Bayern-Sieg über Leverkusen Gestatten, Leipzig-Jäger

Der Präsident sah zum Wiedereinstieg gleich einen Sieg: Der FC Bayern besiegte Leverkusen unter den Augen von Uli Hoeneß und ist wieder in der Spur. An die Rolle als Jäger muss sich das Team aber noch gewöhnen.

David Alaba (l.), Manuel Neuer und das Bayern-Maskottchen
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David Alaba (l.), Manuel Neuer und das Bayern-Maskottchen

Aus München berichtet Florian Kinast


Als das Spiel vorbei war, erhob sich der Präsident von seinem Sitz und klatschte in die Hände, viermal. Ein kurzer, knapper Applaus für die Mannschaft unten auf dem Platz, die das Spiel gerade mit 2:1 (1:1) gegen Bayer Leverkusen gewonnen hatte. Es folgte ein kurzer Plausch mit Aufsichtsratsboss Herbert Hainer neben ihm, dann machte sich Uli Hoeneß mit Frau Susi auf den Weg in den Ehrengastbereich im Stadioninneren.

Kommentieren wollte der Mann des Wochenendes die Partie nicht mehr, wartenden Reportern warf er im Vorbeigehen ein knappes "Danke" hin, er wirkte zufrieden, aber weit weg von jeglicher Euphorie. Am Abend zuvor, bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten, war seine Stimmung deutlich besser.

Vor dem Spiel hatte Hoeneß noch gesagt: "Ich war gestern sehr emotionalisiert und betroffen, ich habe einen wunderbaren Abend gehabt." Wunderbar war das Abendspiel gegen Leverkusen wahrlich nicht. Und doch extrem bedeutsam.

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Hoeneß' Laune nach Abpfiff entsprach der ganz allgemeinen Gesamtbefindlichkeit der Mannschaft. Nach den beiden Niederlagen gegen Dortmund und Rostow herrschte vor allem Erleichterung, endlich mal wieder gewonnen zu haben. "Es lässt sich heute ganz angenehm ins Bett gehen", sagte Thomas Müller, "der Sieg war enorm wichtig, weil wir damit wieder drei Punkte dran sind an Spitzenreiter Leipzig." Spieler des FC Bayern, die über die Jagd auf den Tabellenführer sprechen und das Dransein an Platz eins, daran muss man sich immer noch erst gewöhnen.

Müller war auch im zwölften Bundesligaspiel der Saison ohne Tor geblieben, und bevor nach seiner erneut schwachen Leistung weitere Fragen zu seiner Misere aufkamen, schritt er dann gleich wieder von dannen. Etwas schmallippig und kurz angebunden wirkte auch Philipp Lahm, der Kapitän, wie schon in den vergangenen Wochen. Auf die Frage, warum er im Mittelfeld gespielt habe und nicht als rechter Verteidiger, erwiderte er: "Da müssen Sie den Trainer fragen, was sein Gedanke war." Und als es darum ging, ob die Trainingsarbeit zuletzt nicht ganz so hart gewesen sei, meinte er mit einem grimmigen Blick: "Doch. War sie."

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Noch nicht lange her, da stand Lahm nach souverän gewonnen Heimspielen an gleicher Stelle und durfte erklären, warum es so rund läuft und warum ein Gegner nach dem anderen nach Belieben abgefertigt wird. Nun muss er sich immer rechtfertigen, selbst am Samstag nach einem Sieg, es war ihm anzumerken, wie sehr ihn das nervt. "Man braucht einfach Zeit", sagte Lahm, "wir haben einen neuen Trainer mit einer neuen Idee, die Automatismen müssen erst wieder trainiert und einstudiert werden. Wir sind in einer Phase, wo wir hart arbeiten müssen. Dass wir uns verbessern können, steht außer Frage."

Lahms Laune hätte aber noch weitaus schlechter sein können, hätte Schiedsrichter Marco Fritz nach 82 Minuten auf Elfmeter für Leverkusen entschieden. Javi Martinez hatte in höchster Not einen Kopfball von Kevin Volland kurz vor der Torlinie mit ausgestrecktem Arm abgewehrt, eine beachtliche Glanzparade, die zum Glück für die Bayern ungeahndet blieb.

Eine Szene, über die sich Trainer Roger Schmidt wenig echauffierte ("Schwierig für den Schiedsrichter zu sehen"), die dafür aber Bayer-Sportdirektor Rudi Völler mächtig in Rage brachte: "Das ist eine klare Rote Karte für Martinez, ein ganz klarer Elfmeter. Auch wenn wir die Letzten nicht reingeschossen haben, aber den Elfmeter hätte ich trotzdem gerne gehabt."

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Und einmal in Fahrt, legte Völler gleich noch nach: "Fußball ist gar nicht so kompliziert. Manchmal sind es ganz banale, einfache Dinge, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Wenn Elfmeter ist, dann ist Elfmeter - und das muss man einfach mal sehen." So war es ein letztlich glücklicher Sieg, in der Fußballersprache sagt man dazu auch gerne: ein dreckiger Sieg. Oder wie Carlo Ancelotti es formulierte: "Manchmal ist es wichtiger zu gewinnen, als gut zu spielen."

Weitaus bemerkenswerter war noch eine Aussage von Uli Hoeneß vor Spielbeginn bei "Sky", zu seinen Äußerungen am Vorabend, als er die Konkurrenten aus Dortmund und Leipzig als "Feind" bezeichnet hat. Nun ruderte Hoeneß zurück: "In meiner Euphorie habe ich ein völlig falsches Wort gesagt. Feinde gibt es im Krieg, in Irak, in Syrien, aber nicht im Fußball. Das sind Rivalen. Das Wort Feind nehme ich zurück und entschuldige mich dafür."

Der Rivale aus Leipzig wird übrigens drei Tage vor Heiligabend in München antreten, im letzten Spiel vor der Winterpause. Auf diese Partie freut sich Hoeneß jetzt schon. Dann wird er garantiert öfters klatschen als viermal. Und auch nach dem Spiel wieder reden.

Sofern die Bayern denn gewinnen.



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ein_spiegel_leser 27.11.2016
1. Schiedsrichter Geschenk - Lex Bayern - Videobeweis
Schade, dass ausgerechnet die Bayern immer wieder von den Schiedsrichtern bevorzugt wird. Ribery kann eine Tätlichkeit nach der anderen machen ohne eine rote Karte zu erhalten. Und auch ansonsten werden die Bayern einseitig bevorteilt bei strittigen Entscheidungen. Man hat das Gefühl, es gäbe ein Lex Bayern bei den Schiedsrichtern. Es wird Zeit, dass der Videobeweis endlich eingeführt wird.
m.gu 27.11.2016
2. Eine Vorentscheidung fällt erst im Spiel Leipzig gegen München. Jeder Fußball Fan drückt natürlich die Daumen für Leipzig.
Natürlich sind die Bayern schlagbar. Dortmund hat es in den bisherigen 12 Spielen der Bundesliga den anderen Mannschaften vorgeführt. Vielleicht holen auch die Dortmunder in München wenigstens 1 Punkt. Wäre wichtig für die Leipziger, die für mich der diesjährige Favorit auf den Meistertitel sind. Es muss auch eine andere Mannschaft den Meistertitel holen als nur die Bayern.
juergen_ernstt_reimers 27.11.2016
3. FC Bayern München..
sieht sich als Jäger von RB Leipzig? Wie soll das gehen? Es geht doch nur beim direkten Aufeinander treffen, oder? Na-ja, am vorletzten Spieltag der Hinrunde passiert es dann ja. Am dunkelsten Tag des Jahres.., am 21. Dezember 2016. Nur, der FC Bayern wird in Wirklichkeit gejagt und das kann auch der Carlo Ancelotti nicht verhindern. Der Trainer ist am falschen Platz der passt nicht zu "Bayern München", die Spieler.., müssen die "harte Hand" spüren! Und das ist nicht die Art ..von Carlo Ancelotti.
Augustusrex 27.11.2016
4. Wie das so ist
"Spieler des FC Bayern, die über die Jagd auf den Tabellenführer sprechen und das Dransein an Platz eins, daran muss man sich immer noch erst gewöhnen." Ja, ja, Herr Kinast, wenn Sie kein Schulbub wären, dann wüssten Sie, dass die Bayern schon in der Vergangenheit nicht immer automatisch vorn waren. Was die aber immer auszeichnete, sie waren stets in der Lage, nach einiger Zeit, manchmal auch nach Spielzeiten, wieder vorn zu sein.
tangentiale 27.11.2016
5. Die Bayern kann man nur...
...mit den eigenen Mitteln schlagen,und da ist RB Leipzig der einzige Verein der Bundesliga,der das beginnt.Bayern Politik war immer,die Konkurenten zu schwächen,sprich ihnen die besten Spieler wegzukaufen.Mateschitz will mir RB Meister werden,zweite oder dritte Plätze sind für ihn wie auch für die Bayern die ersten Verlierer. Wird interessant zu sehen was daraus wird.Mateschitz investiert nicht aus Jux und Dollerei,Mateschitz will Ergebnisse sehen.Die Formel Eins ist da ein gutes Beispiel.Zwischen Leipzig und Hoffenheim liegen Welten,was die langfristige Strategie betrifft.Die Bundesliga,allem Traditionsdenken zum Trotz,ist einfach nur zu einem großen Geschäft verkommen und die sogenannten Fans merken es noch nicht einmal.Daran hat der FC Bayern leider einen sehr großen Anteil.Es wird die Zeit kommen,wo das Interesse abflaut und dieser Wahnsinn kaum noch einen interessiert.Die Perversität ist erst am Anfang(siehe England)und wird so auf Dauer immer weniger vermittelbar.
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