Bayern München Im Spaziergang zum Gruppensieg

Mit einem entspannt herausgespielten 2:1 gegen Rosenborg Trondheim hat Bayern München sich am vorletzten Spieltag der Zwischenrunde den Sieg in der Gruppe C gesichert. Im Viertelfinale der Champions League hat der Deutsche Meister nun im Rückspiel Heimrecht.


Kuffour und Tarnat (v.l.) beglückwünschen ihren Teamkollegen Scholl zum geglückten Freistoß
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Kuffour und Tarnat (v.l.) beglückwünschen ihren Teamkollegen Scholl zum geglückten Freistoß

München - Jetzt ist die Luft endgültig raus. Nach dem im Schongang eingefahrenen 2:1 (2:0)-Erfolg gegen Rosenborg Trondheim hat der FC Bayern München mit dem Gruppensieg auch das letzte Ziel in der Zwischenrunde der Champions League erreicht und reist in der kommenden Woche nur noch zum Geld abholen nach Kiew. "Wir wollen uns auch dort die Prämie sichern, verschenken brauchen wir das Geld ja nicht", beschrieb Mehmet Scholl die Motivation, die dem deutschen Meister für das letzte Gruppenspiel geblieben ist. 600.000 Mark gibt es als Fixum für den Auftritt bei den Dynamos, die im Fernduell mit Real Madrid noch um das Viertelfinal-Ticket kämpfen. Mit einem Sieg könnten die Bayern ihre Kiew-Gage auf 1,2 Millionen Mark verdoppeln.

Scholl hatte gut Reden. Der 29-Jährige war am Mittwoch vor 20.000 Zuschauern im Olympiastadion der Gewinner des Abends. Wie schon bei den beiden Gala-Auftritten gegen Real Madrid erzielte er wiederum das 1:0 (11.), diesmal mit einem sehenswerten Freistoß. Als Ideengeber im Mittelfeld verdiente er sich an Stelle des geschonten Kapitäns Stefan Effenberg sogar ein Sonderlob seines Trainers. "Mehmet hat sich sehr gut entwickelt und ist schon lange ein Führungsspieler. Früher hat er mehr an sich gedacht, jetzt denkt er vor allem an die Mannschaft und den FC Bayern. Er ist sehr stark geworden", sagte Ottmar Hitzfeld.

Als i-Tüpfelchen befreite sich das Schlitzohr vom lästigen Betriebsausflug in die Ukraine, den Hitzfeld aus Rücksicht auf den Bundesliga-Titelkampf "drei, vier Spielern" ersparen will. Nach dem Foulelfmeter von Paulo Sergio (39.) riss sich Scholl vor den Augen von Schiedsrichter Alfredo Trentalange das Trikot vom Leib ("ich wollte es Paulo schenken") und sah prompt die dritte Gelbe Karte. "Was nach außen wie eine Dummheit aussah, war der eleganteste Weg, um die Sperre gegen Kiew abzusitzen", erklärte Scholl. Kollege Markus Babbel, der sich in der Schlussphase mit einem absichtlichen Handspiel ebenfalls die dritte "Gelbe" abholen wollte, wurde dagegen vom Italiener nicht mit einer Kiew-Sperre "belohnt".

Ansonsten lief aber alles nach Plan für die Bayern. "Wir sind Gruppenerster, das ist das Wichtigste", meinte Alexander Zickler, der diesmal nur den Pfosten traf (84.). Bis zum Anschlusstor durch Rosenborgs Torjäger John Carew, den Borussia Dortmund verpflichten will, "haben wir ein gutes Spiel gemacht", urteilte Hitzfeld. Das galt auch ausdrücklich für die Viererkette, die der Trainer im ersten Europapokalspiel nach Lothar Matthäus ausprobierte. Patrik Andersson überzeugte im Verbund mit Samuel Kuffour als deren Chef, trotzdem war der Schwede nicht zufrieden: "Wir wollten hinten die Null halten." Für eine System-Debatte - Viererkette oder Libero? - taugte das Spiel jedoch nicht, weil es um zu wenig ging. "Wichtig ist, dass man gewinnt, egal mit welchem System", bemerkte Torwart Oliver Kahn.

Während die Bayern entspannt und hoffnungsfroh nach vorn schauen (Fink: "Eine Final-Revanche gegen Manchester, das wär's"), haderten die Trondheimer nach der ersten Niederlage auf deutschem Boden über ihr wiederholtes Pech mit dem Schiedsrichter. Manager Rune Bratseth war hochgradig erzürnt über den Elfmeterpfiff (Basma sperrte Sergio) und den späten Platzverweis für Bragstad wegen Meckerns (90.). "Es ist einfach zum Kotzen. Wir haben als kleine Nation sowieso Nachteile und müssen nicht auch noch vom Schiedsrichter benachteiligt werden", schimpfte der ehemalige Bundesliga-Profi des SV Werder Bremen.



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