Bayern-Niederlage bei Atlético Alles auf das Rückspiel

Nach der 0:1-Pleite bei Atlético Madrid schwankt der FC Bayern zwischen Enttäuschung und Zuversicht. Klar ist: Im Rückspiel darf sich das Team Schwächen wie in der Anfangsphase nicht erlauben.

Aus Madrid berichtet Christoph Leischwitz


Es waren letztlich drei Spanier, die ein besseres Ergebnis aus Sicht des FC Bayern München verhindert haben: Thiago, Juan Bernat und Javi Martínez - alle drei spielen beim FC Bayern.

Jeder von ihnen hätte in der elften Spielminute mit einem beherzteren Zweikampfverhalten den spektakulären Sololauf von Saúl Ñíguez verhindern können. So aber führte dieser zu einem Traumtor, dem einzigen des Abends.

Doch die drei erfahrenen Bayern-Spieler ließen sich vom 21-jährigen Junioren-Nationalspieler in Diensten von Atlético Madrid einfach umdribbeln. Und Bayern verlor auch das dritte Halbfinal-Hinspiel in Spanien in Serie. Nach dem 0:1 bei Real Madrid 2014 und dem 0:3 beim FC Barcelona im Vorjahr jetzt ein 0:1 bei Atlético. "Es war eine Pleite für uns, wir haben ein sehr intensives Atlético erwartet und gesehen", fasste ein zerknirschter Thiago den Abend zusammen.

Guardiola wirkte schwer enttäuscht

Die Gesichter waren lang nach dem Spiel, doch öffentliche Schuldzuweisungen an die drei Spanier im Bayern-Dress gab es nach der 0:1-Niederlage nicht. Zumal auch noch David Alaba in jener elften Spielminute die Möglichkeit gehabt hätte, Saúl Ñíguez zu stoppen, auch wenn er damit im Strafraum einen Elfmeter riskiert hätte.

Doch der Gesichtsausdruck von Josep Guardiola Sekunden nach dem Tor sagte alles: Enttäuscht, geradezu empört wandte er sich vom Spielfeld ab. Sein Blick sagte: Ihr macht gerade alles kaputt. "Das darf uns nicht passieren, zumal wir in der Situation in Überzahl waren", sagte auch Kapitän Philipp Lahm. Und ärgerte sich, weil Atlético in der Anfangsviertelstunde zwar gut gespielt hatte, "aber wir haben ja trotzdem in dieser Phase nicht wirklich viel zugelassen".

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Einzelkritik FC Bayern: Verfluchte Anfangsphase

Kleinigkeiten würden entscheiden, oder auch die Tagesform, das hatte der Bayern-Kapitän vor dem Spiel gesagt. Und recht behalten. Wobei die meisten Bayern-Spieler im Laufe der 90 Minuten durchaus noch zu guter Tagesform aufliefen.

"Was man uns vorwerfen kann: Wir haben in der Anfangsphase nicht so gut ausgesehen, obwohl wir es eigentlich so erwartet hatten", sagte Thomas Müller auf dem Weg zum Mannschaftsbus mit leicht angesäuerter Miene. Wie schon im Viertelfinale gegen den FC Barcelona hatte Atlético gleich zu Beginn überfallartig gepresst und zielstrebig nach vorne gespielt. Die Taktik ging einher mit der Stimmung im Stadion. Der Lautstärkepegel insbesondere in den Minuten nach dem Anpfiff war enorm gewesen.

Bayern-Spieler unzufrieden mit dem Rasen

Und noch etwas hat man bei Atlético offensichtlich genauso gemacht wie 13 Tage zuvor gegen Barca: "Der Rasen war stumpf. Da bleibt der Ball einfach stehen." Das sagte nicht nur Torwart Manuel Neuer. Alle Münchener Spieler bemängelten, dass der trockene Untergrund das Kombinationsspiel enorm verlangsamt habe. Der Rasen war selbst auf Bitten des FC Bayern hin nicht gewässert worden. Am Abend zuvor hatte Atlético-Trainer Diego Simeone noch achselzuckend gesagt, er habe keine Ahnung, in welchem Zustand der Rasen sei.

Im Video: Lahm zu den Platzverhältnissen

Die Rasen-Diskussion erklärt das allerdings nicht, warum es in der zweiten Halbzeit für die Bayern deutlich besser lief. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir uns so viele Chancen erarbeiten können", sagte Lahm, das sei in diesem Stadion schon lange keinem mehr in diesem Ausmaß gelungen. Alabas Lattentreffer (54.) und der Kopfball von Javi Martínez aus kurzer Distanz (56.), den Atléticos Torhüter Jan Oblak hielt, machten deutlich: Atléticos Hintermannschaft leistete sich an diesem Abend seltene Stellungsfehler. Doch Bayern nutzte sie nicht.

Jetzt haben die Münchner also erneut in Spanien verloren, zudem erinnerte der Spielverlauf in vielerlei Hinsicht an das 0:1 vor zwei Jahren bei Real Madrid. Trotzdem waren die Spieler für das Rückspiel am Dienstag zuversichtlich: "Das haben wir absolut gelernt in den letzten Jahren, dass wir nicht innerhalb der ersten 15 Minuten das Ergebnis drehen müssen", sagte Lahm. Man werde also nicht mehr in Konter laufen wie damals, bei der anschließenden 0:4-Niederlage im eigenen Stadion. Und klar, der Rasen wird beim Rückspiel ja auch wieder gewässert.

Doch bis dahin müssen viele erst noch ihren Ärger herunter schlucken. Müller gleich doppelt, denn er hatte beim Anpfiff zusammen mit Franck Ribéry überraschend auf der Bank gesessen. "Für Enttäuschung ist in so einem Moment wenig Platz. Da muss man schon schauen, die Emotionen im Griff zu haben", bemühte sich Müller, diplomatisch zu bleiben. Ihm war aber anzumerken, dass er die Entscheidung nicht verstand. Und Ribéry eilte mit ernstem Blick und schnellem Schritt durch die Interviewzone und blieb auch auf Zuruf nicht stehen.

Doch auch für ihn gilt, was Trainer Guardiola nach dem Spiel sagte: "Wir haben noch 90 Minuten." Mindestens.

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Champions League: Hart, aber torlos


insgesamt 74 Beiträge
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jujo 28.04.2016
1. ...
Mir ist der Plan des FCB Trainers mit seiner Aufstellung und die damit verbundene Taktik nicht verständlich geworden. Kann mir das jemand erklären?
vhn 28.04.2016
2. Kein Beinbruch
Man kann nicht erwarten, auf dem Niveau auswärts zu gewinnen bzw unentschieden zu spielen. Mit etwas Glück hätte es auch 1:1 ausgehen können. Aber wer die CL gewinnen will, der muss eben auch Athletico zu Hause besiegen können. Vorgezogenes Finale am Dienstag. Auf geht's!
Adlatus 28.04.2016
3. Pep, ein Hasenfuß
Oder will er als Spanier nicht, dass die Bayern im Endspiel gegen Madrid auflaufen. Er ist doch Katalane und somit müßte er doch alles daran setzen in das Finale zu kommen? Wie kann mit mit einem außer Form spielenden Thiago und einem altenden Alonso beginnen? Soe ine Aufstellung ist die Aufstellung eines Hasenfußes. Hätte Dortmund so in Berlin im Pokalhalbfinale gespielt, die Hertha stünde heute im Endspiel um den DFB-Pokal. Entweder er machte einen auf Herberger oder er traut den deutschen Spielern nicht.
nummer50 28.04.2016
4. Alles drin
Für das Rückspiel ist noch alles drin, Bayern schiesst in München auf jeden Fall ein Tor, sie sollten halt keines bekommen. Im gestrigen Spiel wäre ein Unentschieden verdient gewesen, allerdings wenn es dumm läuft verlierste auch 2 zu 0, und dann wäre das Finale ganz weit weg. Ich bin zuversichtlich, das wird nächsten Dienstag was.
dirk.resuehr 28.04.2016
5. Trainer
den Hype um Guardiola verstehe, wer will. Das Ergebnis ist kümmerlich, Zweikämpfe, Pässe, Geschwindigkeit, Torschüsse, Flanken-mich schmerzt der Mund vom Aufzählen der Mängekl in Bayerns Spiel; Keine Chance gegen schnelle, technisch begabte Leute.
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