Bayern nach Sieg gegen Nürnberg Schwarz-gelbe Spielverderber

Dortmunds Derbysieg trübt beim FC Bayern die Freude über das klare 3:0 gegen Nürnberg. Die Zwischenstände aus Schalke sorgen während des Spiels für Frust. Und Trainer Kovac hofft, dass Tabellenführer Dortmund nervös wird.
Robert Lewandowski

Robert Lewandowski

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Manuel Neuer wirkte zerknirscht, eine halbe Stunde nach Abpfiff. "Das ist schon ärgerlich", grummelte der Torwart und Kapitän des FC Bayern - und meinte die Terminierung der Partien an diesem Bundesliga-Samstag. "Schade, dass es zur gleichen Zeit stattgefunden hat, so ein Spiel will man natürlich sehen." Neuer bezog sich auf das brisante Parallelduell zwischen Schalke und Dortmund, das auch wesentlich spannender und prickelnder war als das andere Derby an diesem Tag, das einseitige3:0 seiner Bayern gegen Nürnberg.

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Bayern gegen Nürnberg: Auch ein Derby

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Den Ruhrpottschlager nicht gemütlich live vor dem Bildschirm verfolgen zu können, wäre freilich verschmerzbar gewesen. Viel bitterer war für Neuer die Erkenntnis, dass seine Ex-Schalker nicht punkten konnten - und Dortmund somit weiter neun Punkte vor den Bayern liegt. Bevor die Mannschaft zur vereinsinternen Weihnachtsfeier ins "Palais Lenbach" in der Münchner Innenstadt aufbrach, herrschte daher auch Ernüchterung im Team.

Die Kunde aus Gelsenkirchen trübte tatsächlich das unbeschwerte Glücksgefühl über die Rückkehr des lange vermissten Erfolgserlebnisses. Eigentlich gab es ja viel zu feiern: Der erste Bundesliga-Heimsieg seit Mitte September, das 3:1 gegen Leverkusen. Damals war noch Sommer, jetzt ist zweiter Advent. Das erste Bundesliga-Heimspiel dieser Saison ohne Gegentor. Am 13. Spieltag! Und das erste Ligaspiel zu Null seit dem 2:0 auf Schalke, damals schrieb man den 22. September.

Es war an diesem Samstag zu spüren, dass die Bayern unter Niko Kovac nun doch allmählich zu sich finden. Mit der Doppel-Sechs um Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Mit Thomas Müller als Zehner hinter Robert Lewandowski. Alles erfreulich. Wäre eben nicht das Spiel auf Schalke gewesen.

Einige Spieler schilderten die Momente, als die Zwischenstände aus Gelsenkirchen vermeldet wurden. "Da schaut man natürlich hoch", sagte Thomas Müller, als der Schalker Ausgleichstreffer durch Daniel Caliguri aufleuchtete, akustisch untermalt vom Jubel des Publikums in der Münchner Arena, der gefühlt frenetischer ausfiel als bei allen drei Bayern-Toren zusammen. "Klar kriegst du das mit, und natürlich hoffst du, dass der Konkurrent strauchelt."

Blick auf die Zwischenergebnisse

Ähnlich klang es bei Manuel Neuer. "Wenn ich hinten stehe, nichts zu tun habe und die Zwischenergebnisse angezeigt werden, dann bin ich natürlich auf dem Laufenden." Gegen die offensiven ganz schwachen Nürnberger, die mit ihrer erfrischenden Harmlosigkeit ihre Abstiegsambitionen nachdrücklich untermauerten, hatte Neuer wahrlich viel Zeit für den Blick auf die Tafel. "Ich habe auch die Meldung vom 2:1 von Sancho nach 74 Minuten registriert, hätte aber gerne noch den Schalker Ausgleich gesehen." Doch auf die Einblendung des 2:2 warteten Neuer und seine Bayern vergebens.

Aussagen, die bezeichnend waren für das neue Bayern-Gefühl. In den vergangenen Jahren gab es bei Heimspielen der Bayern nichts Belangloseres als Zwischenstände aus anderen Stadien. Ob Dortmund, Schalke oder Leipzig führten oder zurücklagen, interessierte nicht wirklich, weil die Bayern die Bundesliga eh nach Belieben dominierten. Ob man dann mit 22 Punkten Vorsprung Meister wird oder mit 19, wen juckt's. So war das früher.

Doch jetzt müssen sie plötzlich nach oben schauen, und das in zweifacher Hinsicht.

In der Bundesligatabelle als Zweiter hinter Dortmund. Und deswegen eben auf die Anzeigetafel. Weil sie es nicht mehr in der eigenen Hand haben, abhängig sind von Pleiten des Rivalen.

Niko Kovac

Niko Kovac

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Dortmund strauchelt einfach nicht

Auch Niko Kovac wirkte leicht frustriert. Erst vor gut zwei Wochen hatte er erklärt, man wolle den Rückstand auf Dortmund bis zur Winterpause verkürzen. Damals lagen die Bayern sieben Punkte hinter dem BVB. Dann folgte das peinliche 3:3 gegen Düsseldorf. Seitdem sind es neun Punkte. Und es werden nicht weniger. Weil sie einfach nicht patzen, diese Spielverderber in schwarz-gelb.

"Dortmund macht keine Fehler", konstatierte Kovac nach Abpfiff und versuchte, eine potenziell anstehende Nervosität beim Tabellenführer angesichts der Gedanken an die mögliche Meisterschaft zu prognostizierten. "Wenn in Dortmund der ein oder andere anfängt nachzudenken, vielleicht besteht die Möglichkeit, dass wir die Gunst der Stunde nutzen." Kovac sagte auch noch einen interessanten Satz: "Wir sind gewillt, bis zum Schluss dranzubleiben." Es klang nach der vagen Hoffnung, vielleicht zum Saisonende noch an Dortmund vorbeizuziehen. Und sei es am letzten Spieltag.

Nächsten Samstag, wenn die Bayern um halb vier in Hannover spielen, können sie sich den Blick auf die Anzeigetafel sparen. Dortmund spielt erst 18.30 Uhr gegen Bremen. Immerhin kein Parallelspiel. Vielleicht können sie es ja auf dem Heimflug anschauen, und wie Thomas Müller erneut hoffen. Dass der Konkurrent endlich mal strauchelt.