldigen des Vereinsemblems erfahrungsgemäß natürlich unglaublich viel wert...
Hannes2 05.08.2015
4. Wie kann das sein,
dass die Bayern so deutlich besser spielen? Wurde eigentlich mit den Toren der letzten Jahre verglichen? Die Leistungssteigerung ist höchst verdächtig. Die Spieler sehen im Gesicht auch alle so entspannt aus, während die Gegner schwitzen und keuchen.
pb-sonntag 05.08.2015
5.
Nun, es geht ja auch um eine bedeutungslose AUDI-Radkappe. Da muss man sich auch als Bayern Spieler anstrengen. Schließlich ist das ein Hauptsponsor.
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